USA

Skandal zum Geburtstag

Alles hatte so großartig angefangen, und das Hauptgebäude – Adresse: 50 West 58. Straße – sieht so eindrucksvoll aus. Roter Klinker, geschwungene Bögen. Und es ist eine so ehrenvolle Tradition. Und jetzt wird »Hadassah«, die zionistische Frauenorganisation, auch noch 100 Jahre alt. Und dann ausgerechnet das! Aber erzählen wir von Anfang an.

Henrietta Szold – so hieß die Frau, die Hadassah am 24. Februar 1912 im Reformtempel Emmanu-El in Manhattan gründete. Sie war die Tochter eines Rabbiners aus Baltimore. Auf die Idee, dass die Juden einen Staat brauchen, war Henrietta Szold auch ohne die Nachhilfe von Theodor Herzl gekommen.

kliniken Die Organisation Hadassah – das ist der wahre, der hebräische Name der jüdischen Nationalheldin Esther – sollte helfen, das zionistische Ideal vor allem unter jüdischen Frauen zu verbreiten. Außerdem sollten Krankenschwestern ausgebildet werden, um in Palästina, was damals noch osmanisch war, zu arbeiten. So entstanden unter anderem das erste Krankenhaus in Tel Aviv und zwei Krankenhäuser in Jerusalem, das eine in Ein Kerem und das andere auf dem Scopusberg. Sie waren damals die fortschrittlichsten medizinischen Einrichtungen in Asien. Und auch in jüngster Vergangenheit soll es arabische Potentaten gegeben haben, die sich heimlich im Hadassah-Krankenhaus operieren ließen.

In Amerika setzt sich Hadassah für die Rechte von Frauen und eine strikte Trennung von Staat und Religion ein. Die Organisation unterstützt ohne Wenn und Aber die Stammzellenforschung – in der Hoffnung, dass dadurch Krankheiten wie Alzheimer eines Tages heilbar werden könnten. Hadassah organisiert Bildungsreisen nach Israel, finanziert Kampagnen gegen Antisemitismus, unterhält Büros in ganz Nordamerika (vor allem an der Ostküste, aber auch im Landesinneren), kümmert sich um Bildungsprogramme für Kinder. Und so würde man zum 100. Geburtstag gern aus vollem Herzen gratulieren. Wenn da nur der Skandal nicht wäre, von dem die jüdische Zeitung Forward berichtete.

Dazu muss man wissen, dass Hadassah auf sehr merkwürdige Weise organisiert ist. Es gibt einen bezahlten Stab von Mitarbeitern – und es gibt Freiwillige. Jeder der führenden Freiwilligen hat einen Schreibtisch im Hauptquartier, und es wird erwartet, dass er oder sie sich dort an vier Tagen in der Woche blicken lässt. Jeder Aufgabenbereich, den ein bezahlter Mitarbeiter betreut, wird außerdem von einem Freiwilligen bearbeitet.

Leute mit Einblick haben die Beziehung zwischen bezahlten Mitarbeitern und Freiwilligen als »gespannt« bezeichnet. Die Freiwilligen schauen auf die bezahlten Mitarbeiter herab; jene wiederum glauben, dass die Freiwilligen wenig Erfahrung haben und deshalb vieles falsch machen.

Der interne Hickhack ist nicht schwächer geworden, seit 90 Millionen Dollar, die Hadassah von dem Großbetrüger Bernard Madoff investieren ließ, sich über Nacht in Luft aufgelöst haben. 90 Mitarbeiter musste Hadassah im Januar 2009 entlassen. Im Mai verließ die Geschäftsführerin der festangestellten Mitarbeiter das Haus, der Posten wurde bislang nicht neu besetzt.

Kreditkarte Vor diesem Hintergrund muss man also den aktuellen Skandal sehen: Im vergangenen November wurde Larry Blum in den erzwungenen Urlaub geschickt, weil es Vorwürfe gab, er habe eine Kreditkarte, die Hadassah ihm gegeben hatte, für private Zwecke missbraucht. Blum erhebt nun seinerseits schwere Vorwürfe gegen die amtierende Hadassah-Präsidentin Marcie Natan und ihre Vorgängerin Nancy Falchuk. Beide gehören dem Freiwilligenflügel der Organisation an und wurden in ihr Amt gewählt.

Die beiden Damen, schrieb Larry Blum in einem Brief, hätten Geld veruntreut. Marcie Natan habe Stimmen gekauft, Nancy Falchuk habe Güter im Wert von 10.000 bis 20.000 Dollar aus einer Wohnung, die Hadassah gehört, in ihr eigenes Haus schaffen lassen.

Larry Blum sagt, er trete mit diesem Vorwurf nur ungern an die Öffentlichkeit. Im Januar gab es in einem Hotel in Florida ein Treffen des Vorstands von Hadassah. Es heißt, Blum, der nicht eingeladen war, habe den Brief mit seinen Vorwürfen unter den Hotelzimmertüren durchgeschoben. Derzeit will sich niemand zu dem Skandal äußern, eine Untersuchungskommission hat ihre Arbeit aufgenommen. Es fällt schwer, das Ganze nicht als Erscheinung eines inneren Verfalls von Hadassah zu deuten. Darum gehen heute nur sehr verhaltene Geburtstagsgrüße an die Organisation.

Österreich

Vermisste Israelinnen in Wien: Polizei stellt Suche ein

Europol hat die Ermittlungen im Fall der in Wien vermissten Israelinnen übernommen. Auch der Mossad soll vor Ort sein. Es wird davon ausgegangen, dass Mutter und Tochter nicht mehr in der Stadt sind

 14.08.2026

Antisemitismus

»Schade, dass Hitler den Job nicht vollendet hat«

Ein Mann aus Irland äußerte sich bei einer Begegnung mit jüdischen Touristen in einem französischen Supermarkt antisemitisch und drohte dem Paar gar mit Erschießung.

 14.08.2026

Wien

Vermisste Israelinnen: Gerüchte sorgen für Aktiensturz

Im Fall der vermissten Mutter und Tochter in Österreich haben Gerüchte in den sozialen Medien zu einem Kurssturz bei der israelischen Bank geführt, bei der eine der Frauen arbeitet

 13.08.2026

Italien

Ein Tempel für alle

Über der Biennale in Venedig schwebt eine Synagoge. Was sich die ukrainische Künstlerin Anna Kamyshan dabei dachte und wie sie es geschafft hat

von Sophie Albers Ben Chamo  13.08.2026

Judenhass

Tourist mit Kippa in Rom zweimal attackiert

Antisemitische Vorfälle in Italien nehmen seit Jahren zu. Nun wurde ein junger Tourist in der Hauptstadt gleich zweimal angegriffen. Er trug eine Kippa

von Severina Bartonitschek  12.08.2026

Bern

Verantwortung lässt sich nicht neutralisieren

Die Schweiz debattiert anlässlich einer Volksabstimmung über ihre Neutralität

von Nicole Dreyfus  12.08.2026

Österreich

Vermisste Israelinnen in Wien: Familie befürchtet das Schlimmste

Im Fall der vermissten Mutter und Tochter gibt es neue Details. Unter anderem über die Unterkunft in Wien. In Israel wurde eine Nachrichtensperre erlassen

 12.08.2026 Aktualisiert

Schweiz

Den eigenen Weg gehen

Kollektive Begeisterung macht blind und dumm, ganz gleich, ob sie von rechts oder links kommt, findet Berns Botschafter in Israel. Und liefert literarische und filmische Quellen als Inspiration für das Schwimmen gegen den Strom

von Simon Geissbühler  11.08.2026

Frankreich

Schrecken der Milliardäre

Der jüdische Ökonom Gabriel Zucman fordert eine stärkere Besteuerung der Superreichen. Beim Geldadel stoßen seine Ideen jedoch auf heftigen Widerstand

von Christine Longin  11.08.2026