Schweiz

Still ruht der Rhein

Ganz ohne jeglichen Festakt wird das Datum wohl nicht an der Stadt vorbeiziehen. Foto: Thinkstock

Am Schluss zog die Basler Regierung die Reißleine: Vergangenen Freitag verschickte sie eine kurze Mitteilung. Darin hieß es lapidar, die Jubiläumsfeier aus Anlass des 120. Jahrestages des Ersten Zionistenkongresses in Basel 1897 könne leider nicht stattfinden.

Die Regierung begründete dies vor allem mit der knappen Zeit: Sie reiche nicht mehr aus, »die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen«. Außerdem hätten »wichtige Fragen, die sich bei der Organisation eines solchen Großanlasses stellen«, nicht geklärt werden können.

Polizei Diese »wichtigen Fragen« dürften vor allem das Thema Sicherheit betroffen haben. Basler Medien hatten in den vergangenen Wochen berichtet, die geplanten Vorbereitungen in Sachen Sicherheit, Polizei und Armee würden im Stillen weitergehen, auch wenn Unklarheit darüber bestehe, ob die Feier tatsächlich stattfinden werde oder nicht. Vermutlich war dies eine rein administrative Anordnung, die nun offenbar gestoppt wurde.

Unklarheit Die Regierung schrieb weiter, es gehe nicht an, die Bevölkerung weiter im Unklaren darüber zu lassen, was für Ende August geplant sei. Sie hatte dabei wohl die große OSZE-Schlusskonferenz vor einigen Jahren vor Augen. Deren Planung hatte zwei bis drei Jahre vor dem Ereignis begonnen. Auch die Jubiläumsveranstaltung zum 100. Jahrestag des Ersten Zionistischen Kongresses 1997 wurde lange im Voraus geplant.

Diesmal jedoch war erst im März bekannt geworden, dass Israel im Gedenken an 1897 gern in Basel eine große Feier stattfinden lassen würde. Etliche Einwohner, auch jüdische, fühlten sich eher überrumpelt als positiv überrascht.

Die Basler Regierung, ohne deren aktive Mitwirkung eine solche Feier nicht stattfinden kann, schien dann aus praktischen Gründen, aber wohl auch aus Sorge um das Prestige, aufspringen zu wollen. Denn eine Feier, bei der bekannte Persönlichkeiten aus aller Welt die Stadt besucht hätten, wäre für Basel als Reiseziel natürlich sehr hilfreich gewesen.

Dennoch hatte sich in den vergangenen Wochen auch bei Basler Politikern, die eigentlich Sympathien für Israel hegen, eine gewisse Unruhe breitgemacht. Vertreter linksextremer Parteien hatten die geplante Feier ohnehin kritisiert (vgl. Jüdische Allgemeine vom 18. Mai). Und die zahlreichen terroristischen Anschläge der letzten Zeit trugen das ihre dazu bei, dass viele Basler der geplanten Feier kritisch gegenüberstanden.

Basel Enttäuscht über die Absage zeigt sich erwartungsgemäß der israelische Botschafter Jacob Keidar. Er hatte für die geplante Feier viel geworben und angeregt, zu diesem Anlass hochrangige israelische und jüdische Wissenschaftler aus aller Welt nach Basel einzuladen.

Ebenfalls Bedauern zeigte der Schweizer Zionistenverband, der in die Planung des Kongresses teilweise involviert gewesen war.

Eher am Rande agierte die Basler Israelitische Gemeinde (IGB). Ursprünglich hatte sie zwar überlegt, in diesem Jubiläumssommer selbst etwas auf die Beine zu stellen, war dann aber vom israelischen Vorpreschen überrollt worden und hatte sich zurückgezogen.

IGB-Präsident Guy Rueff zeigt denn auch ein gewisses Verständnis für die Entscheidung der Basler Regierung. »Israel hat den nötigen Zeitbedarf wohl unterschätzt«, sagt er und weist darauf hin, dass man in Jerusalem offenbar davon ausgehe, dass die Armee jederzeit für solche Aufgaben wie den Schutz eines Kongresses zur Verfügung stehe. »In der Schweiz mit ihrem Miliz-System ist das aber nicht so einfach möglich.«

Festakt Passiert nun also gar nichts in der Rheinstadt Ende August, wenn sich der Jahrestag des Kongresses zum 120. Mal jährt? Ganz ohne jeglichen Festakt wird das Datum wohl nicht an der Stadt vorbeiziehen. Zum einen will der Schweizerische Israelitische Gemeindebund (SIG) das Jubiläum mit einer eigenen Veranstaltung aufgreifen. Mehr könne man dazu im Moment noch nicht sagen, heißt es auf Anfrage beim SIG. Die Veranstaltung werde aber auf jeden Fall eher klein sein, sprich: für die Öffentlichkeit kaum wahrnehmbar.

Zum anderen hält sich in Israel hartnäckig das Gerücht, Ministerpräsident Netanjahu, auf dessen Initiative die Idee eines Jubiläumskongresses offenbar zurückgeht, wolle Basel und vielleicht auch die Hauptstadt Bern möglicherweise privat besuchen.

Näheres darüber ist derzeit allerdings nicht bekannt. Wegen der Kurzfristigkeit und der umfangreichen Sicherheitsfragen hätte die offizielle Schweiz vermutlich gewisse Vorbehalte gegen einen solchen Besuch. Hinzu kommt, dass der Schweizer Außenminister Didier Burkhalter vergangene Woche seinen Rücktritt zum 31. Oktober verkündet hat. Ein Netanjahu-Besuch gehört da wohl nicht unbedingt zu den Terminen, die er noch abarbeiten möchte.

Zürich Immerhin: Ein Beispiel für den Privatbesuch eines Ministerpräsidenten in der Schweiz, bei dem die Berner Regierung überhaupt nicht involviert war, gibt es. Vor ein paar Jahren tauchte der ungarische Premier Victor Orbán plötzlich in Zürich auf. Er besuchte eines seiner Kinder, das dort studierte. Ganz unbemerkt reiste er mit dem Nachtzug an. Doch ganz so diskret würde der Besuch eines israelischen Ministerpräsidenten in Basel nicht ablaufen.

Ein weiterer Grund, der gegen einen Bibi-Besuch in Basel spricht, ist ein sehr praktischer: Das Basler Stadtcasino, in dem der erste Kongress und auch diverse weitere über die Bühne gingen, wird zurzeit umfassend saniert und ist deshalb für die Öffentlichkeit gesperrt.

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