Zu Fuß durchs jüdische New York

Steins Zeit

Unterwegs in der Upper West Side kam ich kürzlich an der Ramath-Orah-Synagoge vorbei. Mit Freunden war ich am Schabbat schon ein paarmal dort zum Gottesdienst: eine weltoffene, liberale orthodoxe Synagoge, ein sehr intellektueller Rabbi und immer viel junges Publikum – die Columbia University liegt ja gleich um die Ecke.

Aber als ich neulich an der Synagoge vorbeiging, fiel mir etwas auf, das ich vorher noch nie gesehen hatte. »Founded in 1942« stand über der Eingangstür. Wenn ich solche Zahlen sehe, reißt es mich immer noch jedes Mal. Ich googelte und fand heraus: Die Gründung der Gemeinde »Ramath Orah« geht auf Rabbi Dr. Robert Serebrenik, seine Frau Julia und 61 weitere Flüchtlinge aus Luxemburg zurück. Serebrenik war gebürtiger Wiener und seit 1929 Oberrabbiner von Luxemburg.

Bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs lebten in diesem Kleinstaat etwa 4000 Juden, die Hälfte von ihnen Flüchtlinge. Im Mai 1940 marschierten die Deutschen in Luxemburg ein. Noch am selben Tag organisierte Rabbi Serebrenik eine Massenflucht; ungefähr 1000 Juden entkamen nach Frankreich und Belgien.

Eichmann 1941 fuhr der Rabbi nach Berlin, um mit Eichmann persönlich zu verhandeln. Der fragte ihn, was er mit den Juden von Luxemburg vorhabe. Serebrenik sagte, er wolle ihnen die Ausreise nach Lissabon ermöglichen. Eichmann gab ihm elf Tage; als der Rabbi nach Luxemburg zurückkehrte, waren davon acht Tage übrig. Es gelang ihm, noch 250 Visa für seine Gemeindemitglieder zu ergattern, allerdings prügelten Nazis ihn in einer Mainacht 1941 vor der Synagoge beinahe zu Tode. Im Juni kamen er, seine Frau und 61 weitere Flüchtlinge im Hafen von New York an.

Ein tapferer Mann, dieser Dr. Serebrenik. Hätte ich gewusst, wer er war, hätte ich die Gottesdienste in der Synagoge »Ramath Orah«, die jungen Männer und Frauen von der Columbia University, die dort beteten, mit ganz anderen Augen gesehen. Mit zwei lachenden Augen und einem dritten, unsichtbaren Auge auf der Stirn, das still vor sich hinweint. Denn was bedeuten schon 63 Gerettete angesichts der Millionen, die ermordet wurden? Beinahe nichts; und beinahe alles.

Ramath Orah, 550 West 100 Street

Schweiz

Opfer von Crans-Montana auch in Deutschland in Behandlung

Nach dem schweren Brand in einer Bar werden drei Verletzte in Stuttgart und Tübingen behandelt. Die Kliniken setzen auf spezialisierte Versorgung und halten sich mit Details zurück

 02.01.2026

Ehrung

Bundespräsident Steinmeier gratuliert Blumenthal zum 100. Geburtstag

Michael Blumenthal hatte eine steile Karriere in den USA hingelegt, unter anderem als Finanzminister, bevor er den Chefposten im Jüdischen Museum Berlin übernahm. Zum runden Geburtstag würdigt ihn der Bundespräsident.

 02.01.2026

Crans-Montana

Nach tödlicher Brandkatastrophe: Drei jüdische Personen vermisst

Unklarheit über jüdische Opfer, die israelische Freiwilligenorganisation ZAKA ist vor Ort angereist und hilft nach Brandkatastrophe im Schweizer Nobelskiort Crans-Montana

 02.01.2026

Sydney

Das Mizwa-Haus am Bondi Beach

Chabad-Rabbiner laden am Bondi Beach Juden und Nichtjuden zum Beten, gemeinsamen Essen und Gedenken an die Opfer des Massakers vom 14. Dezember ein

 01.01.2026

Crans-Montana

Inferno bei Silvesterparty: Dutzende Tote in der Schweiz. Chabad-Betsaal von Großbrand nicht betroffen

Was bislang über die Explosion im Schweizer Nobel-Skiort bekannt ist

von Christiane Oelrich  01.01.2026 Aktualisiert

New York

Neuer Bürgermeister holt Anti-Israel-Aktivisten-Anwalt ins Führungsteam

Zohran Mamdani hat sein Amt als Bürgermeister New Yorks angetreten. Ein Neuzugang in seinem Führungsteam beunruhigt die jüdische Gemeinschaft mehr denn je

 01.01.2026

Sydney

Sydney: Neujahrszeremonie mit Gedenkminute

Mit einer Gedenkminute und Projektionen wurde während der Neujahrszeremonie der Opfer des Bondi-Massakers gedacht

 31.12.2025

Iran

Proteste im Iran nehmen zu - Hinrichtungen auch

Ein Videoclip, in dem ein Mann in Teheran Regierungspolizisten auf Motorrädern trotzt, sorgt online für Begeisterung. Derweil verspricht der Mossad den Demonstranten Unterstützung

 31.12.2025 Aktualisiert

Australien

»Ich wollte verhindern, dass unschuldige Menschen getötet werden«

Ahmed Al-Ahmed, der »Held von Sydney«, hat sich erstmals persönlich zu seinem mutigen Eingreifen während des Massakers an einer Chanukka-Feier am Strand geäußert

von Nicole Dreyfus  29.12.2025