Ägypten

Grabschändung in Kairo

Unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen versammelt sich vergangene Woche eine Trauergemeinde in der Sha’ar-Hashamayim-Synagoge mitten in Kairo, um Carmen Weinstein, der Vorsitzenden der kleinen jüdischen Gemeinde Ägyptens, die letzte Ehre zu erweisen. Auch Gäste aus dem Ausland sind gekommen, unter ihnen amerikanische und israelische Diplomaten. Man trifft sich in einem Nebenraum der Synagoge; der Hauptraum bleibt auch an diesem Tag staubig und verlassen.

Müll Nach einigen Minuten der Andacht wird der Sarg zum jüdischen Friedhof im Stadtteil Bassatin gefahren. Jahrelang hatte sich Weinstein um die Rettung des Gräberfelds bemüht. Als die Wagenkolonne zum Friedhof einbiegt, wird ein Bild der Zerstörung sichtbar: herumliegende Steine, dazwischen Müll. Eine Reihe neuer Häuser ist so nah an den Friedhof herangerückt, dass Anwohner einzelne Grabsteine als Sitzplätze nutzen.

Die Trauergemeinde versammelt sich an einem offenen Grab, die Zeremonie findet in Eile statt. Neugierige Anwohner sitzen auf den Friedhofsmauern, nur mühsam werden sie von ein paar Polizisten ferngehalten. Die Trauernden legen Blumen auf das schlichte Sandgrab, zuletzt werden ein weißer Stein und ein Gesteck darauf platziert. Dann entfernt sich die Gemeinde wieder, Diplomaten steigen in gepanzerte Fahrzeuge, die Polizei zieht ihre Leute ab.

Keine zehn Minuten später strömen neugierige Anwohner heran und schleichen um das frische Grab. Frauen und Kinder ziehen Blumen heraus und schleifen das Gesteck zu ihrer Wohnung. Aus der Ferne dröhnt der Motor eines Baggers. Er schiebt riesige Steinbrocken vor den Eingang des Friedhofs und versiegelt ihn nun wieder. Ob es auch in Zukunft gelingt, die Gräber vor dem herannahenden Wohngebiet zu schützen, bleibt fraglich.

Bergen-Belsen

Holocaust-Überlebender Tomi Reichental gestorben

In Irland gehörte er zu den prominentesten Zeitzeugen des Holocaust. Tomi Reichental überlebte als Kind das KZ Bergen-Belsen. Jetzt ist er gestorben

von Karen Miether  01.06.2026

Jubiläum

Dichter und Bürgerschreck: Allen Ginsberg vor 100 Jahren geboren

Er lehnte sich gegen eine spießige und militarisierte Gesellschaft auf und propagierte ein ökologisches Bewusstsein: Der US-Dichter Allen Ginsberg war ein Pionier der »Beat-Generation«. Seine Visionen sind heute wieder aktuell

von Holger Spierig  01.06.2026

Erinnerung

Jugendliche im Anne Frank Haus in Amsterdam - Ein Besuch

Rund eine halbe Million Jugendliche aus aller Welt besuchen jährlich das Anne Frank Haus in Amsterdam. Was denken sie, wenn sie das Versteck sehen? Und was ist ihr Eindruck vom vielleicht bekanntesten Tagebuch der Welt?

von Nina Schmedding  01.06.2026

Nachruf

Edgar Morin gestorben: Stimme des kritischen Denkens verstummt

Der französische Philosoph, Soziologe und Publizist wurde 104 Jahre alt

 01.06.2026

Kulinarisch

Ein Michelin-Stern für die Safta

Tränen, Konfetti und ein Stück Geschichte: Das Restaurant »Mutra« des Israelis Raz Shabtai erhält als erstes koscheres Lokal weltweit die legendäre Auszeichnung

von Sabine Brandes  31.05.2026

Barcelona

Kein Saunazutritt mit Davidstern?

Zwei Jüdinnen soll der Zutritt zu einer LGBTQ-Sauna verweigert worden zu sein. Die Betroffenen haben Anzeige bei den zuständigen Behörden erstattet

 31.05.2026

Meinung

Fertig Idylle!

Am Mittwoch sticht in der Winterthurer Innenstadt ein Mann auf vorbeilaufende Passanten ein und schreit »Allahu Akbar« – ein Weckruf für die Schweiz

von Nicole Dreyfus  28.05.2026

Warnung

Steven Spielberg will keine KI nutzen

Der Filmemacher sieht einen Platz für KI in der Medizin und in der Forschung.

 28.05.2026

Interview

»Das ist nicht normal«

Regina Sluszny überlebte die Schoa, weil sie von katholischen Belgiern versteckt wurde. Angesichts des Strafverfahrens gegen Mohalim fragt sich die Vorsitzende des jüdischen Dachverbands FJO, ob es für Juden in Belgien noch eine Zukunft gibt

von Michael Thaidigsmann  27.05.2026