USA

Tacheles in Tampa

Auf allen Kanälen: Mitt Romney auf dem Nominierungsparteitag in Tampa Foto: Reuters

Durch Tampa/Florida weht während des Parteitags der Republikaner eine steife Brise, die Innenstadt ist leer gefegt: Nicht nur Tropensturm Isaac trägt dazu bei, sondern auch der Ausbau der City zu einer Festung. Downtown Tampa wurde für die Republican National Convention abgeriegelt und befindet sich im Ausnahmezustand.

Auf diesem Parteitag geht es um Symbole, nicht um Inhalte. Die Streitthemen des Präsidentschaftswahlkampfs gelten hier nichts: Weder die gleichgeschlechtliche Ehe noch die Haltung zu Syrien oder Abtreibungen sind in Tampa die entscheidenden Kriterien – es ist der chinesische Yuan.

china Sollte am 6. November tatsächlich Mitt Romney zum 57. Präsidenten der USA gewählt werden, würde er zuerst mit China verhandeln, um für eine Aufwertung des Yuan zu werben. Das ist nicht nur schon lange ein Wunsch vieler konservativer Währungspolitiker und Volkswirte in den USA, Romney wäre diesen Schritt auch seinem wichtigsten Parteispender schuldig: Sheldon Adelson, dem berühmten Casino-Mogul, dessen Spielhöllen in Las Vegas und im chinesischen Macao Milliarden in die Kassen spülen.

Adelson, der prominenteste jüdische Unterstützer des republikanischen Bewerbers, würde von einer Aufwertung des Yuan unmittelbar profitieren und seine Rekord-Parteispende bald wieder eingespielt haben. Sollte der Yuan frei handelbar werden und infolgedessen steigen, wäre dies für Adelson nach eigener Aussage wie ein »Grand Slam, Home Run und Super Bowl« gleichzeitig.

mormonen Als Gouverneur von Massachusetts hatte Romney die Nähe zu Casino-Besitzern wie Adelson noch peinlichst vermieden. Das ist heute anders: Adelson ist der größte Förderer des republikanischen Kandidaten beim Kampf ums Weiße Haus. Dennoch ist weder die religiöse noch die politische Nähe zwischen den beiden Unternehmern allzu groß: Romney als Mormone würde zwar erstmals als Angehöriger einer religiösen Minderheit zum mächtigsten Mann der Welt aufsteigen, aber die Mehrheit der jüdischen Wähler in den USA zeigt sich davon gänzlich unbeeindruckt und bleibt einstweilen den Demokraten treu.

Politisch hatte Adelson zunächst auf Newt Gingrich gesetzt und sich dabei vergaloppiert. 20 Millionen Dollar hat ihn dieser Irrtum gekostet. Romney unterstützt er nun mit weiteren zehn Millionen Dollar aus seinem Vermögen. Für Kritiker ist es »ausländisches Geld« (aus China), das so in die Wahlkampagne fließt.

Pikant ist, dass sich Adelson derzeit in einem Korruptionsprozess verantworten muss. Einer seiner ehemaligen Mitarbeiter, Steve Jacobs, gab zu Protokoll, dass er von Adelson dazu angehalten worden sei, Politiker in Macao zu schmieren. Weil Adelsons geschäftlicher Erfolg von guten amerikanisch-chinesischen Beziehungen abhängt, würde er gern amerikanische Proteste gegen Menschenrechtsverletzungen in China niedriger gehängt sehen. Adelson ist der bekannteste – und flüssigste – Parteispender in den USA. Die Demokraten haben es viel schwerer, Spenden in sechsstelliger Höhe einzutreiben. Deren Hauptsponsor, Hollywood-Magnat Jeffrey Katzenberg, hat »nur« knapp zwei Millionen Dollar an Obamas Partei gespendet.

In Israel und auch in Teilen der jüdischen Gemeinden in Amerika galt Obama Israel gegenüber als »kühl« und eher darum bemüht, in der arabischen und muslimischen Welt ein neues Bild von Amerika zu malen. Er hat Israel noch keinen Staatsbesuch abgestattet. Wenn ihm die Wähler eine zweite Amtszeit geben, will er dies nachholen. Adelson hingegen ist auch in Israel sehr aktiv: Einen Teil seines Vermögens, das auf 26 Milliarden Dollar geschätzt wird, steckte er in die Gründung der Zeitung Israel Hayom, die heute als meistgelesene Zeitung im Lande gilt.

kalkül Viele jüdische Wähler in den USA verprellen indes nicht nur Romneys ökonomisches Kalkül, sondern auch seine religiösen Überzeugungen: Mehr als ein Fünftel der befragten Wähler in Amerika gab an, keinen Mormonen als Präsidenten sehen zu wollen. Die Mormonen sind wohl derzeit die religiöse Gruppe in Amerika, die den meisten Spott über sich ergehen lassen muss.

Fast vier von fünf amerikanischen Juden wählten 2008 Obama. Nicht wenige von ihnen mögen enttäuscht davon sein, dass es ihm doch nicht gelungen ist, ein grundlegend neues Amerika zu schaffen. Sollte es Romney gelingen, einen Teil der jüdischen Wähler in den konservativen Block hinüberzuziehen, könnte dies ein entscheidender Faktor im Wahlausgang werden.

Dazu diente auch Romneys Blitzbesuch in Israel und sein Ausblick, dem jüdischen Staat in einer harten Iran-Politik freie Hand zu lassen. Doch davon spricht in Tampa niemand. Hier geht es um telegene Bilder. Es regneten blaue, rote und weiße Luftballons auf den Kandidaten nieder – vom tropisch warmen Sturm draußen in den Straßen von Tampa hat er nichts gespürt.

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