Mexiko

Premiere in der 20-Millionen-Stadt

Lesungen und Podiumsdiskussionen sind für die Buchmesse geplant

Mexiko

Premiere in der 20-Millionen-Stadt

Zum ersten Mal findet in der Metropole des lateinamerikanischen Landes die Internationale Jüdische Buchmesse statt

von Elisa Kriza  07.08.2017 18:30 Uhr

Die mexikanischen Sommerferien bringen dieses Jahr ein besonderes kulturelles Highlight mit sich: Am 10. August 2017 wird die Internationale Jüdische Buchmesse in Mexiko-Stadt feierlich eröffnet. 330 jüdische Schriftsteller werden am ersten Event dieser Art teilnehmen.

Geplant sind bis zum 20. August neben Lesungen und Podiumsdiskussionen mit Autoren auch Hommagen an wichtige jüdische Intellektuelle, die einen besonderen Beitrag zur Weltliteratur geleistet haben. Dazu zählen Stefan Zweig (1881–1942), Primo Levi (1919–1987) und die brasilianische Schriftstellerin Clarice Lispector (1920–1977).

Die Idee einer jüdischen Buchmesse entstand vor einem Jahr im Jüdischen Dokumentations- und Forschungszentrum Mexikos (CDIJUM). Enrique Chmelnik Lubinsky, Direktor des Zentrums, nennt die Buchmesse ein ideales Vehikel, um die Verbreitung der jüdischen Kultur in Mexiko zu fördern.

Akademiker Buchmessen richten sich in Mexiko, anders als in Deutschland, nicht primär an ein Fachpublikum: Sie sind auch beliebte Treffpunkte für Buchfreunde, Familien und Akademiker. Vor diesem Hintergrund haben die Organisatoren bei der Planung stark auf das Gleichgewicht zwischen Veranstaltungen für Fachspezialisten, Literaturliebhaber und Kinder geachtet. So stehen neben herkömmlichen Buchvorstellungen auch Konzerte, ein jiddisch-spanisches Puppentheater sowie ein Lesemarathon von Kurzgeschichten des israelischen Autors Etgar Keret auf dem Programm.

Auf mexikanischen Buchmessen werden Bücher nicht nur ausgestellt und besprochen, sondern auch verkauft: Im Rahmen der Buchmesse werden 174 Verlage dem Publikum circa 20.000 Bücher jüdischer Schriftsteller nahebringen. Die Verlage haben sich an der Organisation des Events entscheidend beteiligt – insbesondere bei der Einladung der Autoren und Planung der Lesungen.

Bekannte jüdisch-mexikanische Intellektuelle wie die Historikerin und Schriftstellerin Sara Sefchovich und die Autorin und Fernsehmoderatorin Ethel Krauze werden ihre Werke im Rahmen der Buchmesse präsentieren. Sefchovich wird ihr neuestes Buch vorstellen: Der ganze Himmel (2016) ist eine Kulturgeschichte der Entwicklung der Themenwahl von Autorinnen. Krauze wird aus ihrem neuesten Gedichtband lesen.

Israel Für den kommenden Sonntag ist eine Hommage an die prominente Literaturwissenschaftlerin Margo Glantz (geboren 1930) geplant. Glantz ist Mitglied der Mexikanischen Akademie der Sprache, ihre Studien zur mexikanischen Literatur gelten als bahnbrechend. Aus Israel werden die Autoren Nir Baram, Fania Oz-Salzberger und Schimon Adaf anreisen, um an Lesungen und Podiumsdiskussionen teilzunehmen. Baram wird in einem Gespräch mit dem berühmten mexikanischen Schriftsteller Jorge Volpi seine eigenen Werke Weltschatten und Gute Leute vorstellen.

Das Event wird vom Jüdischen Dokumentationszentrum organisiert und zum großen Teil auch finanziert. Der Ökonomische Kulturfonds (FCE), eine staatlich subventionierte Verlagsgruppe, unterstützt die Buchmesse durch die Bereitstellung seines Kulturzentrums »Bella Época«. Das über 3000 Quadratmeter große Kulturzentrum besteht aus einem Ausstellungsbereich, einem Buchladen und einem Kino. Die ebenfalls im Rahmen der Buchmesse stattfindenden Filmvorführungen zu jüdischen Themen werden in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Jüdischen Filmfestival Mexikos organisiert.

Syrisch Das Jüdische Dokumentationszentrum ist eine relativ neue Institution. Es wurde erst 2015 gegründet, als die verschiedenen jüdischen Gemeinden sich zu einer Kooperation mit dem seit 1993 bestehenden Aschkenasischen Dokumentationszentrum zusammenschlossen. Bis dahin war eine derartige Zusammenarbeit zwischen den sefardischen, syrischen und aschkenasischen Gemeinden eher unüblich.

Das Jüdische Dokumentationszentrum hofft, mit dieser Buchmesse zu einem besseren Verständnis der Rolle von zeitgenössischen jüdischen Denkern und Literaten in der Gesellschaft beizutragen. Die Organisatoren werden anhand der Ergebnisse der Buchmesse entscheiden, ob eine Wiederholung des Events in der Zukunft sinnvoll ist.

Das Programm der Buchmesse finden Sie hier:
https://cdijum.mx/filju

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