Ägypten

Grabschändung in Kairo

Unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen versammelt sich vergangene Woche eine Trauergemeinde in der Sha’ar-Hashamayim-Synagoge mitten in Kairo, um Carmen Weinstein, der Vorsitzenden der kleinen jüdischen Gemeinde Ägyptens, die letzte Ehre zu erweisen. Auch Gäste aus dem Ausland sind gekommen, unter ihnen amerikanische und israelische Diplomaten. Man trifft sich in einem Nebenraum der Synagoge; der Hauptraum bleibt auch an diesem Tag staubig und verlassen.

Müll Nach einigen Minuten der Andacht wird der Sarg zum jüdischen Friedhof im Stadtteil Bassatin gefahren. Jahrelang hatte sich Weinstein um die Rettung des Gräberfelds bemüht. Als die Wagenkolonne zum Friedhof einbiegt, wird ein Bild der Zerstörung sichtbar: herumliegende Steine, dazwischen Müll. Eine Reihe neuer Häuser ist so nah an den Friedhof herangerückt, dass Anwohner einzelne Grabsteine als Sitzplätze nutzen.

Die Trauergemeinde versammelt sich an einem offenen Grab, die Zeremonie findet in Eile statt. Neugierige Anwohner sitzen auf den Friedhofsmauern, nur mühsam werden sie von ein paar Polizisten ferngehalten. Die Trauernden legen Blumen auf das schlichte Sandgrab, zuletzt werden ein weißer Stein und ein Gesteck darauf platziert. Dann entfernt sich die Gemeinde wieder, Diplomaten steigen in gepanzerte Fahrzeuge, die Polizei zieht ihre Leute ab.

Keine zehn Minuten später strömen neugierige Anwohner heran und schleichen um das frische Grab. Frauen und Kinder ziehen Blumen heraus und schleifen das Gesteck zu ihrer Wohnung. Aus der Ferne dröhnt der Motor eines Baggers. Er schiebt riesige Steinbrocken vor den Eingang des Friedhofs und versiegelt ihn nun wieder. Ob es auch in Zukunft gelingt, die Gräber vor dem herannahenden Wohngebiet zu schützen, bleibt fraglich.

Großbritannien

»Telegraph«: BBC-Datenexperte offenbar israelfeindlicher Aktivist

Ein leitender KI-Fachmann des britischen Senders soll laut »Telegraph« einst wegen eines Al-Qaida-Handbuchs festgenommen worden sein. Die BBC sieht keinen Bezug zu seiner Arbeit

 18.10.2026

Tschechien

Herr Rambo mag es süß

Ein jüdischer Gastronom in Prag ist zum Instagram-Star aufgestiegen. Er verkauft »heimishe Trdelaich«, T-Shirts und Baseballcaps und erreicht mit seinen Sprüchen Hunderttausende

von Kilian Kirchgeßner  18.10.2026

Frankreich

Paris: Synagoge bei Ausschreitungen offenbar beschädigt

Videos in sozialen Netzwerken zeigen offenbar Verwüstungen in einer Synagoge im 19. Arrondissement. Verletzte wurden nicht gemeldet

 18.10.2026

München

Oberrabbiner Goldschmidt: »Wir können nicht immer wegrennen«

Jüdisches Leben in Europa hat eine Zukunft, aber nicht von allein. Dafür braucht es nach den Worten des Oberrabbiners Pinchas Goldschmidt Partner in den Regierungen und in der Zivilgesellschaft

von Barbara Just  16.10.2026

Großbritannien

Universität Bath sagt Seminar mit Hochschule in Gaza ab

Eine Dozentin hatte britische Studenten aufgefordert, palästinensische Darstellungen des Nahostkonflikts nicht infrage zu stellen. Die Universität entschuldigte sich für die Vorgaben.

von Nicole Dreyfus  15.10.2026

Statistik

Zahl antisemitischer Vorfälle in Österreich bleibt auf hohem Niveau

Der Ausnahmezustand sei zum Alltag geworden, beklagt eine Antisemitismus-Meldestelle in Österreich. Im ersten Halbjahr 2026 wurden erneut Hunderte einschlägige Fälle gezählt

 15.10.2026

»The Social Reckoning«

Empörungsköder

Der Whistleblower-Thriller zeigt die neue Weltordnung à la Facebook – und was Menschen nicht dagegen tun

von Sophie Albers Ben Chamo  15.10.2026

New York

Magische Juden

Handleser, Geisterbeschwörer, Wahrsager und Wunderheiler: Eine neue Ausstellung beleuchtet die Lust am Okkulten

von Eva C. Schweitzer  15.10.2026

Irland

Ausgerechnet eine Antisemitismuskonferenz fällt dem Judenhass zum Opfer

In Dublin fand eine Tagung von Antisemitismusbeauftragten und jüdischen Vertretern statt. Ein Hotel verweigerte die Unterbringung. Für Irlands Gemeindevorsitzenden zeigt das, wie Antisemitismus sich immer wieder neu manifestiert

von Maurice Cohen  14.10.2026