Orlando

Nach dem Terror

Gedenkkerzen und -bilder vor dem Klub Foto: dpa

Noch immer steht Orlando unter Schock. In der Stadt in Florida kamen am Wochenende 49 Menschen ums Leben, als ein junger Muslim den Schwulen-Nachtklub »Pulse« betrat und mit einem Gewehr sowie einer Handfeuerwaffe Partygäste niederstreckte. 53 Menschen wurden verletzt, zum Teil schwer. Viele liegen in Krankenhäusern, etliche befinden sich nach wie vor in kritischem Zustand.

Ob der mutmaßliche Täter Omar M. (29), wie mehrere amerikanische Medien berichteten, im Auftrag der Terrormiliz »Islamischer Staat« (IS) handelte, ist unklar. Im Raum steht die Frage, ob er den Anschlag verübte, weil er offenbar selbst schwul war und damit nicht klarkam.

Orlandos Juden äußerten sich schockiert über den Terroranschlag. »Wir beten für die Opfer, ihre Familien und diejenigen, die sie liebten«, erklärte das Rosen Jewish Community Center auf seiner Webseite und rief zur Vorsicht auf. »Es gibt derzeit keine Anzeichen dafür, dass die jüdische Gemeinde in Orlando gefährdet ist. Aber nach dem Anschlag vom Sonntag bitten wir alle, wachsam zu bleiben und die Behörden sofort über alles Verdächtige zu informieren.« Zur Erinnerung an die Opfer möchte das Rosen-Zentrum Ende der Woche gemeinsam mit einer anderen jüdischen Gemeinde in Orlando eine Gebetswache halten.

WJC Auch der Jüdische Weltkongress (WJC) verurteilte den Anschlag. WJC-Präsident Ronald S. Lauder versicherte der schwul-lesbischen Community die Solidarität des jüdischen Volkes. »Keine Minderheit sollte in Furcht leben, nur weil sie so ist, wie sie ist. Wir müssen zusammenarbeiten, um den Hass in allen seinen Formen auszurotten. Meine Gebete sind mit den Familien und Freunden all derer, die ums Leben gekommen sind. Mögen die Erinnerungen an sie ein Segen sein.«

Idit Klein, Geschäftsführerin der jüdischen Homosexuellenorganisation Keshet (Regenbogen), hob hervor, dass die ersten Solidaritätsbekundungen, die sie erhalten habe, von Muslimen gekommen seien. »Innerhalb kürzester Zeit, nachdem die Medien von dem Anschlag berichtet hatten, wandten sich Kollegen aus der muslimischen Community an mich. Sie fragten: ›Was können wir tun, um unsere Solidarität auszudrücken?‹«, sagte Idit Klein der Jewish Telegraphic Agency.

Hillel Die Facebook-Gruppe der jüdischen Studentengruppe Hillel an der University of Central Florida postete: »Die Antwort auf diesen widerlichen Terroranschlag ist, den Ort schnell aufzuräumen und eine noch viel größere Tanzparty zu feiern, bei der die ganze schwul-lesbische Gemeinschaft und ihre Verbündeten zusammenkommen, um den Hassern zu sagen: ›Wir werden nicht aufhören zu tanzen!‹«

Neben all dem Mitgefühl bewegt Orlandos Juden die Tatsache, dass Omar M. für einen privaten Wachdienst arbeitete. Auch etliche Gemeinden in Florida haben Privatunternehmen beauftragt, für ihre Sicherheit zu sorgen. Manche Gemeinden befürchten nun, dass auch ihre Wachleute nicht ausreichend überprüft worden sind.

Frankreich

Rückkehr nach Rennes

Unweit vom Dreyfus-Museum führen Schüler am Originalort den Prozess auf. Neben beeindruckenden Landschaften bietet die Bretagne auch eine Lektion in jüdischer Geschichte

von Mark Feldon  02.08.2026

Russland

Der schweigende Oligarch

Roman Abramowitsch ist immer wieder Ziel antisemitischer Propaganda. Doch er ist auch regelmäßig zu Gast im Kreml

von Alexander Friedman  02.08.2026

Großbritannien

Hackney will Städtepartnerschaft mit Haifa beenden

Ratsherr Simche Steinberger wirft der Ratsmehrheit vor, die sechs jüdischen Ratsmitglieder überhaupt nicht konsultiert zu haben

 31.07.2026

New York

Resiliente Einhörner

Während Bürgermeister Zohran Mamdani gegen Premier Benjamin Netanjahu wettert, bekommen israelische Start-ups ein neues Zuhause

von Sophie Albers Ben Chamo  29.07.2026

Toronto

Solidarität nach Angriffen: Lange Schlangen vor jüdischen Bagel-Läden

Nach Angriffen auf zwei Filialen der jüdischen Bäckereikette Kiva’s Bagel Bar kaufen Bewohner dort ein. Zeitgleich feuerte ein Unbekannter Schüsse auf das US-Konsulat ab

 29.07.2026

Jerusalem

Frühere Staatschefinnen fordern Strafen für israelische Siedler

Die frühere Präsidentin Irlands, Mary Robinson, und die frühere Premierministerin Neuseelands, Helen Clark, forderten unter anderem ein Verbot des Handels mit Waren illegaler Siedlungen

 29.07.2026

Judenhass

Antisemitismus weltweit auf Höchststand

Die Untersuchung erfasst die sieben Länder mit den größten jüdischen Bevölkerungen außerhalb Israels, darunter Deutschland

 29.07.2026

Griechenland

Israelische Touristen auf Kreta von israelfeindlichem Mob attackiert

Auf der Insel Kreta soll eine Gruppe israelischer Touristen mit Flaschen und einem Luftgewehr angegriffen worden sein

 28.07.2026

USA

Comedy mit Kriegsbemalung

In ihrer Heimat ist das Stand-up-Naturtalent Iliza Shlesinger gerade auf Tour. Für den Rest gibt es Netflix

von Sarah Thalia Pines  28.07.2026