Island

»Hawdala am Sonntagmorgen«

Rabbiner Avraham Feldman Foto: DV / Hanna Andrésdóttir

Rabbi Feldman, Sie amtieren seit einigen Wochen in Reykjavik, der am nördlichsten gelegenen Hauptstadt der Erde. Dort fängt der Schabbat diese Woche erst um 23.46 Uhr an. Wie gehen Sie damit um?
Wir beginnen im Sommer zur frühestmöglichen Zeit – was allerdings auch nicht wirklich früh ist: Diese Woche wird es um 22.10 Uhr sein. Wir haben uns das nicht ausgedacht, das ist halachisch korrekt: Man darf den Ruhetag frühestens ab »Plag HaMincha« beginnen.

Was bedeutet das?

Unsere Weisen sagen, dass der Schabbat etwa eine halachische Stunde und 15 Minuten vor Sonnenuntergang beginnen darf – auch wenn es da noch hell ist. Der Hintergrund ist, dass man laut Talmud ab dieser Zeit bereits das Abendgebet sagen darf.

Auch die Hawdala, das Ende des Schabbats, ist im Sommer in Island sehr spät: Diese Woche erst am Sonntag um 1.30 Uhr. Wie handhaben Sie das?
Wir machen die Hawdala am Sonntagmorgen, wenn wir aufgestanden sind. Auch das ist halachisch erlaubt.

Und Ihre Kinder sind nicht irritiert, dass sie erst am Sonntagmorgen an den Gewürzen riechen dürfen?
Nein, meine Kinder sind noch zu klein. Der Ältere ist zweieinhalb, der Jüngere ein Jahr alt. Sie haben es nicht bemerkt, dass wir die Besamimdose seit einigen Wochen erst am Morgen und nicht wie sonst vor dem Zubettgehen hervorholen.

Wie groß ist Islands jüdische Gemeinde?

Vermutlich sind es einige Hundert Menschen. Die Ge­meinde ist sehr divers, wir sind gerade dabei, sie kennenzulernen. Es hat hier im Land nie eine organisierte jüdische Gemeinde gegeben, sondern hier leben einheimische Juden sowie zugewanderte aus Israel, Amerika oder anderen Ländern: Aschkenasen und Sefarden. Sie versammeln sich nur gelegentlich, vor allem an Feiertagen.

Laden Sie sie zum Public Viewing der Fußball-Weltmeisterschaftsspiele ein? Island ist ja in diesem Jahr erstmals mit dabei.
Das erste Spiel war am Schabbat, da konnten wir natürlich kein Public Viewing anbieten. Aber vielleicht am kommenden Dienstag, wenn Island gegen Kroatien spielt. Das könnte ich mir vorstellen.

Das jüdische Leben in Island hat allerdings nicht nur fröhliche Seiten. Vor einigen Wochen wurde ein Gesetzesvorschlag ins Parlament eingebracht, der die Beschneidung verbieten soll.
Ja, aber nach der ersten Lesung ging er an den zuständigen parlamentarischen Ausschuss, und da wurden im Land etliche Stimmen laut, die die Religionsfreiheit in Gefahr sehen. Inzwischen hat der Ausschuss dem Parlament empfohlen, den Vorschlag abzulehnen. Darüber freuen wir uns und hoffen, dass das Thema damit vom Tisch ist.

Mit dem Chabad-Rabbiner von Island sprach Tobias Kühn.

Uganda

Entebbe-Entführung 1976: Debatten um Linksterror und Antisemitismus

Vor 50 Jahren entführten zwei Deutsche und zwei Palästinenser einen Airbus aus Israel nach Uganda. Dabei sollen sie Geiseln nach antisemitischen Kriterien voneinander getrennt haben. Die Tat befeuerte das Unbehagen vieler Linker mit Gewalt

von Nils Sandrisser  15.06.2026

Abstimmung

Schweizer lehnen Bevölkerungsgrenze ab

Soll die Bevölkerung des Landes auf zehn Millionen Menschen begrenzt werden? Darüber sollten die Schweizer heute abstimmen

 14.06.2026

New York

Wie mein Junge das Essen lernte

Lange verzweifelte unser Autor an den Speisegewohnheiten seines Sohnes. Ein Jahr vor dessen Barmizwa unternimmt der Vater einen letzten Versuch: Gemeinsam begeben sie sich auf eine kulinarische Weltreise durch ihre Heimatstadt

von Hannes Stein  14.06.2026

Debatte

Soll die Bevölkerung in der Schweiz auf 10 Millionen begrenzt werden?

Ein Pro & Contra

von Jessie Katz, Zsolt Balkanyi-Guery  12.06.2026

Norwegen

Wenn die Sonne weder unter- noch aufgeht

Warum der Schabbat und manche Feiertage im hohen Norden eine Herausforderung sein können

von Elke Wittich  12.06.2026

Fußball

Fußball auf dem Appellplatz von Buchenwald

Seit der Europameisterschaft 2024 erinnert die Gedenkstätte Buchenwald im Internet an Fußballer, Funktionäre und Spiele im ehemaligen Konzentrationslager. Der Appellplatz war Spielstätte, Häftlinge konnten kurz dem Lageralltag entfliehen

von Matthias Thüsing  09.06.2026

WM 2026

Schweizer Fußball-Stars begeistern jüdische Kinder

Kinder und Jugendliche einer jüdischen Schule in San Diego haben mit der Schweizer Nationalmannschaft Fußball gespielt

von Nicole Dreyfus  09.06.2026

Daniel Jositsch, Zürcher SP-Ständerat, am letzten Donnerstag, dem Tag seines Austritts aus der Partei

Meinung

Daniel Jositsch und der Preis der Klarheit

Daniel Jositsch verlässt nach seiner Nichtnomination in den Ständerat die SP. Der Fall zeigt, wie eng der Raum für sozialliberale und proisraelische Stimmen in der Linken geworden ist, nicht nur in der Schweiz

von Zsolt Balkanyi-Guery  08.06.2026

Frankreich

Shosanna rennt weiter

»Inglourious Basterds«-Star Mélanie Laurent ist zurück – und nimmt in »Fauda 5« Rache

von Sophie Albers Ben Chamo  07.06.2026