Tunesien

Tausende zum Fest in der Synagoge

Juden aus aller Welt feiern in der alten Karawanserei neben der La-Ghriba-Synagoge Lag BaOmer. Foto: picture alliance/dpa

Bunte Kopftücher, Schnaps und Unmengen beschrifteter Eier – auf der tunesischen Insel Djerba haben Tausende Juden in diesem Jahr Lag BaOmer gefeiert.

Nach Angaben des tunesischen Fremdenverkehrsamtes vom Sonntag kamen etwa 6700 Pilger in die Synagoge La Ghriba, auch aus anderen Ländern. Auch Tunesiens Premierministerin Nejla Bouden war dabei. Das Fest wurde von einem großen Polizeiaufgebot mit Hubschraubern und Scharfschützen geschützt.

beziehungen Nach zwei Jahren Pause wegen der Corona-Pandemie durften auch Israelis wieder zur Wallfahrt nach Tunesien. Das nordafrikanische Land hat keine diplomatischen Beziehungen zu Israel, lässt dessen Bürger aber im Rahmen organisierter Touren zum Fest ins Land. »Ich bin das erste Mal hier und sehr berührt, die Heimat meiner Eltern zu sehen«, sagt eine Israelin. Auch aus Frankreich und Italien reisten Gläubige an.

In Tunesien selbst leben nach Angaben des Präsidenten der jüdischen Gemeinde von Djerba, Perez Trabelsi, nur noch rund 1800 Juden. Der Großteil davon ist auf Djerba zu Hause. Mitte des 20. Jahrhunderts gab es noch 100.000 Juden in Tunesien. Auf Djerba lebten Muslime und Juden friedlich zusammen, betonte Trabelsi.

sicherheitskontrollen Ein muslimischer Taxifahrer zeigte Verständnis für die Sicherheitskontrollen. »Aber die Hubschrauber - das ist zu viel. Das macht den Touristen Angst.« 2002 starben bei einem Anschlag der islamistischen Al-Qaida auf die Synagoge 20 Menschen, darunter 14 deutsche Touristen.

»Die Wallfahrt ist der Moment des Jahres, in dem alle über uns reden«, sagte Moche Uzan aus der Hauptstadt Tunis stolz, mit einer Kippa auf dem Kopf. Zu Hause trägt der 33-Jährige keine Kippa. »Das wäre für viele dort befremdlich«, findet Uzan.

Die Stimmung auf dem Fest ist ausgelassen. Frauen in Abendkleider zwängen sich in eine Grotte, um mit Wünschen beschriftete Eier abzulegen. Ein Rabbiner besiegelt die Zeremonie mit einem Gebetsspruch und Feigenschnaps. dpa

Meinung

Fertig Idylle!

Am Mittwoch sticht in der Winterthurer Innenstadt ein Mann auf vorbeilaufende Passanten ein und schreit »Allahu Akbar« – ein Weckruf für die Schweiz

von Nicole Dreyfus  28.05.2026

Warnung

Steven Spielberg will keine KI nutzen

Der Filmemacher sieht einen Platz für KI in der Medizin und in der Forschung.

 28.05.2026

Interview

»Das ist nicht normal«

Regina Sluszny überlebte die Schoa, weil sie von katholischen Belgiern versteckt wurde. Angesichts des Strafverfahrens gegen Mohalim fragt sich die Vorsitzende des jüdischen Dachverbands FJO, ob es für Juden in Belgien noch eine Zukunft gibt

von Michael Thaidigsmann  27.05.2026

Italien

Pride in Rom schließt jüdische LGBTQ-Organisationen aus

Die Organisatoren der Rome Pride Parade verbannen jüdische LGBTQ-Gruppen, die sich nicht von einem angeblichen Völkermord in Gaza distanzieren

von Nicole Dreyfus  27.05.2026

Antwerpen

Belgien: Empörung über Anklage gegen jüdische Beschneider

Wegen Anklagen gegen zwei jüdische Beschneider kritisieren jüdische Vertreter die belgischen Behörden scharf. Die European Jewish Association wirft der Staatsanwaltschaft vor, die Religionsfreiheit zu verletzen - Belgien weist dies zurück

von Marlene Brey  27.05.2026

New Jersey

Donald Newhouse mit 96 Jahren gestorben

Er war einer der einflussreichsten Medienmanager in den USA. Das Rampenlicht suchte er nur selten

 27.05.2026

Dokumentation

»Mehr Mut zu unbequemen Wahrheiten!«

Die Jüdische Allgemeine ist mit dem Tacheles-Preis ausgezeichnet worden. Hier dokumentieren wir die Dankesrede von JA-Chefredakteur Philipp Peyman Engel

von Philipp Peyman Engel  21.05.2026

Nachruf

Barney Frank mit 86 Jahren gestorben

Als liberale Stimme im Washingtoner Kongress prägte der jüdische Abgeordnete der Demokraten sowohl die Debatten über Finanzmarktregulierung als auch über die Rechte von Homosexuellen

 20.05.2026

Spanien

Mordverdacht: Sohn von Mango-Gründer festgenommen

Die Polizei in Katalonien hat Medienberichten zufolge den Sohn des Mango-Gründers und Philanthropen Isaak Andic festgenommen. Jonathan Andic war als einziger dabei, als sein Vater im Dezember 2024 einen Abhang hinunterstürzte

 19.05.2026