Spanien

Hamas statt Tel Aviv

BDS-nah: Barcelonas linke Bürgermeisterin Ada Colau Foto: imago images/Lagencia

Nach der Corona-Pandemie hat auch in Katalonien der Tourismus wieder Fahrt aufgenommen, unter anderem dank der vielen israelischen Urlauber, die gern die Region und ihre Hauptstadt Barcelona besuchen. Die katalanische Unabhängigkeitsbewegung ist weiterhin aktiv, ebenso wie linke Gruppierungen, die einen Staat auf diesem Planeten ganz besonders hassen. Es ist weder der Iran noch Syrien, Nordkorea oder Russland – es ist Israel.

Ada Colau, die linke Bürgermeisterin von Barcelona, will vor den nächsten Wahlen im Herbst offenbar ein politisches Vermächtnis hinterlassen. Der Online-Zeitung »OK Diario« zufolge unterstützt sie eine Resolution der Organisation Coalición Basta Complicidad con Israel, mit der diese eine Annullierung der Städtepartnerschaftsvereinbarung zwischen Barcelona und Tel Aviv erreichen will. Dafür wurden nun Tausende Unterschriften gesammelt.

abstimmung Ursprünglich wollten Ada Colau und ihre Regierung den Stadtrat am 27. Januar, dem Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust, über den Antrag abstimmen lassen. Dann hieß es plötzlich, aus »administrativen Gründen« werde die Abstimmung auf Februar verschoben.

Der Antrag basiert auf falschen Anschuldigungen gegen Israel. Das Land verübe Verbrechen gegen das palästinensische Volk, heißt es darin. Neben der Bürgermeisterin unterstützen zwei Gewerkschaften den Antrag sowie die Observatori DESC, eine NGO, für die Ada Colau arbeitete, bevor sie Bürgermeisterin wurde, und die angibt, sich für Menschenrechte einzusetzen.

Im Jahr 1998 unterzeichnete Barcelona Städtepartnerschaftsabkommen mit Tel Aviv und mit Gaza, das heute von der Terrororganisation Hamas regiert wird. Letztere Vereinbarung wollen die linken Gruppierungen nicht antasten. Das Abkommen mit Tel Aviv wurde 2013 erneuert.

minderheiten Die spanisch-jüdische Dachorganisation Federación de Comunidades Judías (FCJE) ist entsetzt: »Alle jüdischen Gemeinden sehen mit Sorge, wie die Mitglieder unserer Community in Barcelona diese Kampagne erleben«, heißt es in einem offenen Brief an Colau. Barcelona müsse erlaubt werden, auch weiterhin »Brücken der Harmonie« zu bauen und mit allen Minderheiten sensibel umzugehen.

Die NGO Acción y Comunicación sobre Oriente Medio (ACOM) veröffentlichte ein Video, in dem es heißt, die Coalición Basta Complicidad con Israel verbreite Unwahrheiten über den jüdischen Staat, und warf der Bürgermeisterin vor, eine »Antisemitismus-Show« aufzuführen. Die Resolution, die dem Stadtrat von Barcelona vorgelegt werden solle, basiere »auf Berichten kollektiver Verteidiger des Terrorismus«. Colau sei »besessen von Israel und den Juden« und konzentriere sich jetzt »auf Tel Aviv, eine freie, kosmopolitische und offene Stadt«.

Glosse

Der Rest der Welt

Kamele an der Limmat oder wie Zürich mit Tradition umgeht

von Nicole Dreyfus  20.04.2026

Besuch

Milei ist in Israel, um die Botschaft in Jerusalem zu eröffnen

Der argentinische Präsident gilt als enger Verbündeter des jüdischen Staates, es ist sein dritter Besuch binnen zwei Jahren

 19.04.2026

Großbritannien

Weitere Synagoge in London angegriffen

Die Angriffe auf die jüdische Gemeinschaft in Großbritannien reißen nicht ab. Ein angeblicher Drohnenangriff auf die israelische Botschaft hat sich als Falschmeldung herausgestellt

 19.04.2026

Frankreich

Französisches Gericht: Antisemitismus kein Motiv für die Vergiftung jüdischer Familie durch Nanny

Ein Gericht in Versailles sieht Antisemitismus nicht als Motiv des Versuchs einer Nanny, ihre Arbeitgeber und deren Kinder zu vergiften

 19.04.2026

Spanien

Madrid ist raus

Premier Pedro Sánchez geriert sich und seine Anti-Israel-Politik seit dem 7. Oktober 2023 als vorbildlich. Das hat nun Folgen

von Michael Ludwig  19.04.2026

Iran

Iran macht Öffnung der Straße von Hormus rückgängig

Keine 24 Stunden nach der Zusage des Iran, die Straße von Hormus zu öffnen, wurde sie wieder zurückgenommen.

 19.04.2026

Frankreich

43 Jahre nach Anschlag auf jüdisches Lokal: Verdächtiger Palästinenser ausgeliefert

Der Anschlag auf das »Chez Jo Goldenberg« in der französischen Hauptstadt am 9. August 1982 erschütterte das Land und seine jüdische Gemeinschaft schwer

 17.04.2026

New York

Die Tiger der Tora

Einst feierten jüdische Fußballclubs in der Bronx das Leben, und sogar Marilyn Monroe kickte den Ball. Schwarz-weiße Erinnerungen zur Einstimmung auf die WM in den USA, Kanada und Mexiko

von Helmut Kuhn  16.04.2026

Ungarn

Wer ist Péter Magyar?

Viktor Orbán hat die Wahl verloren. Sein Nachfolger strebt weitreichende Veränderungen an. Doch bei vielen Themen setzt auch Magyar auf Kontinuität

von Michael Thaidigsmann  15.04.2026