Niederlande

Mysteriöse Mikwe

Es war ein Sensationsfund: eine Mikwe aus dem 13. Jahrhundert! Das »älteste jüdische Bauwerk der Niederlande« wurde 2004 bei Ausgrabungsarbeiten in der Stadt Venlo entdeckt. Vergangenes Jahr bekam es im Regionalmuseum einen Ehrenplatz, für den ein 1,5 Millionen Euro teurer neuer Flügel angebaut wurde.

Heute steht hinter dem Fund ein großes Fragezeichen: In einem Bericht kommt Leendert Louwe Kooijmans, einer der führenden Archäologen der Niederlande, zu dem Schluss, der Fund sei nicht nach wissenschaftlichen Kriterien identifiziert worden. Man habe sich auf die »spekulative« Annahme versteift, der mittelalterliche Keller sei eine Mikwe. Andere Möglichkeiten seien nicht untersucht worden, skeptische Einschätzungen anderer Fachleute habe der Stadtarchäologe verschwiegen.

Menora Im Lokalfernsehen nannte Kooijmans den Schluss, es handele sich um eine Mikwe, »voreilig«. Das Gegenteil, so der Leidener Archäologieprofessor, sei jedoch auch nicht erwiesen, eine Identifizierung sei »schwierig«. Als eindeutige Fälschung bezeichnete er hingegen die kleine Gravur einer Menora, die 2008 an einer Wand entdeckt wurde – die aber zuvor trotz mehrfachem intensiven Säubern der Steine nie aufgefallen war. Diese Menora galt damals als »ultimativer archäologischer Beweis«.

Bereits im August berichtete die jüdische Wochenzeitung Nieuw Israëlitisch Weekblad, es bestünden »ernsthafte Zweifel« daran, dass es sich um eine Mikwe handele. Daraufhin hatte die Stadt Venlo bei Kooijmans eine Untersuchung in Auftrag gegeben.

Lösung »Furchtbar erschrocken« äußerte sich Museumdirektor Jos Schatorje über das Ergebnis. »Ich dachte, wir hätten hier etwas Fantastisches, um die Diversität unserer Region zu zeigen. Aber was für eine Geschichte sollen wir jetzt erzählen? Was ist nun die Funktion dieser Steine?«

Während der zuständige Dezernent unter Druck steht, plädiert die Stadt nun für einen offenen Umgang mit den vielen Fragen. Der Fund sei weiterhin »von hohem musealen und archäologischen Wert«, heißt es. Inzwischen ist das Ausstellungsstück umbenannt worden: Es heißt jetzt »das Mikwe-Mysterium«.

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