Europa

Reisediplomatie für die Brit Mila

Nachman Shai Foto: Flash 90

Die Knesset will im Europarat mit einem Film für die rituelle Beschneidung von Jungen werben. Wie die Jerusalem Post berichtete, soll der Abgeordnete Nachman Shai (Arbeitspartei) den rund achtminütigen Streifen am 28. Januar in Straßburg bei einer Sitzung des Sozial- und Gesundheitsausschusses der Parlamentarischen Versammlung zeigen. Er soll das Gremium davon überzeugen, wie wichtig es ist, die Beschneidung nicht zu ächten. Bei der Sitzung soll auch die Anti-Beschneidungs-Doku It’s A Boy (1995) des Londoner Filmemachers Victor S. Schonfeld gezeigt werden. Außerdem sollen mehrere Ärzte angehört werden.

Resolution Die Parlamentarische Versammlung des Europarats hatte im Oktober die rituelle Beschneidung von Jungen in einer Resolution als »Verstoß gegen die körperliche Unversehrtheit von Kindern« verurteilt und die Brit Mila mit der Genitalverstümmelung bei Mädchen gleichgesetzt. Jüdische Organisationen und Israel kritisierten die Resolution.

Am Montag traf sich eine zehnköpfige Delegation von Rabbinern und Imamen mit dem Generalsekretär des Europarats, Thorbjørn Jagland. Es war das erste Mal, dass sich führende muslimische Vertreter mit Rabbinern zusammenschlossen, um gegen ein eventuelles Beschneidungsverbot in Europa vorzugehen.

Rabbiner Marc Schneier, Präsident der Foundation for Ethnic Understanding (FFEU), dankte Jagland dafür, dass er sich seit der umstrittenen Resolution mehrfach mit den muslimischen und jüdischen Gemeinden solidarisch erklärt hatte. Schneier bat Jagland, sich dafür einzusetzen, einen toleranteren und sensibleren neuen Gesundheitsausschussvorsitzenden zu finden. Die derzeitige Stelleninhaberin, Lilliane Pasquier, wird nächste Woche ihr Amt aufgeben. Sie schrieb vor Kurzem in der Washington Post, dass es »ein ›Recht‹, kleine Jungen zu beschneiden, nicht gibt und nicht geben kann«.

Einklang Jagland sagte den Rabbinern und Imamen, er sei kritisiert worden, weil er sich öffentlich gegen ein Beschneidungsverbot ausgesprochen habe. Dennoch versicherte er der Delegation, dass eine Stellungnahme des Rates zu diesem Thema unabhängig von den Ergebnissen weiterer Besprechungen in Einklang mit den Interessen der religiösen Gemeinden stehen wird.

Europa sei immer ein Kontinent der Minderheiten gewesen, »und wann immer wir deren Rechte beschränkt haben, führte es zu einer Katastrophe«, sagte er und fügte hinzu: »Ich weiß, dass die Beschneidung von Jungen nicht nur ein Teil unserer Tradition ist, sondern ein Teil unseres Lebens. Wie wir damit umgehen, sagt etwas darüber aus, wie wir auf diesem Kontinent zusammenleben wollen.« ja

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