USA

»Gutes Blut« sorgt für böses Blut

Eine Aussage von Donald Trump bei der Besichtigung eines Ford-Werkes in Michigan sorgte für Wirbel. Foto: imago images

US-Präsident Donald Trump steht nach einem Besuch in einer Fabrik des Autobauers Ford in Ypsilanti im Bundesstaat Michigan in der Kritik – und das nicht nur, weil er beim Rundgang offenbar keine Maske trug. In einer spontanen Bemerkung lobte Trump auch die »gute Abstammung« des amiterenden Ford-Chefs William Ford vom Unternehmensgründer Henry Ford – obwohl Letzterer zu Lebzeiten einer der führenden Antisemiten Amerikas war.

In Trumps Redemanuskript stand ursprünglich der Satz: »Die Firma, die von einem Mann namens Henry Ford gegründet wurde, tat sich mit der Firma zusammen, die von Thomas Edison gegründet wurde – General Electric.« Doch den zweiten Teil des Satzes unterschlug der Präsident. Stattdessen wandte er sich an den neben ihm stehenden Ford-Chef, einen Urenkel Henry Fords, mit den Worten: »Good bloodlines, good bloodlines [eine gute Abstammung, eine gute Abstammung]. Wenn Sie an so etwas glauben: Sie haben gutes Blut.«

EUGENIK Henry Ford (1863–1947) wurde nicht nur durch die Einführung der Fließbandproduktion und seine arbeitnehmerfreundliche Haltung weltberühmt. Er finanzierte auch die Verbreitung judenfeindlicher Propaganda durch Bücher und seine Zeitung »The Dearborn Independent«. Ford war fest von der Existenz einer jüdischen Weltverschwörung überzeugt. Noch Anfang der 40er-Jahre vertrat der Unternehmer öffentlich die Ansicht, der Zweite Weltkrieg sei von »jüdischen Bankiers« ausgelöst worden.

Die Anti-Defamation League (ADL), eine der führenden jüdischen Organisationen in den USA, forderte eine Entschuldigung von Trump für dessen Bemerkung. »Henry Ford war ein Antisemit und einer von Amerikas stärksten Befürwortern der Eugenik«, twitterte ADL-Geschäftsführer Jonathan Greenblatt. Falls Trump nicht wisse, für was er sich entschuldigen solle, so Greenblatt, möge er sich doch bitte die ADL-Dokumentation zum Antisemitismus im Amerika der 20er-Jahre zu Gemüte führen.

»DEUTSCHES BLUT« Auch wenn unklar ist, ob Trump über Fords Ansichten im Bilde war, war es nicht das erste Mal, dass er mit ähnlichen Bemerkungen Kritik und Empörung auslöste. Intelligenz sei für ihn auch eine Frage guter Gene, hatte er bereits mehrfach betont.

In der Vergangenheit hatte er auch »Stolz« bekundet, dass in seinen Adern »deutsches Blut« fließe. Trumps Großeltern väterlicherseits, Friedrich und Elisabeth Trump, waren Ende des 19. Jahrhunderts aus dem pfälzischen Kallstadt in die USA ausgewandert.

Kommentar

Wenn das kein Antisemitismus ist, was dann?

Ein Mann wollte in Zürich eine Synagoge in Brand stecken. Der Täter gestand die Attacke. Er kam vor Gericht. Nun wurde er freigesprochen

von Nicole Dreyfus  04.05.2026

Frankreich

Mit einer Prise Antisemitismus in den Elysée?

Mit 74 Jahren nimmt Linkspopulist Jean-Luc Mélenchon zum vierten Mal Anlauf auf das Präsidentenamt. Dabei operiert er gezielt mit antisemitischen und antiisraelischen Narrativen

von Michael Thaidigsmann  04.05.2026

Jubilar

Architektur als Zeichen der Hoffnung - Daniel Libeskind wird 80

Das Jüdische Museum Berlin, der Masterplan für Ground Zero in New York: Für den Amerikaner ist Bauen Teil der Erinnerungskultur

von Sigrid Hoff  04.05.2026

Howard Rossbach

Wanderer zwischen Ostküste und Oregon

Er ist Spross einer Familie bekannter Politiker und Bankiers. Doch seit 50 Jahren reüssiert der gebürtige New Yorker Howard Rossbach am anderen Ende Amerikas als Winzer. Ein Porträt

von Michael Thaidigsmann  04.05.2026

Italien

Nächstes Jahr in Palermo

Über Jahrhunderte war das Judentum fester Bestandteil Siziliens. Dann wurde es mehr als 500 Jahre lang dem Vergessen preisgegeben. Die Geschichte einer Wiederentdeckung

von Mark Feldon  04.05.2026

Großbritannien

Regierung erwägt Einschränkungen bei israelfeindlichen Demonstrationen

Premierminister Keir Starmer verweist auf eine zunehmende Bedrohungslage für jüdische Gemeinden im Land. Insbesondere Parolen wie »Globalize the Intifada« müssten geahndet werden

 04.05.2026

Glosse

Wie wird man ein anständiger Antisemit? Tipps und Tricks für Judenhasser

Eine Handreichung

von Daniel Neumann  03.05.2026

Meinung

Wir haben ein Problem – und wir müssen endlich darüber reden

Ein Weckruf über verfehlte Migration, ausländische Einflussnahme und das ohrenbetäubende Schweigen der »Progressiven«

von Jacques Abramowicz  02.05.2026

Großbritannien

Londoner Polizeichef: Beinahe »Pandemie« des Antisemitismus

Ein terroristisch motivierter Anschlag in den kommenden sechs Monaten gilt in der vierten von fünf Stufen nun als »sehr wahrscheinlich«

 01.05.2026