Italien

Rom ahndet Schoa-Leugnung

Der Römische Senat, die zweite Kammer des italienischen Parlaments Foto: dpa

Jahrzehntelang hatten Holocaustleugner in Italien leichtes Spiel. Bald müssen sie auf der Hut sein. Anfang des Monats hat ein neues Gesetz zur Einführung einer Strafnorm für die »Leugnung von Schoa, Genoziden und Verbrechen gegen die Menschheit« den italienischen Senat passiert. 234 Senatoren stimmten dafür, drei dagegen, acht enthielten sich. Jetzt kommt die Vorlage in die erste Kammer des Parlaments, die Camera dei deputati.

Bereits im Herbst 2013 lag dem Senat ein Gesetzesentwurf zur Abstimmung vor. Er sah vor, das Leugnen von Völkermord grundsätzlich unter Strafe zu stellen. Damit hätte man eine neue Straftat in die italienische Gesetzgebung eingeführt. Dagegen wehrten sich fünf Senatoren.

Strafnorm Nach dem jetzt verabschiedeten Gesetz ist die Leugnung der Schoa strafbar, wenn sie andere zur Begehung einer Straftat veranlasst. Der Gesetzgeber möchte damit eine Strafnorm vermeiden, die reine Meinungsäußerungen verfolgen könnte. Das neue Gesetz sieht eine Freiheitsstrafe von maximal drei Jahren vor.

Senatorin Silvana Amati (Demokratische Partei), die mit Lucio Malan (Forza Italia) als erste Unterzeichnerin des Dekrets erscheint, betont, das neue Gesetz entspreche der Verpflichtung Italiens aus dem EU-Rahmengesetz von 2008.

Für den Vorsitzenden der jüdischen Dachorganisation des Landes, Unione delle Comunità Ebraiche Italiane (UCEI), Rechtsanwalt Renzo Gattegna, ist es »ein wichtiges Ereignis«, dass der Senat dem Gesetz zugestimmt hat. Positiv äußerte sich auch der Präsident der jüdischen Gemeinde Rom, Riccardo Pacifici.

Skepsis Dass das Gesetz wirklich gut ist, bezweifelt Senatorin Elena Cattaneo. Sie hat sich der Stimme enthalten. In ihren Augen ist es falsch, die Leugnung der Schoa per Gesetz zu unterbinden. Solche verwerflichen Thesen würde ohnehin kein Historiker ernst nehmen, sagt sie. Außerdem befürchtet sie, das neue Gesetz könne es Holocaustleugnern ermöglichen, sich nach einer Verurteilung als Opfer zu fühlen.

Auf Anregung einiger Senatoren soll der Schoa bald auch an Schulen größere Bedeutung beigemessen werden. So nahm der Senat eine Empfehlung entgegen: Die Regierung möge Schulen dazu verpflichten, Genozide, Kriegsverbrechen und die Ermordungen von Italienern durch die jugoslawischen Partisanen im Unterricht zu vertiefen.

Madrid

Kritik an Zara wegen Halloween-Kostüm mit Ähnlichkeit zu KZ-Kleidung

Die Hintergründe

 01.10.2026

USA

Jüdischer Stolz auf der New York Fashion Week

Zum ersten Mal war eine exklusiv jüdische Modenschau Teil des berühmten Events. Mit Modest Fashion, Abendkleidern und Bikinis

von Sophie Albers Ben Chamo  01.10.2026

Nachruf

Esther Rantzen mit 86 Jahren gestorben

Die Journalistin setzte sich für Kinder, Senioren und eine Legalisierung der Sterbehilfe in Großbritannien ein

 01.10.2026

New York

Mamdani legt Antisemitismus-Plan vor, jüdische Organisationen üben scharfe Kritik

Das Konzept des Bürgermeisters blende den Zusammenhang zwischen der Gewalt gegen Juden in New York und antiisraelischer Propaganda bewusst aus, sagt einer der Kritiker

 30.09.2026

Kiew

85. Jahrestag: Selenskyj gedenkt ermordeter Kyjiwer Juden

Vor 85 Jahren besetzten deutsche Truppen die heutige ukrainische Hauptstadt. Sie ermordeten zehntausende Menschen. Präsident Selenskyj stellt bei einer Gedenkfeier den Bezug zur Gegenwart her

 30.09.2026

Fußball

Im Kreuzfeuer: Irischer Nationalspieler mit israelischer Mutter

Finn Azaz wurde für Irlands Nationalkader für die Länderspiele gegen Israel nominiert. Weil er eine israelische Mutter hat, soll seine Zukunft im irischen Team aber infrage stehen

von Michael Thaidigsmann  29.09.2026

Interview

»Es ist beängstigend, wie sich die Geschichte wiederholt«

Evan Bernstein (51) ist seit Kurzem neuer CEO von B’nai B’rith International, der ältesten jüdischen Wohltätigkeitsorganisation. Um den wachsenden Antisemitismus zu bekämpfen, will Bernstein vor allem die lokale Vernetzung verbessern

von Michael Thaidigsmann  29.09.2026

Vergessener Held

Die vielen Leben des Jack Boeki

Ein jüdischer US-Agent und die Naziverbrecher in Nürnberg

von Joachim Heinz  29.09.2026

Niederlande

»Der 7. Oktober, das bin ich«: Student der Uni Maastricht will an Terrorangriff teilgenommen haben

Ein 22-jähriger Palästinenser, der in den Niederlanden studiert, erweckt in einem Instagram-Video den Eindruck, er habe an der Terrorattacke der Hamas auf Israel teilgenommen. Jetzt griff die Hochschule durch

 28.09.2026