Österreich

Impfung für alle

Option für IKG-Mitglieder? Corona-Immunisierung in Israel Foto: Flash 90

Im Wiener Maimonides-Zentrum wurde dieser Tage wieder geimpft: Zahlreiche Bewohner der jüdischen Pflegeeinrichtung, darunter Überlebende der Schoa, erhielten ihre zweite Impfdosis, einige Mitarbeiter und Angestellte die erste. Davon jedoch, wo man derzeit in Israel in puncto Impfung steht, ist man in Österreich noch weit entfernt.

Ende vergangener Woche ging Ariel Muzicant, Vizepräsident des Europäischen Jüdischen Kongresses (EJC) und Ehrenpräsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (IKG), mit einem Vorstoß in die Öffentlichkeit – einem Vorstoß, der ebenso viel Kritik und Verwunderung erntete wie Zustimmung.

Charterflug Muzicants Plan: Mitglieder der IKG sollten via Charterflug nach Israel gebracht werden, dort noch vor der offiziellen Einreise am Flughafen Ben Gurion eine erste Impfdosis erhalten – und nach drei Wochen erneut nach Israel fliegen für die zweite Dosis.

Von einem »Plan« will Muzicant allerdings nicht sprechen. Der einzige Plan sei es, »Impfungen zu ermöglichen«, sagt er. Er »versuche, alles zu tun, die Menschen impfen zu lassen«. Es geht dabei um die Zielgruppe der 16- bis 65-Jährigen. Die älteren Gemeindemitglieder haben bereits überwiegend den vollen Impfschutz oder zumindest eine erste Dosis erhalten.

Bis Pessach, so wurde Muzicant zitiert, solle über die Charterflüge die gesamte jüdische Gemeinde Wiens geimpft werden.

Bis Pessach, so wurde Muzicant zitiert, solle über die Charterflüge die gesamte jüdische Gemeinde Wiens geimpft werden. Er habe seit November versucht, die Impfkampagne für Gemeindemitglieder zu beschleunigen, so Muzicant gegenüber der Jüdischen Allgemeinen. Mit, wie er sagt, bescheidenem Erfolg.

Aktuell ruhe das Vorhaben. Israel sei derzeit keine Option, »weil der Flughafen zu ist und auch dort Impfstoff knapp wird«. Seitens des israelischen Gesundheitsministeriums sei jedoch Bereitschaft da, zu klären gebe es aber rechtliche und logistische Fragen.

knappheit Die ethische Frage ist für Muzicant allerdings geklärt: »Jede geimpfte Person bedeutet eine Person weniger, die krank oder infiziert wird, und eine Person weniger, die geimpft werden muss in Europa – wo Knappheit an Impfstoffen herrscht.«

In puncto Impfung ist Österreich auch im europäischen Vergleich Problemzone. Laut dem Wiener Gesundheitsministerium haben gerade einmal knapp 500.000 Menschen eine Vollimmunisierung, also zwei Impfdosen, oder eine erste Dosis erhalten. Dies betreffe vor allem Personen aus der Hochrisikogruppe, also Personen in hohem Alter oder Bewohner von Altenpflegeheimen sowie das dortige Personal.

Immer wieder war die Impfkampagne allerdings ins Stocken geraten. Und all dies angesichts nicht sinkender Zahlen. Hatte sich die Inzidenz zwischenzeitlich bei um die 100 eingependelt, stieg sie zuletzt wieder auf 130.

mutationen Hinzu kommen Mutationen. Die britische ist mittlerweile vor allem im Osten Österreichs zur dominanten Variante geworden. Die südafrikanische scheint derzeit noch ein regionales Tiroler Problem zu sein.

Doch für die Impfkampagne könnte sie zum Fundamental-Risiko werden: Denn gegen diese Variante richten die existierenden Impfstoffe nur wenig aus. Damit ist die Impfkampagne in Österreich zum Rennen gegen die Zeit sowie die Ungeduld der Bevölkerung geworden.

Und diese Ungeduld hatte sich zuletzt auch darin geäußert, dass sich Bürgermeister, Prominente und Politiker diverser Ränge in der Impfreihenfolge vordrängten – zum Ärger der Wartenden.

Echo Muzicants Plan, Impfwillige auszufliegen, stößt nicht zuletzt deswegen gerade auch in der jüdischen Gemeinde auf ein geteiltes Echo. Seitens der IKG heißt es, man versuche derzeit auf vielerlei Ebenen, Impfstoff zu besorgen. Die Idee gehe auf genau dieses Bemühen Muzicants in dessen Funktion als EJC-Vizepräsident zurück. Da keine Details dazu bekannt seien, könne man eine solche Aktion aber weder einordnen noch bewerten.

Seitens der zuständigen Stellen in der Wiener Stadtregierung heißt es: Man wisse von diesen Plänen nichts und »begrüßt beziehungsweise unterstützt diese Aktion daher auch nicht«.

Muzicant weist dies zurück: »Die Stadt Wien hat mich gefragt, ob ich Impfstoff auftreiben kann.«

Schweiz

Eine Sukka voller Fragen

Die Israelitische Cultusgemeinde Zürich hat ihre nichtjüdischen Nachbarinnen und Nachbarn in die Laubhütte eingeladen. Zu selbstgemachtem Hummus darf alles gefragt werden. Ein Besuch

von Nicole Dreyfus  25.09.2026

Bern

Verantwortung lässt sich nicht neutralisieren

Die Schweiz debattiert anlässlich einer Volksabstimmung über ihre Neutralität. Ein Kommentar von JA-Schweiz-Korrespondentin Nicole Dreyfus

von Nicole Dreyfus  25.09.2026

Großbritannien

»Roo the Jew«: Wayne Rooney enthüllt jüdische Wurzeln

Der frühere englische Fußballstar Wayne Rooney (40) hat in einer TV-Doku enthüllt, dass seine Großmutter mütterlicherseits jüdisch war

 24.09.2026

Ranking

Das sind die 50 einflussreichsten Juden weltweit

von Michael Thaidigsmann  23.09.2026

Buenos Aires

Argentinien: Richter ordnet Prozess wegen Terroranschlags von 1994 an

Über 32 Jahre ist es her, dass Terroristen einen Bombenanschlag auf das jüdische Gemeindezentrum AMIA in Buenos Aires verübten. 85 Menschen wurden ermordet. Nun entschied ein Richter, den Prozess gegen die Verdächtigen zu eröffnen

 22.09.2026

Kanada

Schüsse vor Synagoge: Polizist und mutmaßlicher Angreifer schwer verletzt

Der Vorfall ereignete sich am Sonntagabend, während sich rund 25 Menschen in der Sons of Jacob Synagogue zum Jom Kippur versammelt hatten

 22.09.2026

Österreich

Bericht: Wien wird zur Anlaufstelle für deutsche Juden

Wien als sicherer Hafen für Juden? Immer mehr jüdische Familien zieht es dem Vernehmen nach aus Deutschland in die österreichische Hauptstadt. Antisemitismus nimmt aber auch hier zu

 20.09.2026

Weimar

Gedenkstätte Buchenwald bittet um Spenden für Kyryl Romantschenko

Die Familie Romantschenko ist der Gedenkstätte Buchenwald seit Jahrzehnten eng verbunden. Nun benötigt der 18-jährige Kyryl Romantschenko Unterstützung

 19.09.2026

Großbritannien

Burnham will Beschränkungen für katholische und jüdische Premiers abschaffen

Die Regierung in London legt einen Gesetzentwurf zur Aufhebung religiöser Beschränkungen vor, die aus dem 19. Jahrhundert stammen

 18.09.2026