Terror

Trauer um Teenager

Nach den Terroranschlägen in Colombo Foto: imago images / ZUMA Press

Unter den über 350 Opfern der Terroranschläge am Ostersonntag in Sri Lanka waren auch zwei jüdische Teenager. Amelie und Daniel Linsey, 15 und 19 Jahre alt, gehörten zu den acht britischen Opfern der Bluttaten, an die am Mittwoch im Londoner Parlament erinnert wurde. Das berichtete die  »Jewish News«. Die beiden jungen Menschen besaßen die britische und die amerikanische Staatsbürgerschaft. Sie wurden bei einem Anschlag auf ihr Hotel in Colombo getötet. Ihr Vater, der mit ihnen im Urlaub war, überlebte die Explosion.

»Das Ziel dieser Grausamkeit waren eindeutig Christen. Aber die Bomben der Terroristen unterschieden nicht zwischen ihren Opfern«, sagte der Abgeordnete Howard Leigh, Präsident der Westminster-Synagoge in London, im britischen Oberhaus. Die Mitglieder der Familie Linsey seien Mitglieder seiner Synagoge gewesen: »Sie waren in denselben Klassen wie meine Kinder. Amelie hat im vergangenen März ihre Batmizwa gefeiert. Sie hat mit Haltung, Reife und Wärme aus unseren Torarollen gelesen.«

Gemeinde Er fügte hinzu, der 19-jährige Daniel sei sehr interessiert an jüdischen Feiertagen gewesen. An Purim habe er den Mitarbeitern der Synagoge geholfen, das Fest vorzubereiten. »Wir haben als Gemeinde gelobt, der Familie Linsey unsere Liebe und unsere Unterstützung anzubieten. Die jüdische Gemeinde ist es gewöhnt, Trauernde zu beraten, die durch Bomben von Terroristen in Mitleidenschaft gezogen wurden. Dies ist ein weiteres Kapitel in diesem traurigen Buch.«

Der Vater der beiden Kinder, Matthew Linsey, war bei dem Anschlag ebenfalls in dem Hotel. Dem US-Sender CNN sagte er laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Jewish Telegraphic Agency (JTA), seine Kinder seien zum Buffet in den Speisesaal hinuntergegangen. »Sie haben meinen Teller gefüllt. Und dann sagte ich, ich möchte noch ein bisschen mehr. Meine Tochter sagte: Ich hole es. Und dann ging die Bombe los, und beide rannten auf mich zu.«

Linsey sagte weiter, nach einer weiteren Explosion in der Nähe des Aufzugs im Hotel seien beide Kinder bewusstlos gewesen. Eine Ambulanz habe sie ins Krankenhaus gebracht. Im Krankenhaus, so der Vater, habe er um Hilfe geschrien und seine Stimme verloren. Die Mitarbeiter der Klinik hätten »alles getan, was sie konnten«.

Beerdigung Die sterblichen Überreste von Amelie und Daniel sollen zur Beerdigung nach England gebracht werden. Lord Leigh bat die Regierung am Mittwoch darum, ihre Anstrengungen zu verdoppeln, damit die Teenager so schnell wie möglich beerdigt werden können.

Die internationale Terrororganisation »Islamischer Staat« (IS) hat sich mittlerweile zu den Anschlägen in Kirchen und Hotels bekannt, bei denen mehr als 350 Menschen getötet und über 500 verletzt wurden. Dafür gibt es jedoch bisher keine Beweise. Die Fahnder in Sri Lanka suchen derzeit nach Verbindungen zwischen dem IS und einer lokalen Islamistengruppe.

Führende britische Rabbiner und Gemeindevertreter brachten unterdessen ihre Trauer und Empörung über die blutigen Anschläge am Ostersonntag zum Ausdruck. Auch Israels Präsident Reuven Rivlin und Regierungschef Benjamin Netanjahu verurteilten die Terrorakte.

Belgien

Außerhalb des Völkerrechts

Die belgische Regierung verweigert einer Staatsangehörigen die konsularische Betreuung, weil sie in einer von Brüssel nicht anerkannten israelischen Siedlung lebt

 09.01.2026

Alija

Sprunghafter Anstieg: Mehr Juden sagen Frankreich Adieu

2025 hat sich die Zahl der jüdischen Auswanderer nach Israel fast verdoppelt. Experten machen dafür vor allem den wachsenden Antisemitismus verantwortlich

 08.01.2026

Entführungsfall

Jugendamts-Zeugin im Block-Prozess: »Unglaubliche Belastung«

In dem Hamburger Prozess geht es eigentlich um die Entführung der Block-Kinder. Die hat aber eine jahrelange Vorgeschichte. Eine Jugendamts-Mitarbeiterin schildert eine wichtige Wende im Sommer 2021

von Stephanie Lettgen, Bernhard Sprengel  08.01.2026

Fußball

England als neue Chance? Daniel Peretz verlässt Hamburger SV

Nach der missglückten Leihe zum Hamburger SV geht es für Bayern-Torhüter Daniel Peretz in England weiter. Dort trifft er auf einen deutschen Trainer

 08.01.2026

Los Angeles

Sega-Mitgründer David Rosen im Alter von 95 Jahren gestorben

Der Unternehmer aus New York ging in den 1950ern nach Japan und importierte Fotoautomaten. Später folgten Flipper-Automaten und Jukeboxen

 08.01.2026

Meinung

Instrumentalisiertes Leid kennt keine Moral

Nach der Brandkatastrophe von Crans-Montana braucht es Mitgefühl und Respekt. Wer eine lokale Tragödie von existenzieller persönlicher Wucht für politische Deutungen missbraucht, handelt zynisch – und entwürdigt die Betroffenen.

von Nicole Dreyfus  08.01.2026

Interview

»Die ICZ gehört zu mir – und ich gehöre zu ihr«

Sie will Brücken bauen, ohne den Rahmen zu sprengen. Die neu gewählte ICZ-Präsidentin Noëmi van Gelder spricht über Tradition und Offenheit, über Sicherheit in bewegten Zeiten – und darüber, wie jüdisches Leben in Zürich sichtbar, stark und gemeinschaftlich bleiben kann

von Nicole Dreyfus  08.01.2026

Jerusalem

Gedenkstätte Yad Vashem verweigerte Selenskyj Rede

Kurz nach Kriegsbeginn in der Ukraine wollte Selenskyj in Yad Vashem sprechen. Aber durfte nicht. Der Gedenkstätten-Vorsitzende nennt nun dafür klare Gründe

 07.01.2026

Venezuela

Kraft für den Neuanfang?

Trotz der spektakulären Festnahme des Diktators Nicolás Maduro durch die USA blickt die jüdische Gemeinde des Landes in eine ungewisse Zukunft

von Michael Thaidigsmann  07.01.2026