Emirate

Koscher in Dubai

Kantor Alex Peterfreund (l.) und Gemeindepräsident Ross Kriel im Gemeindehaus Foto: Verfügbar für Kunden mit Rechnungsadresse in Deutschland und Österreich. !

»Wenn Sie noch nicht verheiratet sind, ziehen Sie doch eine Hochzeit in Dubai in Betracht«, sagt Ross Kriel am Telefon und lacht. »Eine Hochzeit ist nämlich das einzige, was wir hier in der Gemeinde noch nicht hatten.« Kriel stammt aus Südafrika und lebt seit 2008 in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE).

Der Anwalt ist Präsident der jüdischen Dachorganisation der Vereinigten Arabischen Emirate, dem Jewish Council of the Emirates (JCE), und damit der ersten neu gegründeten jüdischen Gemeinschaft im Nahen Osten nach dem Zweiten Weltkrieg außerhalb Israels.

»Dass es zum ersten Mal seit Jahrhunderten eine neue jüdische Gemeinde im Herzen der arabischen Welt gibt, ist geradezu historisch.«

Rabbiner Yehuda Sarna,

In der kleinen Synagoge in Dubai hat seine Gemeinde bereits mehrere Brit Milas, Barmizwas und alle anderen Feiern des jüdischen traditionellen Lebens begangen. Nur zwei Menschen unter die Chuppa zu bringen, das fehle bis jetzt noch in Dubai, sagt Kriel. »Wir können in den Emiraten ein komplettes jüdisches Leben führen, unterstützt von der Regierung«, erzählt er weiter. »Die Emirate sind unser Zuhause, wir sind sehr glücklich hier.«

Statistik Kriels Schätzung nach leben inzwischen rund 500 bis 600 Juden in den VAE. Andere Quellen sprechen sogar von bis zu 1500. Insgesamt gibt es in den Emiraten drei jüdische Gemeinden, zwei orthodoxe und eine egalitäre. Vor einigen Jahren wurde auch eine Talmud-Tora-Schule gegründet. Die meisten Juden vor Ort, die allesamt aus dem Ausland stammen, sind in den beiden Emiraten Dubai und Abu Dhabi zu Hause.

Insgesamt besteht das Land am Persischen Golf aus sieben Teil-Emiraten. Neben Dubai und Abu Dhabi, den beiden größten und bevölkerungsreichsten Emiraten, bilden Sharjah, Ajman, Umm Al-Qaiwain, Ras Al-Khaimah und Fujairah die VAE.

Aufbau »Am Anfang waren wir die Einzigen im Land, ja in der ganzen Region, die den Schabbat hielten«, erinnert sich Kriel. 2013 hatte er seine Frau und seine drei Kinder aus Südafrika nach Dubai nachgeholt. »Wir waren eine Art Pioniere und machten uns daran, eine Gemeinde aufzubauen.«

Seine Frau Elli unterstützt ihn dabei. Seit einem Jahr betreibt die studierte Soziologin und passionierte Hobbyköchin mit griechischen Wurzeln »Elli’s Kosher Kitchen«, den ersten und bislang einzigen koscheren Cateringservice in den Emiraten. Ihre Spezialität sind Leckerbissen à la »Kosherati«, einer Art Fusionsküche aus traditionellen Gerichten der Emirate mit internationalen koscheren Zutaten.

»Etliche Jahre lang waren wir die einzige Familie in der Stadt, die koscher lebte«, sagt Elli Kriel in einem Interview auf ihrer Website. Aus diesem Grund habe sie überhaupt erst angefangen, täglich für die Familie koscher zu kochen.

»Als bekannt wurde, dass in Dubai eine koscher essende Familie zu finden ist, haben sich Reisende an uns gewandt und um Essen gebeten«, sagt Kriel. Die steigende Nachfrage führte dann schließlich zu der Idee eines eigenen Cateringservices. Der wird nicht nur von der jüdischen Community im Land geschätzt.

Polen Auch Emiratis und internationale Besucher wie der polnische Oberrabiner und die Rabbiner des Bet Din aus Johannesburg gehörten schon zu den Gästen von »Elli’s Kosher Kitchen«.

Nicht zuletzt schätzt Rabbiner Yehuda Sarna, seit Mai 2019 erster Oberrabiner der VAE, das Essensangebot von Elli Kriel. »Die Tatsache, dass es zum ersten Mal seit Jahrhunderten eine neue jüdische Gemeinde im Herzen der arabischen Welt gibt, ist geradezu historisch«, sagt Sarna, der in New York lebt und mindestens vier Mal im Jahr in die Emirate reist, um die Gemeinde zu betreuen.

Sarna zeigt sich hoffnungsvoll, dass, sollte sich die Gemeinschaft im Land weiterhin so positiv entwickeln, sich bald ein permanent in den VAE lebender Rabbiner der Gemeindearbeit widmen werde.


Im vergangenen Jahr erkannte der Staat die Gemeinde offiziell an.


Dass Elli’s Kriels koscherer Cateringservice ausgerechnert im zurückliegenden Jahr an den Start ging, ist kein Zufall. Kronprinz Khalifa bin-Zayed al-Nahyan hatte 2019 zum »Jahr der Toleranz« erklärt – infolge dessen erkannten die Behörden des Golfstaats die jüdische Gemeinschaft im Land offiziell an.

»Ich denke, wir können einen aufregenden Beitrag zur Vielfalt der Emirate leisten, und die Stadt ist sehr offen und begrüßt neue und fortschrittliche Ideen«, sagt Elli Kriel. Darüber hinaus sei Dubai die sicherste Stadt, in der sie je gelebt habe, wie sie sagt. Das sei nicht zuletzt für ihre Kinder gut. »Ich bin stolz darauf, jüdische Kinder in einer muslimischen Gesellschaft großzuziehen. Es stellt einen wunderbaren Präzedenzfall für das Verständnis von Vielfalt und interreligiösen Beziehungen dar – insbesondere in Bezug auf muslimische, arabisch-jüdische Beziehungen.«

In der steigenden Nachfrage nach koscherem Essen spiegelt sich die Entwicklung in der jüdischen Community der VAE wider. Kamen anfangs vor allem Männer ins Land, die in der von der Erdöl- und Erdgasindustrie dominierten Wirtschaft Arbeit fanden, holten die internationalen Expats mit der Zeit mehr und mehr ihre Familien nach, um sich für eine längere Zeit oder gar dauerhaft im Land niederzulassen. Pionierfamilie Kriel ist selbst ein Beispiel dafür.

Toleranz Bis heute ist die Community stark von der Fluktuation ihrer Mitglieder geprägt. »Unsere Gemeinschaft ist zwar klein, aber lebendig, warmherzig, vielfältig, inklusiv und vielseitig. Sie besteht aus Expats aus vielen Teilen der Welt«, sagt Elli Kriel. Von Seiten der Regierung wurde die Entwicklung der Gemeinde nie behindert. Im Gegenteil – die Vereinigten Arabischen Emirate bemühen sich seit Langem, nach innen und außen tolerant zu sein.

Nach außen ist der angekündigte Friedensvertrag mit Israel aktueller Ausdruck dieser Strategie, die auch die Beziehungen zur jüdischen Community im Land positiv beeinflussen wird. Nach innen bemühen sich die VAE insbesondere um die jüdischen und christlichen Ausländer, die im Land leben.

Ein weiterer großer Schritt in diese Richtung ist neben der offiziellen Anerkennung der jüdischen Gemeinde der Bau des »Abrahamic Family House«. Dabei handelt es sich um ein riesiges Gelände in Abu Dhabi, das für den interreligiösen Dialog stehen soll und auf dem bis 2022 neben einer Moschee auch eine Kirche und eine Synagoge eröffnet werden sollen.

Ruth Bader Ginsburg

»Ihr Vermächtnis wird bleiben«

Zum Tod der amerikanischen Justiz-Ikone und Vorreiterin für Frauenrechte und liberale Denkweisen

von Lena Klimkeit  20.09.2020

USA

FBI-Direktor zieht Zorn Trumps wegen Antifa-Einschätzung auf sich

Antifaschismus sei eine Ideologie und keine Organisation, erklärt der Chef der Bundespolizei in einer Kongressanhörung

 18.09.2020

Minsk

Die Lage spitzt sich weiter zu

An der südlichen Staatsgrenze hängen derzeit Hunderte jüdische Pilger fest

von Christian Thiele  18.09.2020 Aktualisiert

Schweiz

Zwölf Töne

In Basel lernt ein Dutzend Männer in einem Abendseminar, wie man Schofar bläst

von Peter Bollag  17.09.2020

Österreich

Pass und Hürden

NS-Opfer und ihre Nachfahren können die Staatsbürgerschaft zurückerhalten – doch manche zögern, ob sie das wirklich wollen

von Stefan Schocher  17.09.2020

Großbritannien

Zwischen Covid und Brexit

Wie Londoner Juden auf das zu Ende gehende Jahr zurückblicken

von Daniel Zylbersztajn  17.09.2020

Nachrichten

Brit Mila, Schechita

Meldungen aus der Jüdischen Welt

 17.09.2020

Ukraine

Quarantäne in Uman

Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärt Rosch Haschana zum nationalen Feiertag – doch Corona erschwert das Pilgern zum Grab von Rabbi Nachman

von Denis Trubetskoy  17.09.2020

USA

Trump zu US-Juden: »Wir lieben Ihr Land«

Donald Trump irritiert mit Aussage über jüdische Amerikaner

 17.09.2020