Nachruf

Abschied von einer Stil-Ikone 

Iris Apfel Foto: picture alliance / Sipa USA

Große runde Brille, bunte Ketten und Armreifen, kurze weiße Haare - so wurde Iris Apfel weltberühmt. Ihr Konterfei gibt es sogar als Emoji fürs Handy.

»Wenn mein Gesicht die Menschen glücklich macht, dann bin ich dabei«, hatte die jüdische Stil-Ikone bei der Veröffentlichung des Emojis kurz vor ihrem 95. Geburtstag gesagt. Fans auf der ganzen Welt verehrten Apfel für ihren außergewöhnlichen Modestil und ihren scharfzüngigen Humor. Nun ist die US-Amerikanerin im Alter von 102 Jahren gestorben.

Ihre Managerin, Lori Sale, bestätigte der Deutschen Presse-Agentur den Tod der Fashion-Ikone am Freitag (Ortszeit) in einer Mitteilung. Auch auf Apfels Instagram-Seite wurde der 1. März als Todesdatum genannt. Zahlreiche Follower der Gestorbenen bekundeten ihre Trauer und würdigten die Verdienste der Mode-Legende.

Ihren Durchbruch erlebte die 1921 im New Yorker Stadtteil Queens geborene Diva erst, als sie schon über 80 war: 2005 musste das Kostüminstitut des New Yorker Metropolitan Museums kurzfristig eine Ausstellung absagen und suchte dringend nach Ersatz. Kurator Harold Koda dachte spontan an Apfel - und die zauberte aus ihren Kleiderschränken und Schmuckschachteln eine so beeindruckende Erfolgsschau, dass sie innerhalb kürzester Zeit zum Star wurde.

Geschenk des Himmels

»Das war ein Geschenk des Himmels, ehrlich gesagt, denn nachdem ich in Rente gegangen war, lag mein Sozialleben am Boden«, sagte Apfel einmal dem »Guardian«. »Es ist wunderbar, dass auf meine alten Tage nochmal alle so ein Bohei um mich machen.« Sogar ein Dokumentarfilm entstand, natürlich mit dem Titel »Iris«.

Dabei hatte Apfel, die sich selbst gern als »greises Modesternchen« bezeichnete, da schon eine äußerst erfolgreiche Karriere als Innendesignerin hinter sich. Gemeinsam mit ihrem Mann Carl, den sie 1948 geheiratet hatte (»Er war cool, er war kuschelig und konnte chinesisch kochen, ich hätte es also nicht besser haben können«), arbeitete sie als Designerteam und beriet unter anderem neun US-Präsidenten bei der Einrichtung des Weißen Hauses.

»Das war eigentlich ein ziemlich einfacher Job, weil alles immer so ähnlich wie nur menschenmöglich sein sollte zu dem, wie es bereits war«, erinnerte sich Apfel einmal. »Naja, bis Frau Kennedy kam. Sie stellte einen berühmten Pariser Designer ein, der das Haus so richtig französisch-schick machen sollte, und die Design-Community ist durchgedreht. Danach mussten wir es alles rausschmeißen und wieder von vorne anfangen. Aber ich mochte Frau Nixon. Sie war sehr nett.«

Ablenkung durch Arbeit

Das Designerteam Apfel lebte in New York und Florida und reiste um die Welt. Für Kinder war da kein Platz. »Ich mag es nicht, wenn ein Kind ein Kindermädchen haben muss, also war das für uns nicht drin. Aber Kinder haben ist auch wie eine Vorschrift, das wird von einem erwartet. Und das mag ich auch nicht.«

Mehr als 60 Jahre lang war Carl mit Iris Apfel verheiratet, bis er 2015 kurz vor seinem 101. Geburtstag starb. Die Mode-Diva versuchte sich danach mit Arbeit abzulenken - für Werbekampagnen mehrerer Schmuck- und Kleidungsfirmen posierte sie als Model und entwarf Schmuck für ältere Menschen mit integrierter Technik, die die Gesundheit des Trägers überprüft und im Notfall einen Krankenwagen alarmiert.

»Alles, was es in dieser Hinsicht schon auf dem Markt gab, war furchtbar, und wir brauchten schöne Dinge, die die Menschen zur Arbeit oder auf eine Party anziehen können.«

Dass Designer die älteren Menschen vergessen, darüber beschwerte sich Apfel immer wieder. »Warum diese 15-jährigen Models? Wie soll sich eine ältere Frau damit identifizieren können?«

In erster Linie aber genoss Apfel ihren späten Ruhm. »Ich glaube, dass die Menschen mich mögen, weil ich anders bin. Ich denke nicht wie alle anderen. Die Menschen sind so beschäftigt mit den schlimmsten Seiten der Technik heutzutage. Sie verbringen ihr Leben damit, auf Knöpfe zu drücken. Und sie benutzen ihre Fantasie nicht mehr.«

Statement

J7 Condemn Iranian Attack on Israel

The organization expressed its »unwavering support for Israel and the Israeli people«

von Imanuel Marcus  15.04.2024

«Library of Lost Books»

Mehr als 4000 verschollene jüdische Bücher aus Berlin in Prag gefunden

Eine Rückkehr der Bücher ist »derzeit nicht geplant«

 12.04.2024

Antisemitismus

»Strudel absurder Verschwörungstheorien«

Der Schweizer Regisseur Samir unterstellt Israel, die Massaker des 7. Oktober mit verursacht zu haben

 11.04.2024

Schweiz

Können Judenwitze lustig sein?

Ein Muslim und ein Jude scheren sich nicht um Political Correctness – und haben damit Riesenerfolg. Kein Witz

von Nicole Dreyfus  11.04.2024

USA

Heimatlos und kämpferisch

Wie der Hamas-Terror in Israel die Identität jüdischer Amerikaner verändert. Ein Ortsbesuch in Atlanta

von Katja Ridderbusch  10.04.2024

Russland

Nach den Toten kommt die Hetze

Als Reaktion auf den Terroranschlag auf die Crocus City Hall nahe Moskau grassieren antisemitische Verschwörungstheorien

von Alexander Friedman  09.04.2024

Argentinien

Was von der Mileimanía übrig bleibt

Nach 100 Tagen im Amt ist der Israel-affine, libertäre Präsident Javier Milei umstrittener denn je

von Victoria Eglau  09.04.2024

Amsterdam

Ex-Geisel am Flughafen Schiphol erniedrigt

Die Frau und ihre Begleiterin wurden nach eigenen Angaben von einem Flughafenmitarbeiter entwürdigt

 07.04.2024

Großbritannien

»Wie in der Nazizeit«

Daniel und Neria Sharabi haben das Nova-Massaker überlebt. Bei ihrer Einreise nach Manchester wurden sie beschimpft und schikaniert

von Daniel Zylbersztajn-Lewandowski  05.04.2024