Geschichte

Salzburger Festspiele erinnern an Schoa-Opfer

Auf Anregung des Personenkomitees Stolpersteine und der Israelitischen Kultusgemeinde sind gestern anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Salzburger Festspiele 28 Stolpersteine auf dem Max-Reinhardt-Platz prominent vor dem Haus für Mozart verlegt worden. Die Festspiele übernahmen die finanzielle Patenschaft.

Somit wird jener vertriebenen und ermordeten Künstler gedacht, die in den fast 20 Jahren von der Gründung bis zum »Anschluss« an Nazi-Deutschland 1938 die Festspiele entscheidend mitgeprägt haben.

Ein Stein ist Alma Rosé gewidmet, die in Auschwitz das Mädchenorchester leitete.

Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler hob in ihrer Eröffnungsrede den Friedensaspekt hervor, der kurz nach Ende des Ersten Weltkriegs zur Gründung der Festspiele 1920 durch Max Reinhardt führte. Friede sei mehr als die Abwesenheit von Krieg und müsse aktiv erkämpft werden, so Rabl-Stadler. Sie fordert: »Wir dürfen rassistische Strömungen wie auch Antisemitismus nicht wortlos ertragen, sondern müssen sie aktiv bekämpfen. Auch dazu können diese kleinen Steine beitragen.«

BODEN Ein Stein ist Alma Rosé gewidmet, die in Auschwitz das Mädchenorchester leitete. Auch Anita Lasker-Wallfisch musizierte in dieser Gruppe und überlebte das KZ mithilfe der Musik.

Max Reinhardt musste schon 1933 Berlin verlassen. Politisch gesehen war es eine düstere Zeit, aber ein »goldenes Zeitalter« für die Festspiele. Im ersten Halbjahr 1934 nahmen jedoch nationalsozialistische Terroristen Reinhardts Wohnsitz Schloss Leopoldskron in Salzburg ins Visier.

Durch Explosionen im Festspielhaus gab es Schwerverletzte. Reinhardt fühlte sich nicht mehr sicher und wanderte nach Amerika aus, wo er 1943 vereinsamt starb. Er hat die Gefühle der Vertriebenen sehr deutlich ausgedrückt: »Ich verliere den Boden, den ich jahrelang bebaut habe und in dem ich selbst gewachsen bin. Ich verliere meine Heimat.«

GRÜNDER Danielle Spera, Direktorin des Jüdischen Museums Wien, hält es für wichtig und höchste Zeit, die Gründerväter und -mütter (wie Berta Zuckerkandl) zu würdigen und auf ihr Schicksal aufmerksam zu machen. Auf dem Max-Reinhardt-Platz, einem der wichtigsten Plätze der Salzburger Festspiele, geschieht dies nun ab heute und dauerhaft.

In Österreich wurden bisher 469 Gedenksteine verlegt, 67.000 in ganz Europa. Der Historiker Gert Kerschbaumer hat nunmehr die Biografien der 28 Künstlerinnen und Künstler recherchiert, die in Salzburg wirkten. Ausgewählt wurden die Künstler, die 1933 von Deutschland vertrieben wurden und nach Salzburg kamen.

Sie trugen dazu bei, die Festspiele zur Blüte zu bringen, bis sie 1938 auch aus Salzburg vertrieben wurden. Mit den Stolpersteinen sind die Künstler wieder in Salzburg präsent, »denn ein Mensch ist erst dann vergessen, wenn sein Name vergessen ist«.

Der Dirigent Daniel Barenboim betonte in seiner Rede: »Wenn man sich nicht mit der Vergangenheit auseinandersetzt, ist man kein Mensch.« Deshalb sei das Stolperstein-Projekt so wichtig und hilfreich.

Ungarn

Netanjahu gratuliert Wahlsieger Magyar – und lobt Orban

Israels Premier: »Orban ist ein wahrer Freund Israels, der fest an der Seite Israels stand angesichts ungerechter internationaler Verleumdungen«

 13.04.2026

Nachruf

Ein Leben, das amtlich nicht vorgesehen war

Mit Robert Kreutner ist eines der letzten Babys, das 1938 vom St. Galler Polizeihauptmann Paul Grüninger gerettet wurde, gestorben

von Stefan Keller  13.04.2026

Budapest

Nach Wahlsieg: Magyar äußert sich erstmals zu Israel

Ungarns designerter Ministerpräsident will künftig wieder mit dem Internationalen Strafgerichtshof kooperieren. Auch zu möglichen EU-Sanktionen gegen Israel bezog Péter Magyar Stellung

 13.04.2026

Meinung

Hoffentlich wird Viktor Orbán abgewählt

Am 12. April stehen in Ungarn Wahlen an. Unter seinem langjährigen Ministerpräsidenten ist das Land zu einem russischen U-Boot in der Europäischen Union geworden

von Joshua Schultheis  12.04.2026 Aktualisiert

Washington

Warum jetzt? Melania Trumps rätselhafter Epstein-Auftritt

Melania Trump tritt kaum allein vor die Presse. Doch jetzt spricht sie über ein Thema, das ihr Ehemann so gern umschiffen wollte: den Epstein-Skandal

 10.04.2026

Auszeichnung

Olaf Scholz bekommt die Leo-Baeck-Medaille

Das in New York ansässige Leo-Baeck-Institut würdigt den Altbundeskanzler. Laudator soll der frühere US-Außenminister Antony Blinken sein

 10.04.2026

Ukraine

Selenskyj: »Pessach handelt vom Sieg der Freiheit«

Der ukrainische Präsident empfängt zu Pessach Rabbiner in Kyjv und wendet sich mit einer Grußbotschaft an Juden in der gesamten Welt

von Eugen El  07.04.2026

Netflix-Dokumentation

Der Mann, der die Chili Peppers Red Hot machte

Man kann ohne weiteres behaupten, dass die Rockwelt ohne Hillel Slovak weniger bunt wäre. Eine Streaming-Doku hat dem in Israel geborenen ersten Gitarristen der Chili Peppers ein Denkmal gesetzt

von Richard Blättel  07.04.2026

Großbritannien

Brandanschlag in London: Untersuchungshaft für Verdächtige

Mehrere Krankenwagen eines jüdischen Rettungsdienstes in Golders Green werden in Brand gesetzt. Vor Gericht erschienen nun drei Verdächtige

 04.04.2026