New York

Jüdischer Weltkongress begrüßt Öffnung der Vatikanarchive

Ronald S. Lauder, Präsident des World Jewish Congress Foto: Gregor Zielke

Der Jüdische Weltkongress (WJC) hat die für Montag geplante Öffnung der Vatikanarchive aus der Zeit von Papst Pius XII. (1876–1958) begrüßt. WJC-Präsident Ronald Lauder nannte den Schritt nach WJC-Angaben vom Freitag aus New York einen »Schlüsselmoment in der Geschichte katholisch-jüdischer Beziehungen«.

Der Vatikan sei in den Jahrzehnten seit dem Zweiten Weltkrieg aufgrund beiderseitiger Bemühungen zu einem »Freund und Verbündeten« geworden. Die Öffnung der Archive könne nun Antwort auf die Frage geben, was der Vatikan von den Plänen zur Judenvernichtung wusste, betonte Lauder.

memorandum Bereits im März 1942 habe der damalige WJC-Vertreter in Genf, Gerhart Riegner, den Vatikan in einem ausführlichen Memorandum über die Pläne der Nationalsozialisten zur Judenvernichtung informiert, erklärte der WJC-Präsident. Bislang sei nicht bekannt, wie der Vatikan mit dem Memorandum umgegangen sei, das der damalige Vatikanbotschafter in Genf, Filippo Bernardini, eigens angefordert habe.

Der Präfekt des ehemaligen Vatikanischen Geheimarchivs, Bischof Sergio Pagano, betonte bei der Vorstellung der geplanten Öffnung für Wissenschaftler, dass die ersten zugelassenen Forscher aus der jüdischen Welt stammen. Seit der deutsche Schriftsteller Rolf Hochhuth in seinem Theaterstück »Der Stellvertreter« 1963 Pius XII.
eine Mitschuld durch sein Schweigen am Holocaust vorwarf, streiten Anhänger und Kritiker des Papstes über seine Haltung zur Judenvernichtung.

Papst Franziskus verfügte die Öffnung vor einem Jahr mit dem Ziel, den seit Jahrzehnten schwelenden Streit zu beenden. Anhänger verteidigen das Schweigen des Papstes der Hitlerzeit zum Holocaust als Schutz von Katholiken vor Repressalien für ohnehin unwirksame öffentliche Kritik am Vorgehen der Nationalsozialisten.  epd

Alija

Sprunghafter Anstieg: Mehr Juden sagen Frankreich Adieu

2025 hat sich die Zahl der jüdischen Auswanderer nach Israel fast verdoppelt. Experten machen dafür vor allem den wachsenden Antisemitismus verantwortlich

 08.01.2026

Entführungsfall

Jugendamts-Zeugin im Block-Prozess: »Unglaubliche Belastung«

In dem Hamburger Prozess geht es eigentlich um die Entführung der Block-Kinder. Die hat aber eine jahrelange Vorgeschichte. Eine Jugendamts-Mitarbeiterin schildert eine wichtige Wende im Sommer 2021

von Stephanie Lettgen, Bernhard Sprengel  08.01.2026

Fußball

England als neue Chance? Daniel Peretz verlässt Hamburger SV

Nach der missglückten Leihe zum Hamburger SV geht es für Bayern-Torhüter Daniel Peretz in England weiter. Dort trifft er auf einen deutschen Trainer

 08.01.2026

Los Angeles

Sega-Mitgründer David Rosen im Alter von 95 Jahren gestorben

Der Unternehmer aus New York ging in den 1950ern nach Japan und importierte Fotoautomaten. Später folgten Flipper-Automaten und Jukeboxen

 08.01.2026

Meinung

Instrumentalisiertes Leid kennt keine Moral

Nach der Brandkatastrophe von Crans-Montana braucht es Mitgefühl und Respekt. Wer eine lokale Tragödie von existenzieller persönlicher Wucht für politische Deutungen missbraucht, handelt zynisch – und entwürdigt die Betroffenen.

von Nicole Dreyfus  08.01.2026

Interview

»Die ICZ gehört zu mir – und ich gehöre zu ihr«

Sie will Brücken bauen, ohne den Rahmen zu sprengen. Die neu gewählte ICZ-Präsidentin Noëmi van Gelder spricht über Tradition und Offenheit, über Sicherheit in bewegten Zeiten – und darüber, wie jüdisches Leben in Zürich sichtbar, stark und gemeinschaftlich bleiben kann

von Nicole Dreyfus  08.01.2026

Jerusalem

Gedenkstätte Yad Vashem verweigerte Selenskyj Rede

Kurz nach Kriegsbeginn in der Ukraine wollte Selenskyj in Yad Vashem sprechen. Aber durfte nicht. Der Gedenkstätten-Vorsitzende nennt nun dafür klare Gründe

 07.01.2026

Venezuela

Kraft für den Neuanfang?

Trotz der spektakulären Festnahme des Diktators Nicolás Maduro durch die USA blickt die jüdische Gemeinde des Landes in eine ungewisse Zukunft

von Michael Thaidigsmann  07.01.2026

Schweiz

Trauer um Alicia, Diana und Charlotte

Bei der Brandkatastrophe im Nobel-Skiort Crans-Montana sind auch drei junge jüdische Frauen ums Leben gekommen

von Nicole Dreyfus  07.01.2026