Russland

Kritik an Eistanz in KZ-Kleidung

Die Eiskunstläuferin Tatjana Nawka Foto: dpa

Nach ihrem TV-Eistanz in gestreifter KZ-Häftlingskleidung mit gelbem Stern am Wochenende hat die Frau des russischen Präsidentensprechers Dmitri Peskow, die Eistänzerin Tatjana Nawka, am Montag heftige internationale Kritik geerntet.

Für ihren Auftritt in einer Promi-Eiskunstlaufshow eines Staatssenders zu dem Song Das Leben ist schön aus dem Oscar-prämierten italienischen Film von Roberto Benigni bekamen Tatjana Nawka und ihr Tanzpartner, der Schauspieler Andrej Burkowski, am Samstagabend die höchste Punktzahl und Lob von den Juroren. Ein YouTube-Video des Auftritts wurde allerdings überwiegend negativ bewertet.

NS-Zeit Die Eistanznummer in KZ-Kluft wurde in der Show Ice Age im ersten Kanal des russischen Fernsehens ausgestrahlt. Nachdem der Clip sich im Internet verbreitet hatte, empörten sich viele User – und daraufhin auch Journalisten. Die israelische Zeitung »Jerusalem Post« bezeichnete Nawkas Auftritt als verstörend.

Die Leiterin des Russischen Holocaust-Zentrums, Alla Gerber, sagte in einem Radiointerview, es sei »sehr komplex«, den Massenmord an den Juden während der NS-Zeit richtig darzustellen. »Vor allem denke ich, es darf keinen Spott geben, keine Ironie, kein falsches Lachen«, so Gerber weiter.

Der jüdische Choreograf des Auftritts und ehemalige russische Eiskunstläufer, Ilja Awerbuch, verteidigte dagegen am Montag in der »Komsomolskaja Prawda« sein Konzept und betonte, die Empörung sei seiner Meinung nach unverdient. »Diese ganze Reaktion ist ein Zeichen des Wahnsinns, der heutzutage herrscht«, sagte er der Zeitung. Das russischsprachige israelische Blatt »Westi Israel« wiederum schrieb auf seiner Facebook-Seite, hoffentlich habe Awerbuch »genug Verstand, dieses Programm nicht nach Israel zu bringen«.

Instagram Nawka selbst stellte Bilder ihres Auftritts auf Instagram und schrieb: »Das ist eine meiner Lieblingsnummern. Nach Motiven aus einem meiner Lieblingsfilme Das Leben ist schön.«

Die Tragikomödie des italienischen Regisseurs Roberto Benigni (1997) erzählt vom Überleben eines jüdischen Häftlings und seines kleinen Sohnes in einem nationalsozialistischen Konzentrationslager. Im russischen Fernsehen tanzten Nawka und ihr Partner lachend über das Eis, bis ihr Auftritt mit dem Klang von Gewehrschüssen endete.

Die ehemalige Weltmeisterin im Eiskunstlauf Nawka und Kremlsprecher Peskow sind seit 2015 verheiratet. Laut Medienberichten sagte Peskow zum Auftritt Nawkas: »Ich bin stolz auf meine Frau. Das ist alles, was ich sagen kann.« ja

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