Warschau

Sorge um Antisemitismus und Christenverfolgung

Kardinal Kurt Koch, Präsident der Päpstlichen Kommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum, leitete das Treffen der ILC. Foto: dpa

Vertreter des Vatikans und des Judentums haben bei einem dreitägigen Treffen, das am Donnerstag in Warschau endete, über aktuelle Fragen der Flüchtlingskrise gesprochen. Thema war auch die Zunahme von Antisemitismus und Christenverfolgung.

Antisemitismus komme wieder in verschiedenen Formen zum Vorschein, heißt es dazu in einer vom Presseamt des Vatikans verbreiteten Erklärung. »Das stellt eine Gefahr nicht nur für Juden, sondern genauso für die Ideale der Demokratie dar. Verbesserte und neu belebte Bildungsprogramme sind erforderlich, um Antisemitismus zu bekämpfen.«

Auch die Verfolgung von Christen habe ein Niveau erreicht, das man seit langer Zeit nicht mehr erlebt hat. Die Teilnehmer der Konferenz sprachen von der Verpflichtung, weltweit das Bewusstsein für dieses Problem zu stärken.

Schoa Bei einer Gedenkveranstaltung im NS-Vernichtungslager Treblinka betonten die Delegationsleiter die gemeinsame Verpflichtung, dass die Tragödie der Schoa niemals vergessen werden dürfe. Und es dürfe der Welt niemals wieder gestattet sein, eine solche Verneinung der Menschlichkeit oder der Würde irgendeines menschlichen Wesens unabhängig von Rasse, Religion oder Volkszugehörigkeit zuzulassen, heißt es in der Mitteilung des Vatikans.

An dem Treffen des Internationalen Katholisch-Jüdischen Liaison Komitees, das seit 1971 alle zwei Jahre zusammenkommt, nahmen diesmal Vertreter aus fünf Kontinenten teil.

Es fand unter Leitung von Kardinal Kurt Koch, dem Präsident der Päpstlichen Kommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum, und Martin Budd, dem Vorsitzender des International Jewish Committee on Interreligious Consultations (IJCIC), statt. ja

Kommentar

Wenn das kein Antisemitismus ist, was dann?

Ein Mann wollte in Zürich eine Synagoge in Brand stecken. Der Täter gestand die Attacke. Er kam vor Gericht. Nun wurde er freigesprochen

von Nicole Dreyfus  04.05.2026

Frankreich

Mit einer Prise Antisemitismus in den Elysée?

Mit 74 Jahren nimmt Linkspopulist Jean-Luc Mélenchon zum vierten Mal Anlauf auf das Präsidentenamt. Dabei operiert er gezielt mit antisemitischen und antiisraelischen Narrativen

von Michael Thaidigsmann  04.05.2026

Jubilar

Architektur als Zeichen der Hoffnung - Daniel Libeskind wird 80

Das Jüdische Museum Berlin, der Masterplan für Ground Zero in New York: Für den Amerikaner ist Bauen Teil der Erinnerungskultur

von Sigrid Hoff  04.05.2026

Howard Rossbach

Wanderer zwischen Ostküste und Oregon

Er ist Spross einer Familie bekannter Politiker und Bankiers. Doch seit 50 Jahren reüssiert der gebürtige New Yorker Howard Rossbach am anderen Ende Amerikas als Winzer. Ein Porträt

von Michael Thaidigsmann  04.05.2026

Italien

Nächstes Jahr in Palermo

Über Jahrhunderte war das Judentum fester Bestandteil Siziliens. Dann wurde es mehr als 500 Jahre lang dem Vergessen preisgegeben. Die Geschichte einer Wiederentdeckung

von Mark Feldon  04.05.2026

Großbritannien

Regierung erwägt Einschränkungen bei israelfeindlichen Demonstrationen

Premierminister Keir Starmer verweist auf eine zunehmende Bedrohungslage für jüdische Gemeinden im Land. Insbesondere Parolen wie »Globalize the Intifada« müssten geahndet werden

 04.05.2026

Glosse

Wie wird man ein anständiger Antisemit? Tipps und Tricks für Judenhasser

Eine Handreichung

von Daniel Neumann  03.05.2026

Meinung

Wir haben ein Problem – und wir müssen endlich darüber reden

Ein Weckruf über verfehlte Migration, ausländische Einflussnahme und das ohrenbetäubende Schweigen der »Progressiven«

von Jacques Abramowicz  02.05.2026

Großbritannien

Londoner Polizeichef: Beinahe »Pandemie« des Antisemitismus

Ein terroristisch motivierter Anschlag in den kommenden sechs Monaten gilt in der vierten von fünf Stufen nun als »sehr wahrscheinlich«

 01.05.2026