Österreich

Gefühl der Bedrohung

Blumen und Kerzen an einem der Tatorte Foto: Stefan Schocher

Österreich

Gefühl der Bedrohung

Wiener Juden denken mit Bangen an den Terroranschlag vergangene Woche in der Innenstadt

von Stefan Schocher  12.11.2020 08:02 Uhr

Voll ist das Bermuda-Dreieck in Wien fast immer, wenn der Abend naht. Doch dieser Tage ist es still, trotz der vielen Menschen, die unterwegs sind. In der Seitenstettengasse, die an der Synagoge vorbei zum Kai hinabführt, sieht man die Tatortmarkierungen der Ermittler und ein Meer von Kerzen.

Ein paar Schritte weiter noch mehr Kerzen und Blumen – dort, wo Menschen ums Leben kamen, wo ein Mann am Montag vergangener Woche in Lokale feuerte.

gemeinde Zu Hunderten kommen Menschen, um Blumen, Kerzen oder auch Zeichnungen niederzulegen. »Die Bedrohung ist da«, sagt Michael, der in einem jüdischen Lokal arbeitet und seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Auch wenn nicht ganz klar sei, was oder wer genau das Ziel des Terrors war, so ist er überzeugt: Das war ein Anschlag auf die jüdische Gemeinde. »Wien ist so groß«, sagt er, »und es ist genau dort losgegangen – Zufall ist das nicht.«

Zu Hunderten kommen Menschen, um Blumen, Kerzen oder auch Zeichnungen niederzulegen.

Wäre das »Alef Alef« geöffnet gewesen, hätte alles »ganz anders ausgesehen«. Da hätte es dann nicht nur vier Opfer gegeben. Das jüdische Res­taurant neben der Synagoge am oberen Ende der Seitenstettengasse war an diesem Abend geschlossen.

Gegenüber dem »Alef Alef« betreibt Dorothy Singer ihre jüdische Buchhandlung. Sie sagt: »Das Ziel war klar − wenn man sich das Bewegungsprofil ansieht. Es war das ›Alef Alef‹ – und an der anderen Ecke bin ich.«

Wenn man in Wien möglichst viele Menschen in möglichst kurzer Zeit töten wolle, so gebe es andere Orte als die Seitenstettengasse, sagt Singer. Sie hegt eine Vermutung: Sollte der Täter im Juli mit seinen Kumpanen aus Deutschland den Ort ausgekundschaftet haben, so sei um die Tageszeit des Anschlags dort wohl sehr viel los gewesen, viel mehr jedenfalls als am Montag vergangener Woche.

Wachsamkeit Für die jüdische Gemeinde gilt nach wie vor: besser wachsam sein als nachlässig. Die meisten koscheren Supermärkte, Schulen und anderen Einrichtungen sind wieder geöffnet, ebenso die Büros der Kultusgemeinde. Noch in dieser Woche soll es Gespräche zwischen der Gemeinde und den Behörden geben, so Benjamin Nägele, der Generalsekretär der Israelitischen Kultusgemeinde. Man wolle die Sicherheitsmaßnahmen erneut evaluieren, sagt er.

Für die jüdische Gemeinde gilt nach wie vor: besser wachsam sein als nachlässig.

Zwischen dem Kerzenmeer geht David Meran, eine dicke Rolle Papier unter dem Arm. Er ist Künstler und Kunstpädagoge in einem Gymnasium. Im Unterricht hat er mit seinen Schülern über den Anschlag gesprochen. Eines der Themen auf den Bildern ist, dass Menschen ihre Wohnungen öffneten für Flüchtende, dass Taxifahrer unentgeltlich Leute nach Hause brachten und dass sich Menschen in große Gefahr brachten, um andere zu retten.

»Was auch immer der Täter im Sinn hatte«, sagt Meran, »er hat die ganze Gesellschaft dieses Landes getroffen.«

Birmingham

Ermittlungen gegen früheren Polizeichef wegen Ausschluss israelischer Fußballfans

Der Ausschluss von Anhängern des israelischen Fußballclubs Maccabi Tel Aviv bei dessen Auswärtsspiel im November vergangenen Jahres in Großbritannien hat ein Nachspiel

 28.08.2026

Social Media

Prozess: Mark Zuckerbergs Meta will knapp 17 Milliarden Dollar zahlen

Das historische Verfahren zwischen Tech-Gigant Meta und fast allen US-Bundesstaaten gilt rechtlich nur für die USA. Doch es könnte auch globale Auswirkungen haben

 28.08.2026

Vereinte Nationen

Generalsekretär Guterres: UN-Sonderberichterstatter »völlig außer Kontrolle« in Bezug auf Israel

Der scheidende UN-Generalsekretär António Guterres hat die extreme Einseitigkeit einiger UN-Sonderberichterstatter bezüglich des jüdischen Staates eingeräumt. Eine allgemeine Voreingenommenheit der UNO gegenüber Israel sieht er aber nicht

 28.08.2026

Antisemitismus

Ire in Frankreich verhaftet, nachdem er gedroht hatte, jüdisches Paar zu ermorden

Nachdem der Australier und seine Frau aus dem Tunesien-Urlaub zurück waren, gingen sie zur Polizei

 27.08.2026

Basel

Herzl im Casino

Das Konzerthaus feiert in diesem Jahr seinen 200. Geburtstag – es ist auch ein jüdisches Jubiläum

von Peter Bollag  27.08.2026

Meinung

Stoßdämpfer der Demokratie

In Basel wird bei einer Demonstration zum »Tod des Zionismus« aufgerufen. Die Behörden verweisen auf hohe juristische Hürden, eine eidgenössische Kommission auf eine komplexe Lage. Beides trifft zu. Beides reicht nicht aus.

von Zsolt Balkanyi-Guery  27.08.2026

Schweiz

Gewalt-Demo gegen Israel in Basel verboten

Die Polizei hält die geplante Anti-Israel-Demo, bei der die Organisatoren »Tod dem Zionismus« wünschen, für nicht bewilligungsfähig

von Nicole Dreyfus  27.08.2026

Schweiz

Das sind die beliebtesten Vornamen für neugeborene Jungen und Mädchen

Eine neue Rangliste des Bundesamts für Statistik gibt Aufschluss

von Nicole Dreyfus  27.08.2026 Aktualisiert

Mythos

Wie lange Haare ikonografisch wurden - vom biblischen Samson zum norwegischen Haaland

Seine blonde Mähne wurde zu seinem Markenzeichen - ebenso wie seine reichlichen Tore. Nun hat der norwegische Stürmer Erling Haaland sich die Haare abrasiert. Verliert er damit seine Macht? Vorbilder legen das nahe

von Johannes Peter Senk  26.08.2026