Brüssel

Gilad Schalit im EU-Parlament

»Ein Mitglied unserer europäischen Familie«: EU-Parlamentspräsident Jerzy Buzek über Gilad Schalit Foto: A. Moskovici

Am Montag vergangener Woche ahnte in Brüssel noch niemand etwas von der bevorstehenden Freilassung Gilad Schalits. Damals eröffnete EU-Parlamentspräsident Jerzy Buzek gemeinsam mit dem Knesset-Vorsitzenden Reuven Rivlin in den Räumen des Parlaments eine Ausstellung, die an das Schicksal von Gilad Schalit erinnern sollte. Am nächsten Tag verbreitete sich die Nachricht von der bevorstehenden Freilassung, offenbar ohne dass die Präsentation etwas damit zu tun gehabt hätte.

Erzählung Die Ausstellung, die inzwischen wieder abgebaut worden ist, beruhte auf einer Erzählung, die der junge Gilad im Alter von elf Jahren geschrieben hatte, und die in naiver Weise den Wunsch des Jungen nach Frieden zum Ausdruck brachte: Der kleine Fisch und der große Hai wollen nicht gegeneinander sein, sondern miteinander spielen, obwohl die Erwachsenen darauf bestehen, dass sie Feinde zu sein hätten. Am Ende setzen sich die zwei Freunde durch. Eine Galerie in Israel hatte die Geschichte aufgegriffen und sie von bekannten Illustratoren in Bilder umsetzen lassen. Die entstandene Ausstellung war eine rührende Mahnung daran geworden, dass das Schicksal des Autors nicht vergessen werden sollte.

EU-Parlamentspräsident Jerzy Buzek hatte bei der Eröffnung starke Worte gefunden: »Ich versichere euch, meine Freunde aus Israel, und der Familie von Gilad Schalit, dass wir ihn wie unseren eigenen Sohn und Enkel betrachten. Wir empfinden ihn als ein Mitglied unserer europäischen Familie.« Solche Solidarität an einem so wichtigen Ort ist selten geworden in einer Zeit, da die Boykottaufrufe gegen Israel fast täglich durch die Medien gehen.

Das Engagement hat sich gelohnt. Dass schon am Tag nach der Eröffnung der Schau die Nachricht von Schalits Freilassung kam, war keine Regiepanne, sondern das Tüpfelchen auf dem »i«.

Fußball

Als Bayern gegen Prag verlor

Vor 125 Jahren traf der FC Bayern bei seinem ersten Auslandsspiel auf den legendären DFC Prag – und unterlag 0:8. Nach dessen Auflösung 1938 geriet der jüdische Verein fast in Vergessenheit, doch seit einigen Jahren wird er von Enthusiasten wiederbelebt

von Kilian Kirchgeßner  11.01.2026

Armenien

Offene Arme in Jerewan

Juden finden in einer der ältesten Städte der Welt Sicherheit und Gemeinschaft. Ein Ortsbesuch

von Stephan Pramme  11.01.2026

Sport

»Absoluter Holocaust«: Fußball-Kommentator sorgt für Eklat

Der Ex-Torwart Shay Given hat die Amtszeit des Trainers Wilfried Nancy bei Celtic Glasgow mit dem industriellen Massenmord der Nationalsozialisten verglichen

 11.01.2026

Belgien

Außerhalb des Völkerrechts

Die belgische Regierung verweigert einer Staatsangehörigen die konsularische Betreuung, weil sie in einer von Brüssel nicht anerkannten israelischen Siedlung lebt

 09.01.2026

Alija

Sprunghafter Anstieg: Mehr Juden sagen Frankreich Adieu

2025 hat sich die Zahl der jüdischen Auswanderer nach Israel fast verdoppelt. Experten machen dafür vor allem den wachsenden Antisemitismus verantwortlich

 08.01.2026

Los Angeles

Sega-Mitgründer David Rosen im Alter von 95 Jahren gestorben

Der Unternehmer aus New York ging in den 1950ern nach Japan und importierte Fotoautomaten. Später folgten Flipper-Automaten und Jukeboxen

 08.01.2026

Meinung

Instrumentalisiertes Leid kennt keine Moral

Nach der Brandkatastrophe von Crans-Montana braucht es Mitgefühl und Respekt. Wer eine lokale Tragödie von existenzieller persönlicher Wucht für politische Deutungen missbraucht, handelt zynisch – und entwürdigt die Betroffenen.

von Nicole Dreyfus  08.01.2026

Interview

»Die ICZ gehört zu mir – und ich gehöre zu ihr«

Sie will Brücken bauen, ohne den Rahmen zu sprengen. Die neu gewählte ICZ-Präsidentin Noëmi van Gelder spricht über Tradition und Offenheit, über Sicherheit in bewegten Zeiten – und darüber, wie jüdisches Leben in Zürich sichtbar, stark und gemeinschaftlich bleiben kann

von Nicole Dreyfus  08.01.2026

Jerusalem

Gedenkstätte Yad Vashem verweigerte Selenskyj Rede

Kurz nach Kriegsbeginn in der Ukraine wollte Selenskyj in Yad Vashem sprechen. Aber durfte nicht. Der Gedenkstätten-Vorsitzende nennt nun dafür klare Gründe

 07.01.2026