Schweiz

Hoher Preis

Die Große Synagoge in Basel Foto: dpa

Was würde Theodor Herzl bei seinen verschiedenen Besuchen in der Großen Synagoge der Israelitischen Gemeinde Basel (IGB) gedacht haben, wenn man ihm damals gesagt hätte, er befinde sich in der Synagoge »Beit Joseph«, dem Haus des Joseph?

Der Begründer des modernen Zionismus war während der verschiedenen Kongresse in der Schweizer Rheinstadt mehrmals zu Gast in der Basler Synagoge in der Leimenstraße/Ecke Eulerstraße – und das, obwohl er eigentlich nicht religiös war. Doch wollte er für seine Pläne unbedingt auch die Orthodoxie »im Boot« haben und übte deshalb auch fleißig den Segensspruch, der bei einem Aufruf zur Tora laut rezitiert wird.

gedankenspiele Den Hinweis mit »Beit Joseph« hätte der Wiener Journalist wohl einfach so zur Kenntnis genommen und sich auch nicht unbedingt darüber gewundert, dass die Synagoge einer traditionellen aschkenasischen Gemeinde einen Namen trägt, der im Allgemeinen eigentlich mit einer sefardischen Kehilla in Verbindung gebracht wird.

Das sind allerdings nur historische Gedankenspiele, denn »Beit Joseph« war Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts, als Herzl mehrere Male nach Basel kam, kein Thema. Diesen Namen wird die Basler Hauptsynagoge nämlich frühestens in einigen Wochen erhalten, wenn alle Modalitäten besprochen sind.

Entschieden hat diese Namensgebung kürzlich die Gemeindeversammlung. Allerdings kam dieser Entscheid nur knapp und erst nach langer Diskussion zustande.

Entschieden hat diese Namensgebung kürzlich die Gemeindeversammlung. Allerdings kam dieser Entscheid nur knapp und erst nach langer Diskussion zustande. Das hat vermutlich auch damit zu tun, dass hinter dem Ansinnen, die Große Basler Synagoge mit einem Namenszusatz zu versehen, die aus Brasilien stammende Bankiersfamilie Safra und eine ihr nahestehende Stiftung steht.

Beziehung Seit der Übernahme der Basler Privatbank Sarasin, die nun J. Safra Sarasin Bank heißt, hat die Familie, die zu den fünf reichsten der Schweiz gehört und ihre Wohnsitze in verschiedenen Ländern hat, eine ganz direkte Beziehung zu Basel. Nicht zuletzt deswegen fragte sie vor einigen Monaten den IGB-Vorstand an, ob die Gemeinde am Namenszusatz »Beit Joseph«, mit dem der Gründer der Bank geehrt werden soll, Interesse hätte.

Als Gegenleistung würde die Familie der Gemeinde 1,5 Millionen Franken geben – Geld, das die IGB gut gebrauchen könnte. Denn obwohl deren Sicherheitskosten seit geraumer Zeit vom Kanton übernommen werden, ist die Gemeinde, die mit sinkenden Mitgliederzahlen zu kämpfen hat, weiterhin finanziell nicht auf Rosen gebettet.

Entsprechend fanden die Befürworter bei der Gemeindeversammlung, der Deal – zwei hebräische Buchstaben gegen 1,5 Millionen Franken – stimme. Zumal die Familie Safra keinerlei Vorschriften macht, wie oft oder wo genau der Name »Beit Joseph« im Alltag zu gebrauchen ist. Allerdings, dies verlangte die Familie Safra als einzige konkrete Bedingung, solle der Namenszusatz »auf ewig« gelten.

Gegner Auch die Gegner der Initiative erkannten zwar an, dass die Gemeinde das Geld sehr gut gebrauchen könne. Doch verkaufe die Gemeinde damit auch ein wenig ihre Seele, argumentieren sie. Der Preis sei im wahrsten Sinne des Wortes zu hoch. Sich, wenn auch nur durch einen jüdischen Vornamen, mit einem Geldinstitut zu verbinden, sei für eine renommierte Gemeinde eigentlich keine Option.

Zitiert wurde auch ein früherer Rabbiner der IGB, der offenbar nicht verstehen kann, dass eine der ältesten aschkenasischen Gemeinden Europas mit dieser Namensübernahme quasi ihre Traditionen über Bord werfe. »Eine Synagoge ist doch kein Fußballstadion«, befand bei der Gemeindeversammlung ein anderer Redner empört.

Alle diese Wortmeldungen wurden zwar diskutiert, waren dann aber in der Abstimmung eben doch knapp nicht mehrheitsfähig. Als erste Gemeinde der Deutschschweiz nimmt Basel nun also so eine Namens-Neubenennung vor. Genf, wo es auch eine sefardische Gemeinschaft gibt, kennt das bereits. Viele Basler werden wohl aber auch weiterhin einfach von der »IGB-Syni« sprechen.

Internationales Auschwitz Komitee

Sorge über Gedenkstätten-Rat

IAK-Präsident Roman Kent fordert zügige Neuberufung des Gremiums

 14.05.2021

Paris

Frankreichs Innenminister lässt Nahost-Demonstrationen verbieten 

Bereits 2014 wurde bei ähnlichen Kundgebungen die öffentliche Ordnung massiv gestört

 13.05.2021

Schottland

Hoch im Norden

In der Hafenstadt Aberdeen gibt es eine kleine jüdische Gemeinde

von Julia Pohlmann  12.05.2021

USA

Juden beklagen zunehmenden Antisemitismus

53 Prozent der insgesamt 4718 Befragten fühlen sich laut Pew Research Center »weniger sicher«

 11.05.2021

USA

Der geborene Diplomat

Außenminister Antony Blinken ist seit 100 Tagen im Amt – und durchaus offen für Unkonventionelles

von Katja Ridderbusch  08.05.2021

Wien

10.000 Nachkommen von NS-Verfolgten wollen österreichischen Pass

Neues Gesetz löst Welle von Anträgen aus

 07.05.2021

Mumbai

Wo Covid wütet

Wie eine kleine jüdische Gemeinde in Indien versucht, ihre Mitglieder vor der Pandemie zu schützen

von Tobias Kühn  06.05.2021

Karl Lueger

Experten: Wien soll Denkmal eines Ex-Bürgermeisters stürzen

Experte: »Seine Verdienste können nicht aufwiegen, was er als Hassprediger angerichtet hat«

 05.05.2021

Schoa-Gedenken

Weltweites Treffen zum Jahrestag der Befreiung

Das Online-Event »Liberation75« möchte der Schoa-Opfer gedenken und Überlebende ehren

 05.05.2021