Niederlande

Trotz Überfall auf Familie

»Wir bleiben«: Eran Zahavi Foto: picture alliance / ANP

Niederlande

Trotz Überfall auf Familie

Fußballer Eran Zahavi bleibt

von Tobias Müller  23.05.2021 11:34 Uhr

Der israelische Nationalspieler Eran Zahavi (33) vom niederländischen Spitzenklub PSV Eindhoven hat drei Tage nach dem Überfall auf sein Haus in Amsterdam beim Heimerfolg gegen Zwolle ein Tor geschossen.

Die Bilder, wie er danach mit den Fingern für seine Frau auf der Tribüne ein Herz formt, tauchten in allen Medien des Landes auf. Sie hätten »beschlossen, schnell zum normalen Leben zurückzukehren«, so Zahavi nach dem Spiel. »Ich danke Gott, dass ich so eine Frau habe.«

Überfall Trotz elf Toren in seiner ersten Saison beim Vizemeister wird der ehemalige Kapitän des israelischen Nationalteams vor allem wegen des bewaffneten Überfalls in Erinnerung bleiben. Als Zahavi Anfang Mai im Vereinsbus unterwegs zu einem Match war, klingelten an seiner Haustür zwei Männer, die sich als Postboten ausgaben.

Als Zahavis Frau öffnete, fesselten die Männer sie und ihre Kinder und klebten ihnen mit Klebeband die Münder zu. Die Täter bedrohten die Frau mit einer Schusswaffe, schnitten ihr nach Medienberichten einen Teil des Haars ab und entkamen mit Wertgegenständen und Bargeld.

Angesichts der angespannten Lage im Nahen Osten kommt es seit einigen Wochen auch in den Niederlanden zu Vorfällen im Zuge pro-palästinensischer Kundgebungen.

Angesichts der angespannten Lage im Nahen Osten kommt es seit einigen Wochen auch in den Niederlanden zu Vorfällen im Zuge propalästinensischer Kundgebungen. »Soweit bekannt, liegt im Fall Zahavi kein solches Motiv vor«, so eine Sprecherin der Amsterdamer Polizei gegenüber der Jüdischen Allgemeinen.

Gerüchte Zahavi bat auf Instagram darum, seine Privatsphäre zu respektieren, sodass seine Familie das traumatische Erlebnis verarbeiten könne. Während sein Verein ihm freistellte, bei den letzten Spielen aufzulaufen, war dies für Zahavi offenbar kein Thema: »Wir bleiben bis zum Saisonende«, betonte er entgegen Gerüchten, die Familie kehre sofort nach Israel zurück.

Dass sich Zahavi nicht unterkriegen lässt, zeigt sich dieser Tage erneut: Per Photoshop bearbeitete er zwei Aufnahmen englischer Kicker, die ursprünglich eine palästinensische Flagge trugen, und setzte eine israelische ein. »Danke, Jungs. Wir schätzen eure Unterstützung«, kommentierte er.

Die Aktion brachte ihm viel Online-Hass ein. Einer Umfrage auf der Website soccernews.nl mit mehr als 800 Teilnehmern zufolge finden 62 Prozent der Leser Zahavis Posts »skandalös«.

Interview

»Es ist beängstigend, wie sich die Geschichte wiederholt«

Evan Bernstein (51) ist seit Kurzem neuer CEO von B’nai B’rith International, der ältesten jüdischen Wohltätigkeitsorganisation. Um den wachsenden Antisemitismus zu bekämpfen, will Bernstein vor allem die lokale Vernetzung verbessern

von Michael Thaidigsmann  29.09.2026

Vergessener Held

Ein jüdischer US-Agent und die Naziverbrecher in Nürnberg - die vielen Leben des Jack Boeki

Vor 80 Jahren ging in Nürnberg der Prozess gegen die deutschen Hauptkriegsverbrecher zuende. Zeitzeuge Jack Boeki hat an den Justizpalast eine ganz besondere Erinnerung

von Joachim Heinz  29.09.2026

Niederlande

»Der 7. Oktober, das bin ich«: Student der Uni Maastricht will an Terrorangriff teilgenommen haben

Ein 22-jähriger Palästinenser, der in den Niederlanden studiert, erweckt in einem Instagram-Video den Eindruck, er habe an der Terrorattacke der Hamas auf Israel teilgenommen. Jetzt griff die Hochschule durch

 28.09.2026

London

Reporter oder doch Terroristen? BBC prüft Liste in Gaza getöteter Journalisten

Konkret geht es um 53 Personen, bei denen Verbindungen zu palästinensischen Terrororganisationen festgestellt wurden

 28.09.2026

Schweiz

Eine Sukka voller Fragen

Die Israelitische Cultusgemeinde Zürich hat ihre nichtjüdischen Nachbarinnen und Nachbarn in die Laubhütte eingeladen. Zu selbstgemachtem Hummus darf alles gefragt werden. Ein Besuch

von Nicole Dreyfus  25.09.2026

Bern

Verantwortung lässt sich nicht neutralisieren

Die Schweiz debattiert anlässlich einer Volksabstimmung über ihre Neutralität. Ein Kommentar von JA-Schweiz-Korrespondentin Nicole Dreyfus

von Nicole Dreyfus  25.09.2026

Großbritannien

»Roo the Jew«: Wayne Rooney enthüllt jüdische Wurzeln

Der frühere englische Fußballstar Wayne Rooney (40) hat in einer TV-Doku enthüllt, dass seine Großmutter mütterlicherseits jüdisch war

 24.09.2026

Ranking

Das sind die 50 einflussreichsten Juden weltweit

von Michael Thaidigsmann  23.09.2026

Buenos Aires

Argentinien: Richter ordnet Prozess wegen Terroranschlags von 1994 an

Über 32 Jahre ist es her, dass Terroristen einen Bombenanschlag auf das jüdische Gemeindezentrum AMIA in Buenos Aires verübten. 85 Menschen wurden ermordet. Nun entschied ein Richter, den Prozess gegen die Verdächtigen zu eröffnen

 22.09.2026