USA

Rätseln über das Motiv

Der verdächtige 19-Jährige Foto: Flash 90

Die Polizei in Aschkelon hat vergangenen Donnerstag einen 19-jährigen Israeli, der auch die US-Staatsbürgerschaft besitzt, festgenommen. Er wird verdächtigt, hinter zahlreichen Bombendrohungen gegen jüdische Einrichtungen in den USA zu stehen.

Seit Jahresbeginn gingen in den Vereinigten Staaten 165 Drohungen gegen 119 jüdische Gemeindezentren, Schulen und Büros ein. Sie haben Gemeindemitglieder verunsichert, verängstigt und ihnen bestätigt: Man lebt in einer Zeit, in der Hassgedanken an die Oberfläche treten. Viele sahen die Drohanrufe als Folge von Donald Trumps Wahl und verurteilten sie dementsprechend.

»Liberale Juden vermuteten, es sei ein weißer ›Supremacist‹. Rechtslastige Juden rechneten mit einem Islamisten. Keiner von uns hat einen Juden erwartet«, schrieb die Journalistin Sue Fishkoff in den Jewish News of Northern California. Auch nachdem der junge Mann gefasst ist, würden die Details »unklar« bleiben, erklärte der Geschäftsführer der Anti-Defamation League (ADL), Jonathan Greenblatt. Bis dahin schienen die Auswirkungen der Drohungen jedoch »kristallklar: Das waren antisemitische Taten«.

festnahme Vertreter jüdischer Verbände waren vor der Festnahme vorsichtig mit öffentlichen Mutmaßungen. Er wolle nicht spekulieren, warum so viele jüdische Einrichtungen bedroht worden seien, sagte Doron Krakow, Präsident des Verbandes der mehr als 150 Jewish Community Centers (JCCs), einige Tage vor der Festnahme. Danach dankte Krakow Ermittlern in den USA und Israel. Man hoffe, die lange Zeit der Sorge und Unruhe sei nun vorüber. Aber es sei verstörend, dass der Festgenommene jüdisch ist.

Die Historikerin Deborah Lipstadt erklärte im Religion News Service: Es gebe Antisemitismus von links und Antisemitismus von rechts. Aber nicht zum ersten Mal habe sich »eine jüdische Person gegen die eigenen Leute gestellt«. Man dürfe keine Schlussfolgerungen ziehen über Antisemitismus oder Rassismus »wenn Juden Juden angreifen oder Schwarze Schwarze«.

In Zusammenarbeit mit der amerikanischen Bundespolizei FBI war es der israelischen Spezialeinheit »Lahav 433« gelungen, den 19-Jährigen zu fassen. Auch sein Vater wurde festgenommen, er gilt als möglicher Mitwisser. In der Wohnung stellte die Polizei eine spezielle Antenne sowie Geräte für die Manipulation von Telefonaten sicher. Medienberichten zufolge soll der junge Mann auch in Europa, Australien und Neuseeland Drohanrufe getätigt haben – israelische Zeitungen schreiben von bis zu 1000. Motive sind bisher nicht bekannt. Wie mehrere Medien berichteten, soll die israelische Armee die Rekrutierung des 19-Jährigen abgelehnt haben.

vorurteile Im Zusammenhang mit den Bombendrohungen gegen jüdische Einrichtungen ist es bereits die zweite Festnahme. Schon die erste Anfang März in St. Louis wollte keine gängigen Vorurteile bedienen: Damals wurde ein 31-jähriger früherer Reporter in Polizeigewahrsam genommen. Ihm werden Bombendrohungen und Cyberstalking vorgeworfen. Laut FBI hatte er behauptet, seine Freundin habe jüdische Einrichtungen bedroht. Doch die Ermittler vermuteten ihn selbst hinter den Bombendrohungen.

ADL-Chef Greenblatt betonte, auch nach den Festnahmen bereite der Antisemitismus in den USA weiterhin Sorgen. Die Schändung von drei jüdischen Friedhöfen blieb unaufgeklärt, ebenso »eine Serie mit Hakenkreuzschmierereien und Hassflugblättern«. Unklar ist auch, wer hinter der Bombendrohung auf ein JCC in Dallas steht, die einging, nachdem beide Männer bereits festgenommen worden waren.

gesetzesvorschlag Zwei Abgeordnete brachten am Montag einen Gesetzesvorschlag in den Kongress ein, der Bombendrohungen gegen religiöse Einrichtungen mit einer Gefängnisstrafe von bis zu fünf Jahren ahnden soll. Die Tatsache, dass ein »Jude wegen dieser Verbrechen festgenommen wurde, reduziert nicht die Bedrohung für alle Minderheiten einschließlich Juden« in diesem Land, in dem »öffentlicher Ausdruck von Hass und Vorurteilen beinahe täglich hervortreten«, schrieb Fishkoff.

Die Sache sei äußerst schmerzhaft, erklärte David Schraub von der University of California im jüdischen Online-Magazin tabletmag.com: »Erst mussten wir diese Drohungen erdulden, und nun müssen wir uns mit dem schmerzlichen Wissen auseinandersetzen, dass es Taten des Verrats gewesen sind.« Antisemiten seien heute leicht zu identifizieren, so Schraub. Es seien diejenigen, die sich weniger über die Festnahme eines Verdächtigen freuen als darüber, dass er jüdisch ist.

New York

Resiliente Einhörner

Während Bürgermeister Zohran Mamdani gegen Premier Benjamin Netanjahu wettert, bekommen israelische Start-ups ein neues Zuhause

von Sophie Albers Ben Chamo  29.07.2026

Toronto

Solidarität nach Angriffen: Lange Schlangen vor jüdischen Bagel-Läden

Nach Angriffen auf zwei Filialen der jüdischen Bäckereikette Kiva’s Bagel Bar kaufen Bewohner dort ein. Zeitgleich feuerte ein Unbekannter Schüsse auf das US-Konsulat ab

 29.07.2026

Jerusalem

Frühere Staatschefinnen fordern Strafen für israelische Siedler

Die frühere Präsidentin Irlands, Mary Robinson, und die frühere Premierministerin Neuseelands, Helen Clark, forderten unter anderem ein Verbot des Handels mit Waren illegaler Siedlungen

 29.07.2026

Judenhass

Antisemitismus weltweit auf Höchststand

Die Untersuchung erfasst die sieben Länder mit den größten jüdischen Bevölkerungen außerhalb Israels, darunter Deutschland

 29.07.2026

Griechenland

Israelische Touristen auf Kreta von israelfeindlichem Mob attackiert

Auf der Insel Kreta soll eine Gruppe israelischer Touristen mit Flaschen und einem Luftgewehr angegriffen worden sein

 28.07.2026

USA

Comedy mit Kriegsbemalung

In ihrer Heimat ist das Stand-up-Naturtalent Iliza Shlesinger gerade auf Tour. Für den Rest gibt es Netflix

von Sarah Thalia Pines  28.07.2026

Toronto

Schüsse auf jüdische Bäckerei – Polizei ermittelt wegen möglicher Hasskriminalität

Innerhalb von 20 Minuten werden in der kanadischen Metropole zwei Anschläge auf die Bäckereikette Kiva’s Bagel verübt

 27.07.2026

Großbritannien

Zwischen Skepsis und Hoffnung

Die jüdische Gemeinschaft sieht den neuen Premier Andy Burnham kritisch – er will die Nahostpolitik des Landes ändern

von Rudolf Hönnige  23.07.2026

Meinung

Ist der neue jüdische Außenminister nur ein Feigenblatt?

Großbritanniens neuer Premier Andy Burnham hat Ed Miliband zum Außenminister ernannt. Dass nun ein jüdischer Politiker für die Nahostpolitik zuständig ist, könnte auch ein Feigenblatt sein

von Michael Thaidigsmann  21.07.2026