Argentinien

Jüdischer Weltkongress tagt in Buenos Aires

Argentiniens Präsident Mauricio Macri eröffnete die dreitägige Veranstaltung gemeinsam mit WJC-Präsident Ronald Lauder (r.). Foto: dpa

In Buenos Aires hat am Dienstag die Vollversammlung des Jüdischen Weltkongresses (WJC) begonnen. Argentiniens Präsident Mauricio Macri eröffnete die dreitägige Veranstaltung am Abend gemeinsam mit WJC-Präsident Ronald Lauder. Es ist das erste Mal, dass sich der Jüdische Weltkongress zu seiner Vollversammlung in Argentinien trifft. Die jüdische Gemeinde des Landes ist die größte in Lateinamerika – rund 200.000 Menschen gehören ihr an.

Die argentinische Hauptstadt war in den 90er-Jahren zwei Mal Schauplatz blutiger Terroranschläge gegen jüdische Einrichtungen: 1994 wurden bei einem Bombenattentat auf das Gemeindezentrum AMIA 85 Menschen getötet. Zwei Jahre zuvor hatte ein Anschlag auf die israelische Botschaft 22 Menschenleben gefordert. Die beiden Attentate, bei denen es Hunderte von Verletzten gab, sind bis heute nicht aufgeklärt. WJC-Präsident Lauder bezeichnete dies im Vorfeld der Vollversammlung als »inakzeptabel«.

Gedenken Es ist kein Zufall, dass der Weltkongress vom 15. bis zum 17. März in Buenos Aires tagt: Der 17. März ist der Jahrestag des Anschlags auf die israelische Botschaft, deren Gebäude in der Calle Arroyo vor 24 Jahren komplett zerstört wurde. Das leere Grundstück ist heute ein Ort der Erinnerung. Am Donnerstag werden die WJC-Delegierten dort an der offiziellen argentinischen Gedenkveranstaltung teilnehmen. Hinter den beiden Terrorakten steckten höchstwahrscheinlich ausländische Akteure – beschuldigt werden der Iran und die Hisbollah-Miliz – sowie argentinische Komplizen.

Die Forderung nach Aufklärung und Bestrafung der Täter ist eines der zentralen Themen bei der WJC-Tagung. Am heutigen Mittwoch will der Kongress außerdem des Staatsanwaltes Alberto Nisman gedenken, der die Ermittlungen zum AMIA-Attentat leitete und im Januar vergangenen Jahres mit einer Kugel im Kopf in seiner Wohnung gefunden wurde. Die rätselhaften Umstände seines Todes hat die argentinische Justiz bislang ebenfalls nicht erhellen können.

Ein Thema der WJC-Vollversammlung ist die Bedrohung der jüdischen Gemeinschaften durch den internationalen Terrorismus. Auch wollen die Teilnehmer ein klares Signal der Solidarität mit Israel aussenden. Unter anderem werden sie darüber debattieren, mit welchen Maßnahmen sie der internationalen Kampagne »Boycott, Divestment and Sanctions« begegnen können.

Redner Zu den geladenen Rednern gehören der israelische Minister für Bildung und Diaspora-Angelegenheiten, Naftali Bennett, und der Generalsekretär der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS), der Uruguayer Luis Almagro. Auch Omar Abboud, Vertreter der muslimischen Gemeinschaft in Argentinien, wird zu den Kongressteilnehmern sprechen.

An der WJC-Vollversammlung nehmen mehr als 400 Delegierte teil. Die jüdische Gemeinschaft in Deutschland wird von Zentralratspräsident Josef Schuster vertreten, der auch Vizepräsident des Jüdischen Weltkongresses ist.

Spanien

Grabschändung in Barcelona - Bürgermeister verurteilt die Tat

Die Stadt und das israelische Außenministerium reagieren mit scharfer Kritik

 25.01.2026

Georgien

Zwischen Tel Aviv und Tiflis

In Israel geboren, kaukasische Wurzeln und in Mailand entdeckt: Tammy Aligo ist als Top-Model überall zu Hause

von Mikheil Khachidze  25.01.2026

Gespräch

»Israel ist stark und schützt uns«

Kommende Woche wird sie im Bundestag die Rede zum Holocaust-Gedenktag halten. Gemeinsam mit ihrem Enkel Aron Goodman spricht Tova Friedman im Interview über ihre Sicht auf Deutschland - und ihre Aktivitäten auf TikTok

von Michael Thaidigsmann  23.01.2026

Studien

Trauma, Resilienz und Lebenswille: Warum manche Schoa-Überlebende so alt werden

Die Forschung ist einem bemerkenswerten Phänomen auf der Spur: Viele Überlebende des Holocausts werden auffallend alt

 23.01.2026

Der diesjährige Lerntag "Jom Ijun" findet am 1. Februar im Gemeindezentrum der ICZ in Zürich statt.

Interview

»Wir sind in der kleinen jüdischen Welt einsam«

Der diesjährige Lerntag »Jom Ijun« beleuchtet das innerjüdische Spannungsfeld zwischen Gemeinschaft und Individualismus. Warum auch der jüdische Diskurs davon betroffen ist, erklären die Organisatoren Ron Caneel und Ehud Landau im Gespräch

von Nicole Dreyfus  22.01.2026

USA

Ein Stück Heimat

1943 gründeten Flüchtlinge aus Europa einen Stammtisch in New York. Mehr als acht Jahrzehnte war er eine Institution. Mit dem Tod einer der letzten Überlebenden aus dieser Zeit endet eine Ära

von Heidi Friedrich  22.01.2026

Bosnien

Unsichere Zukunft auf dem Balkan

Die kleine jüdische Gemeinde von Sarajevo erlebt gerade schwierige Zeiten. Ein Ortsbesuch

von Peter Bollag  22.01.2026

Ukraine

Die Kältefolter

Rund drei Stunden mit Licht und Wärme, gefolgt von etwa zehn Stunden ohne: So sieht heute der Alltag – oder vielmehr der Überlebenskampf – der meisten Kyiver aus

von Michael Gold  21.01.2026

Entscheidung

Noam Bettan startet beim ESC für Israel

Mehrere Länder boykottieren wegen Israels Teilnahme den Eurovision Song Contest 2026. Jetzt wurde entschieden, wer für das Land in diesem Jahr bei dem Musikwettbewerb an den Start geht

von Cindy Riechau  21.01.2026