Frankreich

Madames Kopfgeburt

Provoziert: Marine Le Pen Foto: imago

Mit ihrer Forderung, das islamische Kopftuch und die Kippa auf Frankreichs Straßen zu verbieten, hat Marine Le Pen, Parteivorsitzende des rechtsextremen Front National, für einen öffentlichen Aufschrei gesorgt. »Wenn wir das Kopftuch verbieten, ist es offensichtlich, dass wir das Tragen der Kippa auch verbieten müssen«, sagte sie vergangenen Freitag in einem Interview mit der Zeitung Le Monde. »Ich bitte unsere jüdischen Mitbürger um diesen kleinen Gefallen, denn wir müssen von allen dasselbe verlangen. Ich bin sicher, dass die meisten von ihnen dieses Opfer gerne bringen«, fuhr sie fort.

Richard Prasquier, Präsident der französisch-jüdischen Dachorganisation CRIF, reagierte entrüstet: »Marine Le Pen gibt vor, den Extremismus zu bekämpfen, erreicht aber das Gegenteil, nämlich, dass sich die Konflikte in der Gesellschaft verstärken.«

geldstrafe In Frankreich ist seit 2011 ein Gesetz in Kraft, das den muslimischen Ganzkörperschleier im öffentlichen Raum verbietet. Wer dagegen verstößt, kann mit einer Geldstrafe von bis zu 150 Euro belangt werden. Seit 2004 ist bereits das Tragen religiöser Symbole, einschließlich der Kippa, an öffentlichen Schulen verboten.

Seitdem das Satiremagazin »Charlie Hebdo« vergangene Woche islamfeindliche Mohammed-Karikaturen veröffentlicht hat, ist die Lage in Frankreich ohnehin angespannt. Le Pens Forderung hat das Klima weiter angeheizt. Ihre Kritiker sind sich einig, dass dieser Vorstoß in keiner Weise dem Prinzip der strengen Trennung von Staat und Kirche dient. Der Soziologe und Historiker Jean Baubérot warnt vor diktatorischen Tendenzen: »Man kann die Kippa, die nur Männer tragen, und den Schleier, den nur Frauen tragen, natürlich ablehnen. Sie zu verbieten, hieße, dass sich Frankreich zu einer totalitären Gesellschaft entwickelt, die den Menschen vorschreibt, wie sie sich in der Öffentlichkeit zu kleiden haben; dem wären keine Grenzen mehr gesetzt.«

Innenminister Manuel Valls setzte an Rosch Haschana bei seinem Besuch in der Großen Synagoge von Paris ein Zeichen, indem er selbst eine Kippa trug. Inzwischen hat Le Pen einen halbherzigen Rückzieher gemacht. Sie erklärte vor einigen Tagen, dass »die Kippa an sich in unserem Land kein Problem darstellt«. Viele fragen sich nun: Was heißt »an sich«? Wenn die Kippa im Schrank bleibt?

Washington D.C.

Gates: »War dumm von mir, Zeit mit Epstein zu verbringen«

In den jüngst veröffentlichten Dokumenten zum Fall des verstorbenen Sexualstraftäters Epstein tauchen viele prominente Namen auf - auch der des Microsoft-Mitgründers. Nun äußert er sich dazu

 05.02.2026

Wien

US-Flüchtlingsorganisation HIAS muss ihr Europa-Büro schließen

Die US-Regierung hat das historische Programm für religiöse Minderheiten aufgekündigt. Damit sind aktuell Hunderte Juden im Iran gestrandet

 04.02.2026

Geschichte

Kühe und das große jüdische Erbe

In Endingen und Lengnau liegt die Wiege des Schweizer Judentums – von dort ging es in die Welt. Zu Besuch bei einem der letzten Viehhändler im Surbtal

von Nicole Dreyfus  03.02.2026

Alltag in Zürich: Orthodox gekleidete Juden im Stadtteil Wiedikon, wo sihc der jüngste Vorfall ereignete.

Schweiz

Jüdischer Mann in Zürich mit Fäusten attackiert

Am Montagabend kam es in Zürich auf einer Straße erneut zu einem Vorfall antisemitischer Gewalt

 03.02.2026

USA

Coole Saftas

Wie jüdische Großmütter endlich das Kino erobern

von Sarah Thalia Pines  01.02.2026

Der diesjährige Lerntag "Jom Ijun" findet am 1. Februar im Gemeindezentrum der ICZ in Zürich statt.

Interview

»Wir sind in der kleinen jüdischen Welt einsam«

Der diesjährige Lerntag »Jom Ijun« beleuchtet das innerjüdische Spannungsfeld zwischen Gemeinschaft und Individualismus. Warum auch der jüdische Diskurs davon betroffen ist, erklären die Organisatoren Ron Caneel und Ehud Landau im Gespräch

von Nicole Dreyfus  31.01.2026

Großbritannien

Kick it like Beckham

Brooklyn Beckham macht den Streit mit seinen Eltern öffentlich. Dabei geht es auch um ein jiddisches Tattoo

von Sophie Albers Ben Chamo  29.01.2026

Iran

Jüdischer Vertreter im Land kritisiert erstmals iranische Regierung

Bisher hat sich die jüdische Gemeinschaft zurückgehalten. Nun soll der Vertreter von Irans Juden im iranischen Parlament erstmals öffentlich die Regierung kritisiert haben

 29.01.2026

Holocaust-Gedenktag

»Mama, wo sind all die Menschen?«

Tova Friedman sprach im Deutschen Bundestag über ihre Deportation nach Auschwitz, das Grauen im KZ und darüber, was das Überleben mit ihr gemacht hat. Wir dokumentieren ihre Rede

von Tova Friedman  28.01.2026