Kanada

»Landschaft des Verlustes«

Soll im Herbst 2015 eröffnet werden: Schoa-Mahnmal in Ottawa (Computersimulation) Foto: Studio Daniel Libeskind

Mitten in Kanadas beschaulicher Hauptstadt Ottawa gibt es ein kleines dreieckiges Grundstück, das für den Bau des ersten und einzigen nationalen Holocaust-Denkmals des Landes vorgesehen ist. Daniel Libeskind, der Architekt des Berliner Jüdischen Museums, wird es bauen. Dies hat kürzlich eine Wettbewerbs-Jury entschieden.

Die städtebaulichen Fixpunkte des für den Bau vorgesehenen Grundstücks sind rar – und Kanadas Bezüge zur Schoa schwächer als in Deutschland, Israel, Polen oder den USA. Es waren also keine einfachen Bedingungen für die Teilnehmer des Wettbewerbs, die sich mit ihren Entwürfen um den Auftrag zum Bau von Kanadas nationalem Holocaust-Denkmal beworben hatten.

team Das siegreiche, interdisziplinäre Team um Daniel Libeskind schlägt vor, aus dem einsamen Grundstück einen »ruhigen und würdigen Ort zu machen«. Durch die räumliche Nähe zum benachbarten Canadian War Museum und zum kanadischen Parlament soll ein »Bezug zu den Opfern, die Kanada bei der Befreiung Europas von der Naziherrschaft gebracht hat«, hergestellt werden. In Libeskinds Entwurf umrandet ein (David-)Stern aus sechs Dreiecken einen inneren Platz für offizielle Gedenkzeremonien.

Am 12. Mai wurde bekannt gegeben, dass sich Libeskinds Entwurf »Landscape of Loss, Memory and Survival« unter sechs Finalisten durchsetzte. Er wird nun an prominenter Stelle in der Hauptstadt Ottawa gebaut. Die Einweihung ist für Herbst 2015 geplant. Neben Libeskind gehören der Künstler Edward Burtynsky, der Landschaftsarchitekt Claude Cormier und die Beraterin Doris Bergen zu dem erfolgreichen Team.

sikh Anders als in Berlin schließt das Gedenken in Ottawa explizit Sinti und Roma, Behinderte, Homosexuelle, polnische Opfer und sowjetische Kriegsgefangene, Zeugen Jehovas und politische Gegner mit ein. Kurioserweise geht die Initiative zum Bau des Denkmals mit Tim Uppal auf einen Abgeordneten zurück, der den Sikh angehört. 2009 hatte er einen Gesetzesentwurf für die Schaffung eines Holocaust-Mahnmals in das kanadische Parlament eingebracht.

Ein National Holocaust Development Council unter Vorsitz von Rabbi Daniel Friedman hat nun eine Entscheidung getroffen und wird in den anderthalb Jahren fleißig Spenden sammeln müssen, denn Kanadas Regierung bezuschusst den Bau des Mahnmals nur mit bis zu vier Millionen Dollar.

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