Großbritannien

Lady Berger und Lord Katz

Luciana Berger kämpfte um und für Labour. Foto: picture alliance / empics

»Es ist eine große Anerkennung für das Jewish Labour Movement und für unsere Anstrengungen gegen den Antisemitismus in der Partei«, sagt Mike Katz, der gerade Mitglied des britischen Oberhauses, des House of Lords, wurde, der »Jüdischen Allgemeinen«.

Der 51-jährige Vorsitzende des britischen Jewish Labour Movement (JLM), der jüdischen Arbeiterbewegung, wurde gemeinsam mit der ehemaligen jüdischen Unterhausabgeordneten Luciana Berger bei den traditionellen Neujahrsauszeichnungen durch Premierminister Keir Starmer mit jeweils einem Sitz bis ins hohe Rentenalter im britischen Oberhaus geehrt. Beide hatten den Antisemitismus in der Labour-Partei bekämpft, als Jeremy Corbyn noch deren Vorsitzender war. Die Titel wurden den beiden offiziell von König Charles III. verliehen.

Antisemitismus in der eigenen Partei

Katz hat in Oxford studiert und zuletzt ein PR- und Consulting-Unternehmen geleitet. Seine politische Karriere begann er als Stadtrat im Londoner Stadtteil Camden. Den JLM-Vorsitz übernahm er 2019. Für Labour hatte er sich einst entschieden, weil die Partei dafür sorgte, dass Rentnerinnen und Rentner im Winter nicht frieren müssen. Heute darauf angesprochen, dass Labour gerade die Heizkostenzuschüsse für Rentner gestrichen hat, gibt er sich bereits ganz auf Linie: »Es ist eine bedauerliche Maßnahme aufgrund der 14-jährigen Misswirtschaft der Konservativen.«

Doch Katz hat Großes erreicht. Unter seiner Führung ließ JLM Antisemitismus-Vorwürfe in der Labour-Partei von der britischen Stelle für Gleichberechtigung und Menschenrechte (EHRC) untersuchen und erhielt recht. Während dieser schwierigen Jahre kämpfte er tapfer gegen die Hasswelle an. »Es war die gemeinsame Arbeit aller in der Bewegung«, sagt er bescheiden.

Als Politikerin hat Luciana Berger ständig Antisemitismus erfahren, schon als sie bei der National Union of Students anfing.

Die 1981 geborene Luciana Berger war von 2010 bis 2019 Unterhausabgeordne­te für Labour im Wahlkreis Liverpool Wavertree. 2019 wechselte sie wegen des Antisemitismus in die kurzlebige Anti-Brexit-Partei Change UK. Danach war sie als parteilose Abgeordnete im Unterhaus, bis sie 2023 nach tiefgehenden Reformen zur Bekämpfung des Antisemitismus zu Labour zurückkehrte.

Als Politikerin hat sie ständig Antisemitismus erfahren, schon als sie bei der National Union of Students anfing. Als Unterhausabgeordnete wurde die Mutter zweier Kinder so heftig bedroht, dass mehrere Täter zu Haftstrafen verurteilt wurden. Heute ist sie Vorsitzende der Mental Health Association, einem Dachverein von mehr als 100 britischen Organisationen für bessere mentale Gesundheit.

Ein großartiges Land

»Antisemitismus war 2019 ein Problem in der Labour-Partei, jetzt ist er zum gesellschaftlichen Problem herangewachen«, sagt Katz. Allerdings hoffe er darauf, sich auch mit vielen anderen sozialen Anliegen beschäftigen zu können. Wie Berger versuchte sich auch Katz als Unterhauskandidat. 2017 kandidierte er für den Londoner Wahlkreis Hendon und verlor mit nur zwei Prozent hinter dem konservativen Kandidaten. »Es ist wahrscheinlich, dass ich wegen Jeremy Corbyn verloren habe, denn dieser Wahlkreis hat einen der höchsten Anteile an jüdischen Wählern im Land.« Aber es sei wohl besser so gewesen, wenn man bedenke, wie stark der Antisemitismus in der Labour-Partei in diesen Jahren war.

In seiner Familie müsse man nicht weit in die Vergangenheit blicken, um auf Vorfahren zu stoßen, die einst aus Osteuropa eingewandert sind, so Katz. »Dass ich als Nachfahre nun ein Lord im Oberhaus werde, zeigt, dass das Vereinigte Königreich ein großartiges Land ist.«

Schweiz

Ein Importverbot von koscherem Fleisch gefährdet jüdisches Leben

Ein Kommentar von Jonathan Kreutner, Generalsekretär des jüdischen Dachverbands SIG

von Jonathan Kreutner  02.10.2026

Madrid

Kritik an Zara wegen Halloween-Kostüm mit Ähnlichkeit zu KZ-Kleidung

Die Hintergründe

 02.10.2026

Gespräch

Jüdische Stimme am Vatikan

Viktor Eichner vom Jüdischen Weltkongresses hat ein großes Ziel: sich für die jüdische Gemeinschaft einzusetzen – vor allem beim Heiligen Stuhl

von Sabine Kleyboldt  02.10.2026

USA

Jüdischer Stolz auf der New York Fashion Week

Zum ersten Mal war eine exklusiv jüdische Modenschau Teil des berühmten Events. Mit Modest Fashion, Abendkleidern und Bikinis

von Sophie Albers Ben Chamo  01.10.2026

Großbritannien

Dame Esther Rantzen mit 86 Jahren gestorben

Die Journalistin setzte sich für Kinder, Senioren und eine Legalisierung der Sterbehilfe ein

 01.10.2026

New York

Mamdani legt Antisemitismus-Plan vor, jüdische Organisationen üben scharfe Kritik

Das Konzept des Bürgermeisters blende den Zusammenhang zwischen der Gewalt gegen Juden in New York und antiisraelischer Propaganda bewusst aus, sagt einer der Kritiker

 30.09.2026

Kiew

85. Jahrestag: Selenskyj gedenkt ermordeter Kyjiwer Juden

Vor 85 Jahren besetzten deutsche Truppen die heutige ukrainische Hauptstadt. Sie ermordeten zehntausende Menschen. Präsident Selenskyj stellt bei einer Gedenkfeier den Bezug zur Gegenwart her

 30.09.2026

Fußball

Im Kreuzfeuer: Irischer Nationalspieler mit israelischer Mutter

Finn Azaz wurde für Irlands Nationalkader für die Länderspiele gegen Israel nominiert. Weil er eine israelische Mutter hat, soll seine Zukunft im irischen Team aber infrage stehen

von Michael Thaidigsmann  29.09.2026

Interview

»Es ist beängstigend, wie sich die Geschichte wiederholt«

Evan Bernstein (51) ist seit Kurzem neuer CEO von B’nai B’rith International, der ältesten jüdischen Wohltätigkeitsorganisation. Um den wachsenden Antisemitismus zu bekämpfen, will Bernstein vor allem die lokale Vernetzung verbessern

von Michael Thaidigsmann  29.09.2026