Moskau

Provokation, »die nicht unbeantwortet bleibt«

Evan Gershkovich war am 18. April vor dem Moskauer Stadtgericht in einem Glaskäfig eingesperrt. Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Die russischen Behörden haben der US-Botschaft in Moskau vorläufig das Besuchsrecht für den wegen angeblicher Spionage verhafteten Reporter Evan Gershkovich entzogen.

Das Außenministerium in Moskau begründete den Schritt am Donnerstag mit der Nichtvergabe von Visa für russische Journalisten, die Minister Sergej Lawrow bei der Reise nach New York zur Sitzung des UN-Sicherheitsrats begleiten sollten. Das Außenministerium sprach diesbezüglich von einer Provokation, »die nicht unbeantwortet bleibt«.

untersuchungsgefängnis Die Verweigerung des Antrags auf einen Besuch von US-Diplomaten bei Gershkovich im Untersuchungsgefängnis am 11. Mai sei da nur der erste Schritt. »Derzeit sind noch andere mögliche Reaktionsmaßnahmen in Arbeit, über die die amerikanische Seite angemessen informiert wird«, heißt es in der Pressemitteilung. Lawrow selbst konnte in New York auftreten und leitete Anfang der Woche die von Russland einberufene Sitzung.

Der Jude Gershkovich, Reporter des »Wall Street Journal«, wurde Ende März im Ural vom russischen Geheimdienst FSB festgenommen. Die Behörden werfen ihm Spionage im Auftrag der US-Regierung vor. Er soll Informationen über die russische Rüstungsindustrie gesammelt haben, deren Betriebe speziell in der Uralregion weit verbreitet sind.

Sowohl das Weiße Haus als auch das »Wall Street Journal« haben die Vorwürfe strikt zurückgewiesen. Bei einer Verurteilung drohen dem 32-Jährigen bis zu 20 Jahre Haft. Die ohnehin angespannten Beziehungen zwischen Moskau und Washington haben sich durch den Vorfall noch weiter verschlechtert. dpa

St. Petersburg

Im Licht der Weißen Nächte

Die Mitternachtsdämmerung des Nordens weckt Erinnerungen an Märchen und führt unseren Autor zurück in seine Kindheit im damaligen Leningrad

von Vladimir Vertlib  18.06.2026

Schweiz

Jugendlicher plante Blutbad

Der Prozess gegen einen Schüler, der einen Juden in Zürich töten wollte, beginnt am 1. Juli. Die Anklageschrift zeichnet das Bild eines sich früh radikalisierenden Jugendlichen

von Nicole Dreyfus  18.06.2026

USA

Nach antisemitischer Bewerbung: Rechtsextreme feiern Cornell-Studenten

Der 19-jährige Austin Franco wird für ein Praktikum von einem Softwareunternehmen der Brüder Gabe und Aiden Einhorn angenommen. Doch dann schreibt er, er sei »nicht daran interessiert, für einen Juden zu arbeiten«

 18.06.2026

Belarus

Antisemitische Ausfälle aus Minsk

Ein Interview des belarussischen Machthabers Alexander Lukaschenko belastet das bilaterale Verhältnis mit Israel

von Alexander Friedman  17.06.2026

Bonn/Berlin

»Habt keine Angst«: Zeitzeuge Marian Turski vor 100 Jahren geboren

Er gehörte zu den bekanntesten Schoa-Überlebenden. Seine Worte ermutigen viele Menschen auch über seinen Tod im Jahr 2025 hinaus. Zum 100. Geburtstag blickt ein Freund Turskis auf die Zukunft des Erinnerns

 16.06.2026

Interview

»Mir wurde immer wieder vorgeworfen, ich sei zu proisraelisch«

Der Schweizer Politiker und Ständerat Daniel Jositsch über die wahren Gründe für seinen Austritt aus der SP, postkoloniale Irrwege und den Antisemitismus innerhalb der Linken

von Nicole Dreyfus  16.06.2026

Albanien

Flamingos gegen Kushner

In Tirana wächst der Widerstand gegen einen Inselverkauf. Präsident Edi Rama wirft den Demonstranten Antisemitismus vor. Zu Recht?

von Adelheid Wölfl  16.06.2026

Großbritannien

Einstufung von Palestine Action als Terrorgruppe ist rechtens

Ein Berufungsgericht in London hat der Regierung von Premier Keir Starmer Recht gegeben und das Verbot der militant antiisraelischen Gruppierung bestätigt

 15.06.2026

Uganda

Entebbe-Entführung 1976: Debatten um Linksterror und Antisemitismus

Vor 50 Jahren entführten zwei Deutsche und zwei Palästinenser einen Airbus aus Israel nach Uganda. Dabei sollen sie Geiseln nach antisemitischen Kriterien voneinander getrennt haben. Die Tat befeuerte das Unbehagen vieler Linker mit Gewalt

von Nils Sandrisser  15.06.2026