David Beckham

»Mein Großvater war Jude«

Beckhams Großvater habe alle Spiele seines Enkels David verfolgt, und im Gegenzug habe er ihn als Kind bei jedem Synagogenbesuch begleitet. Foto: dpa

David Beckham

»Mein Großvater war Jude«

Der frühere Weltfußballer bekennt sich zu seinen jüdischen Wurzeln

von Daniel Zylbersztajn  27.06.2016 20:13 Uhr

Schon vor zwölf Jahren brachte David Beckham Fußballfans mit der Information zum Staunen, gelegentlich eine Kippa zu tragen und auf so mancher Chassene gewesen zu sein. Jahre später schickten er und seine Frau Victoria ihren dritten Sohn – das Ehepaar hat vier Kinder – in den jüdischen Kindergarten einer Reformgemeinde in Los Angeles.

Der einstige Spieler von Manchester United, Los Angeles Galaxy und Paris Saint-Germain bezeichnete sich schon damals als »zur Hälfte jüdisch«, obwohl Fragen danach, ob er oder seine Söhne je einen Mohel sahen, unbeantwortet blieben.

Zu ihrem sechsten Heiratsjubiläum im Jahr 2005 ließen sich David Beckham und seine Frau, die ehemalige »Spice Girls«-Sängerin Victoria Beckham, gemeinsam auf Hebräisch den Vers des Hoheliedes 6,3, »Ich bin meines Geliebten; und mein Geliebter ist mein«, auf die Haut tätowieren. Man kann es als gewolltes Zeichen der Verbundenheit zum Judentum lesen, zumindest für David Beckham. Gemahlin Victoria habe sich mittlerweile den Spruch wieder weglasern lassen, heißt es gerüchteweise.

London Erst jüngst berichtete der mittlerweile 41-jährige David Beckham im JW3, dem Jüdischen Kulturzentrum Londons, vor einem mit mehr als 250 Zuhörern übervollen Saal sehr offen über seine Beziehung zum Judentum.

Dabei sprach er vor allem über seinen vor sieben Jahren verstorbenen jüdischen Großvater Joseph West. Der habe alle Spiele seines Enkels David verfolgt, und im Gegenzug habe er als Kind seinen Großvater bei jedem Synagogenbesuch begleitet.
Beckham räumte zugleich ein, er könne nicht von sich behaupten, jüdisch aufgewachsen zu sein.

Als die Moderatorin im JW3 ihn direkt darauf ansprach, ob er sich jüdisch fühle, antwortete Beckham mit den Worten: »Mein Großvater mütterlicherseits war jüdisch, also verstehe ich mich so.« Seine Großeltern waren ihm immer wichtig. 2003 begleiteten sie ihn etwa stolz zur Queen, als ihr Enkel mit dem Verdienstorden geehrt wurde. Diese Auszeichnung durch die Königin gehört zu den großen Höhepunkten seines Lebens, berichtete der Champions-League-Sieger jüngst.

Manchester United Ein anderer Höhepunkt seines Lebens, die Begegnung mit Victoria Adams, kam durch jüdische Vermittlung zustande. »Michael Edelson, der damalige Manager von Manchester United, verkuppelte uns«, bestätigte David Beckham im JW3. Edelson ist ein jüdischer Unternehmer und Philanthrop. Viel mehr Jüdisches war Beckham an jenem Abend im JW3 nicht zu entlo-cken – auch wenn sich das Publikum ob des jüdischen Veranstaltungsortes mehr erhofft hatte.

Der Weltstar sprach lieber über seine Rolle als UNICEF-Botschafter und als Schirmherr der von ihm gegründeten Stiftung namens »7«, die das Hilfswerk direkt unterstützt. Der Name »7« geht auf die Rückennummer zurück, die Beckham seine gesamte Fußballkarriere lang trug. Nun will die Stiftung Kindern in den sieben bedürftigsten Ländern der Welt helfen; vor allem geht es um Zugang zu Schulerziehung, den Schutz vor Krankheit und ausreichende Versorgung mit Trinkwasser.

Nichts wirklich Neues also über den »jüdischen Fußballer« David Beckham, aber dennoch sorgten die Mitteilungen über sein jüdisches Selbstverständnis nach jenem Abend im JW3 schon bald in vielen englischen Sportteilen für Schlagzeilen.

Dabei ist David Beckham nicht der erste bekannte Fußballer mit jüdischen Wurzeln. In den 60er-Jahren spielten Dave Metchick und David Pleat in der ersten Liga und in den 70er- und 80er-Jahren Barry Silkman. Andere bekannte jüdische Namen in der Premier League der vergangenen Jahre waren die israelischen Spieler Yossi Benayoun, Tal Ben Haim und Eyal Berkovic, doch auch die jüdische Geschäftswelt ist mit Enthusiasmus in Großbritanniens Fußballwelt eingebunden.

Chelsea
Der Geschäftsführer von West Ham United ist beispielsweise der 79-jährige Londoner Geschäftsmann David Gold. Und David Bernstein war Chef von Aston Villa und der Football Association; und dem russisch-jüdischen Milliardär Roman Abramovich gehört bekanntlich der Chelsea FC.

David Beckham engagiert sich nach seinem Karriereende nicht im Fußball, sondern lebt gut als Werbe-Ikone. Die London School of Marketing schätzt das Gesamtvermögen der Beckham-Familie auf umgerechnet 570 Millionen Euro. Vor dem Brexit-Referendum sprach sich Beckham klar für den Verbleib in der Europäischen Union aus.

Doch er konnte weder das Votum seiner Landsleute für einen EU-Austritt verhindern noch das Ausscheiden seines früheren Teams bei der EM.

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