Russland

Putin legt die Bücher offen

Oberrabbiner und Präsident: Berl Lasar (l.) und Wladimir Putin Foto: cc

400 Bücher sind schon da, haben Platz gefunden in den Regalen des neuen Jüdischen Museums und Zentrums für Toleranz in Moskau. 400 Werke, die ein kleiner Schritt sind in einem großen Streit zwischen den USA und Russland. Seit Langem erheben die Lubawitscher Chassidim in Brooklyn Anspruch auf die Schneerson-Bibliothek, das 200 Jahre alte Gedächtnis der Bewegung. Nun findet sie auf Vorschlag von Russlands Präsident Wladimir Putin den Weg in ein jüdisches Zentrum – aber bleibt in Moskau.

4500 Bücher sollen nach und nach aus der Staatsbibliothek ins Jüdische Museum gebracht werden. Für Putin ist damit die »Angelegenheit erledigt«. Russlands Oberrabbiner Berl Lasar nennt es »eine salomonische Entscheidung«.

Streit Ein jahrelanger Streit ging dieser – etwas dürftigen – Lösung voraus. Der Kampf begann vor 20 Jahren. Die Lubawitscher forderten nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion ihre nach Rabbi Josef Jizchak Schneerson (1880–1950), dem sechsten Rebben der Chabad-Dynastie, benannte Bibliothek zurück. Vergeblich. Die Sammlung enthält rund 12.000 Bücher und mehr als 50.000 religiöse Schriften.

Schneerson war Oberhaupt seiner Gemeinde in Russland, als die Oktoberrevolution begann. Der neue sowjetische Staat beschlagnahmte die Bücher. 1940 floh Rabbi Schneerson in die USA. Ein Teil seiner Bücher kam in die Moskauer Staatsbibliothek. Wehrmachtssoldaten verschleppten einige davon nach Deutschland. Nach dem Zweiten Weltkrieg gelangten sie zurück – und lagern bis heute im Moskauer Militärarchiv.

Schiedsgericht Als Boris Jelzin 1991 an die Macht kam, entschieden zwei russische Gerichte zu Gunsten der Chabad-Gemeinde. Doch Russlands Oberstes Schiedsgericht sprach sich dagegen aus. Da half auch das Urteil des Washingtoner Distriktgerichts von 2010 wenig, das die Eigentumsrechte der Gemeinde in Brooklyn zuerkennt. Bis heute sieht Russland in der Schneerson-Bibliothek seinen Staatsbesitz. Die Bestände bleiben mit dem Umzug weiterhin Teil der Staatsbibliothek, werden aber in einem eigens dafür eingerichteten Magazin im Jüdischen Museum der Öffentlichkeit gezeigt. Für Russland scheint das genug der Zugeständnisse.

Großbritannien

»Telegraph«: BBC-Datenexperte offenbar israelfeindlicher Aktivist

Ein leitender KI-Fachmann des britischen Senders soll laut »Telegraph« einst wegen eines Al-Qaida-Handbuchs festgenommen worden sein. Die BBC sieht keinen Bezug zu seiner Arbeit

 18.10.2026

Tschechien

Herr Rambo mag es süß

Ein jüdischer Gastronom in Prag ist zum Instagram-Star aufgestiegen. Er verkauft »heimishe Trdelaich«, T-Shirts und Baseballcaps und erreicht mit seinen Sprüchen Hunderttausende

von Kilian Kirchgeßner  18.10.2026

Frankreich

Paris: Synagoge bei Ausschreitungen offenbar beschädigt

Videos in sozialen Netzwerken zeigen offenbar Verwüstungen in einer Synagoge im 19. Arrondissement. Verletzte wurden nicht gemeldet

 18.10.2026

München

Oberrabbiner Goldschmidt: »Wir können nicht immer wegrennen«

Jüdisches Leben in Europa hat eine Zukunft, aber nicht von allein. Dafür braucht es nach den Worten des Oberrabbiners Pinchas Goldschmidt Partner in den Regierungen und in der Zivilgesellschaft

von Barbara Just  16.10.2026

Großbritannien

Universität Bath sagt Seminar mit Hochschule in Gaza ab

Eine Dozentin hatte britische Studenten aufgefordert, palästinensische Darstellungen des Nahostkonflikts nicht infrage zu stellen. Die Universität entschuldigte sich für die Vorgaben.

von Nicole Dreyfus  15.10.2026

Statistik

Zahl antisemitischer Vorfälle in Österreich bleibt auf hohem Niveau

Der Ausnahmezustand sei zum Alltag geworden, beklagt eine Antisemitismus-Meldestelle in Österreich. Im ersten Halbjahr 2026 wurden erneut Hunderte einschlägige Fälle gezählt

 15.10.2026

»The Social Reckoning«

Empörungsköder

Der Whistleblower-Thriller zeigt die neue Weltordnung à la Facebook – und was Menschen nicht dagegen tun

von Sophie Albers Ben Chamo  15.10.2026

New York

Magische Juden

Handleser, Geisterbeschwörer, Wahrsager und Wunderheiler: Eine neue Ausstellung beleuchtet die Lust am Okkulten

von Eva C. Schweitzer  15.10.2026

Irland

Ausgerechnet eine Antisemitismuskonferenz fällt dem Judenhass zum Opfer

In Dublin fand eine Tagung von Antisemitismusbeauftragten und jüdischen Vertretern statt. Ein Hotel verweigerte die Unterbringung. Für Irlands Gemeindevorsitzenden zeigt das, wie Antisemitismus sich immer wieder neu manifestiert

von Maurice Cohen  14.10.2026