Warschau/Berlin

Marian Turski sieht Steinmeiers Polen-Reise als Signal

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier Foto: dpa

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier reist heute zu Gesprächen mit seinem polnischen Kollegen Andrzej Duda nach Warschau. Offizieller Anlass ist der 30. Jahrestag der Unterzeichnung des deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrags.

Der Besuch Steinmeiers sei »ein Zeichen des die Hand Reichens und gemeinsam nach vorne Blickens« trotz der Schwierigkeiten, die es im Verhältnis der Regierungen gebe, hieß es zuvor aus Kreisen des Bundespräsidialamtes in Berlin. Duda und Steinmeier wollen außerdem mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus beiden Ländern diskutieren.

VERTRAG Der deutsch-polnische Nachbarschaftsvertrag war nach dem Ende des Kalten Krieges am 17. Juni 1991 geschlossen worden. Das vom damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl und dem polnischen Regierungschef Jan Krzysztof Bielecki unterzeichnete Dokument schrieb unter anderem die Unantastbarkeit der Grenzen fest. Deutschland und Polen versprachen sich, Konflikte ausschließlich mit friedlichen Mitteln zu lösen.

Das Vertragswerk regelt auch die Rechte der deutschen Minderheit in Polen und der polnischstämmigen Deutschen. Es sicherte Polen darüber hinaus deutsche Unterstützung bei der Annäherung an die EU zu, der das Land dann 2004 beitrat.

ÜBERLEBENDER Steinmeier trifft in Warschau auch mit dem KZ-Überlebenden und Vorsitzenden des Internationalen Auschwitz Komitees, Marian Turski, zusammen. Der 94-Jährige wertete den Besuch des Bundespräsidenten als eine Geste des guten Willens. »Dies ist ein gutes Signal, denn Polen ist dann stärker, wenn die Beziehungen zwischen Polen und der EU stärker sind«, sagte Turski der Deutschen Presse-Agentur. Turski wurde 1944 in das deutsche Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz deportiert, er ist Mitbegründer des Museums der Geschichte der polnischen Juden in Warschau.

Die Beziehungen zwischen der EU und Polen sind derzeit wegen eines Streits um Reformen des polnischen Justizsystems belastet. Doch auch zwischen Warschau und Berlin gibt es mehrere strittige Themen. Dazu gehört etwa die deutsch-russische Gaspipeline Nord Stream 2 durch die Ostsee.

Kurz vor dem Besuch Steinmeiers hatte ein Berater von Präsident Andrzej Duda zudem den Bau des in Berlin geplanten Gedenkorts für polnische NS-Opfer angemahnt. Vertreter der nationalkonservativen Regierungspartei PiS erheben immer wieder Forderungen nach Reparationen für die Zerstörungen während des Zweiten Weltkriegs.

HEIKO MAAS In einem Gastbeitrag für die »Rheinische Post« sprach sich Außenminister Heiko Maas für eine Neubelebung der
deutsch-polnischen Beziehungen aus. »Gerade wir Deutschen
sollten diese Perspektive unseres Nachbarn nicht aus dem Auge
verlieren. Das gilt für diejenigen, die Polen aufgrund der
Defizite in Sachen Rechtsstaat oder Pressefreiheit am liebsten
abschreiben würden. Das gilt aber auch für die Vertreter
eines europäischen Hurra-Föderalismus, der Europa
absehbar erneut in Ost und West spalten würde«, schreibt Maas.

Das Jubiläum sollte vielmehr genutzt werden, um gemeinsam mit Polen nach vorne zu schauen. »Dann werden wir sehen: Polnische und deutsche
Interessen liegen oft näher beieinander, als wir denken«, so Maas. Außerdem solle Europa »glaubwürdig eintreten« für seine Werte in der Welt.

»Und wir wollen kein «Europa der zwei Geschwindigkeiten», das
Polen und andere Länder Mittel- und Osteuropas absehbar zu
Mitgliedern zweiter Klasse degradieren würde.« Dazu müssten aber gemeinsame Vorschläge gemacht werden, wir die EU weiterentwickelt und gestärkt werden könne. »Kurz gesagt: Wir müssen neue Brücken bauen zwischen Deutschland und Polen, zwischen West und Ost in Europa – heute genauso wie vor 30 Jahren.« dpa

Elvis Presley

Der King of Rock ’n’ Roll trug einen Davidstern

Hollywoodregisseur Baz Luhrmann setzt dem Star ein episches Denkmal

von Stephen Tree  02.03.2026

Schweiz

Drohung gegen koscheren Supermarkt

In Zürich ist es am Samstagabend zu einem Großaufgebot der Polizei vor jüdischen Einrichtungen gekommen

von Nicole Dreyfus  01.03.2026

Deutschland

Warnung vor Terror-Gefahr in Deutschland wegen Iran-Krieg

Wegen des Krieges in Nahost rechnet der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, mit einer »gesteigerten Bedrohungslage für jüdisches Leben in Deutschland«

 01.03.2026

Israel

Netanjahu an Iraner: »Vollendet es«

Regierungschef Benjamin Netanjahu richtet sich mit einer Ansprache auf Farsi an die iranische Bevölkerung

 01.03.2026

Iran

Britischer Verteidigungsminister: »Iran verliert die Kontrolle über seine Kommandostrukturen«

Großbritannien beteiligt sich am Militäreinsatz gegen den Iran. Verteidigungsminister Healey warnt vor wahllosen iranischen Angriffen

 01.03.2026

Türkei

Exil-Iraner im Glück

Nach dem Tod Chameneis feiern Exil-Iraner in der Türkei die Möglichkeit ihrer Rückkehr. Doch schwingt auch Sorge mit

 01.03.2026

Iran

Iran bestätigt Chameneis Tod und droht mit Vergeltung

Die staatlichen Medien des Iran haben Chameneis Tod bestätigt. Die Angriffe gehen beidseitig weiter - auch auf Golfstaaten

 01.03.2026

»Brüllender Löwe«

Präventivschlag gegen Iran: Die Lage im Überblick

Nach dem gemeinsamen Angriff Israels und der USA auf den Iran reagieren die Behörden auf die erhöhte Sicherheitslage. Die Lage im Überblick

 28.02.2026 Aktualisiert

Ukraine

Im Schatten der Drohnen

In Odessa, wo Strom, Wasser und die Sicherheit knapp sind, zeigen selbst jene, die kaum etwas haben, Solidarität und Mitmenschlichkeit – ganz nach dem Prinzip »Sei a Mentsch«. Ein Ortsbesuch

von Andreas Tölke  25.02.2026