Kopenhagen

Solidarität nach dem Trauma

Menschenkette in Kopenhagen: Muslime, Juden und Christen hielten sich an den Händen und riefen zum Frieden auf. Foto: dpa

Die Batmizwa von Hanna Bentow in der zentralen Kopenhagener Synagoge endete nach dem Anschlag vom 15. Februar in Angst und Schrecken – am Eingang des Gotteshauses hatte ein Islamist den jüdischen Wachmann Dan Uzan erschossen. Nun hat das 13-jährige Mädchen am Sonntag ihre Feier in Jerusalem nachgeholt, mit einer offiziellen Zeremonie und einer großen Tanzparty.

Jair Melchior, Rabbiner der Jüdischen Gemeinde in Kopenhagen, sagte der Jüdischen Allgemeinen, ein Privatmann aus Kanada, der die Familie der 13-Jährigen vorher nicht kannte, habe ihr nach dem Anschlag ein positives Batmizwa-Erlebnis ermöglichen wollen und deshalb eine zehntägige Israel-Reise finanziert. Außerdem unterstützten die Dan-Hotels und mehrere private Stiftungen den Trip.

Unter anderem besuchte die Familie eine Einrichtung für Traumaopfer in Eilat. Wie die Nachrichtenagentur Jewish Telegraphic Agency (JTA) berichtete, hatte das Mädchen nach dem Anschlag zu ihrer Mutter gesagt: »Ich wünschte, ich hätte keine Barmizwa gehabt und Dan wäre noch am Leben.«

Menschenkette
Unterdessen gab es am Samstag in Kopenhagen eine Solidaritätsaktion mit der Jüdischen Gemeinde: An einem interreligiösen »Friedensring« rund um die Synagoge beteiligten sich mehr als 1000 Menschen. Muslime, Juden und Christen hielten sich an den Händen und riefen zum Frieden auf.

An der Veranstaltung nahm auch Mordechai Uzan teil, der Vater des getöteten Wachmanns. Jair Melchior sagte der Jüdischen Allgemeinen: »Für ihn war es sehr bewegend – er hat fast jedem, der dort war, die Hand geschüttelt.« Auch der Kopenhagener Rabbiner bewertete die Aktion als »sehr stark und sehr bewegend«. Aufgerufen zu der Menschenkette hatte Niddal El-Jabri, ein Muslim aus Kopenhagen. Bereits im vergangenen Monat hatte es in der norwegischen Hauptstadt Oslo eine ähnliche Aktion gegeben.

»Die Leute gehen nach wie vor in die Krystalgade Synagoge – es sind nicht weniger als vor dem Anschlag«, sagte Rabbiner Melchior: »Sie haben keine Angst, und ich hoffe, das wird auch so bleiben.«

Der diesjährige Lerntag "Jom Ijun" findet am 1. Februar im Gemeindezentrum der ICZ in Zürich statt.

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