Spanien

Neue Regeln für den Pass

Spanien senkte die Hürden für rückkehrwillige Sefarden. Foto: Thinkstock

»Die Nachricht hat uns alle glücklich gemacht«, sagt Karen Gerson Sharon, die Koordinatorin des Sefardischen Zentrums in Istanbul. Sie ist der spanischen Regierung dankbar, denn Madrid hat das getan, was Sharon seit mehr als anderthalb Jahren insgeheim gehofft hat: die Hürden für rückkehrwillige Sefarden gesenkt.

Seit Oktober 2015 haben Nachfahren von Juden, die 1492 von der Iberischen Halbinsel vertrieben wurden, das Recht, spanische Staatsbürger zu werden. Nun wurden die Bedingungen erleichtert: Sefarden, die älter als 70 Jahre sind, müssen die vorgeschriebene Sprach- und Staatsbürgerkundeprüfung nicht mehr ablegen.

»Ich hätte mir gewünscht, dass die Grenze auf 65 herabgesetzt wird«, sagt Sharon, »denn auch viele unserer Gemeindemitglieder in diesem Alter können nicht mehr gut sehen und hören. Das erschwert das erfolgreiche Ablegen der Prüfungen.«

Hürden Das von Madrid initiierte Rückkehrrecht drohte wegen rechtlicher Hürden zu einem Flop zu werden, denn viele Sefarden, die nicht in spanischsprachigen Ländern leben und damit von der Sprachprüfung befreit sind, scheuen den Gang vor die Prüfungskommission, vor allem ältere. Karen Gerson weiß von einem Fall zu berichten, in dem ein Familienvater den spanischen Pass bereits besaß, seine Kinder jedoch den portugiesischen beantragten, weil Lissabon keine Prüfungen verlangt. Auch Portugal hatte vor fünf Jahrhunderten die Juden vertrieben.

Unterdessen haben die spanischen Behörden aktuelle Zahlen vorgelegt: 4919 Sefarden aus mehr als 100 Ländern haben inzwischen einen spanischen Pass erhalten, allerdings nur 387 auf dem Weg, den der Gesetzgeber vorgezeichnet hat, also nach Ablegung des Sprachtests und einer weiteren Prüfung, in der Fragen zu spanischer Politik und Gesellschaft gestellt werden. Alle übrigen kamen in den Genuss einer Sonderregelung, die die Regierung angeordnet hat, um Härtefälle zu vermeiden.

Statistik Der größte Teil der »neuen Spanier«, nämlich 989, stammt aus Venezuela, das mit einer schweren innenpolitischen und wirtschaftlichen Krise zu kämpfen hat. In Marokko haben bisher 671 Sefarden einen spanischen Pass bekommen, in Argentinien 408, in der Türkei 208. In Frankreich, dessen jüdische Gemeinde seit Jahren von fanatischen Muslimen zunehmend angefeindet wird, haben 64 einen spanischen Pass erhalten.

Auch 313 Israelis sind neuerdings Spanier geworden. Die Regierung in Jerusalem hatte Madrids Geste der moralischen »Wiedergutmachung« mit gewisser Zurückhaltung aufgenommen und befürchtet, dass sich weit mehr um den spanischen Pass bemühen würden.

Meinung

Wer definiert das Judentum?

Die Theologische Fakultät der Universität Freiburg im Üechtland verleiht dem messianischen Rabbiner Mark S. Kinzer die Ehrendoktorwürde. Das belastet das jüdische Verhältnis zu einem katholischen Partner

von Zsolt Balkanyi-Guery  11.05.2026

Runder Geburtstag

Meister der Linien: Architekt Daniel Libeskind wird 80

Er hat weltberühmte Gebäude entworfen – aber noch nie eines für sich selbst. Für den Architekten ist das gar kein Widerspruch, denn ihn interessiert ja etwas anderes

von Julia Kilian  11.05.2026

New York

Familie orthodoxer Jugendlicher verklagt Uber nach mutmaßlicher Vergewaltigung

Ein Uber-Taxichauffeur soll das minderjährige Opfer transportiert und damit gegen Regeln verstoßen haben, bevor es zu dem Sexualverbrechen kam

 11.05.2026

London

Mann nach antisemitischem Angriff angeklagt

Der 34-Jährige soll in Enfield mehrere Mitglieder der jüdischen Gemeinschaft bedroht, beleidigt und attackiert haben

 11.05.2026

London

Tausende demonstrieren gegen Judenhass

Die Kundgebung nahe der Downing Street fand vor dem Hintergrund einer Serie antisemitischer Vorfälle und Angriffe in Großbritannien statt

 11.05.2026

New York

Abe Foxman gestorben

Der Holocaust-Überlebende und frühere ADL-Chef galt über Jahrzehnte als eine der bekanntesten Stimmen im Kampf gegen Judenhass in den USA

 11.05.2026

Kanada

B’nai Brith: »Jüdische Kanadier werden terrorisiert«

Kanada erlebt eine Serie antisemitischer Gewalttaten. Laut einer jüdischen Organisation ist das Jahr 2026 für die Gemeinschaft bereits jetzt das gewalttätigste in ihrer jüngeren Geschichte

 10.05.2026

Medien

Kristin Helberg, der Hass auf Israel und der urdeutsche Wunsch nach Entlastung

Ein Kommentar von Jan Fleischhauer

von Jan Fleischhauer  10.05.2026

Berlin

Daniel Libeskind warnt vor Judenhass und AfD-Erfolgen

In einem Interview kritisiert der Architekt die israelische Regierung und äußert Sorgen in Zusammenhang mit dem Erstarken der AfD in der Bundesrepublik. Auch spricht er über jüdische Identität

 08.05.2026