Monarchie

»Gebete für den neuen König«

Marie van der Zyl Foto: Board of Deputies of British Jews

Monarchie

»Gebete für den neuen König«

Marie van der Zyl über die Krönung Charles’ III. und sein Verhältnis zu den Juden des Landes

von Daniel Zylbersztajn-Lewandowski  04.05.2023 09:37 Uhr

Frau van der Zyl, wie werden die Jüdinnen und Juden im Vereinigten Königreich die Krönung von Charles erleben?
Das ist schwer auf den Punkt zu bringen, denn die britisch-jüdische Gemeinschaft mit ihren etwa 300.000 Personen, die sich offen als jüdisch identifizieren, ist groß und vielschichtig. Jene, die den Schabbat halten und in die Synagoge gehen, werden Gebete für den neuen König sprechen. Andere werden die Zeremonie – so wie viele in der Bevölkerung – im Fernsehen verfolgen.

Welche Rolle spielt die Monarchie für den Board of Deputies of British Jews, den jüdischen Dachverband des Landes?
Der König und die königliche Familie sind der Grund, warum wir existieren. Einst wurden sieben Deputanten vom Ältestenrat der sefardischen Gemeinde gebeten, ein Komitee zu gründen, um George III. bei seiner Thronbesteigung 1760 zu ehren. Diese Rolle führen wir bis heute mit Charles III. weiter. Als Prince of Wales entwickelte und pflegte Charles eine wundervolle Beziehung zu den Juden des Landes. Er ehrte uns mit seiner Anwesenheit als Ehrengast zu unserem 250. Jubiläum. 2019 bat er uns, ihm bei einem Empfang der jüdischen Gemeinschaft im Bu­ckingham Palace behilflich zu sein.

Gemeinsam mit anderen jüdischen Vertretern haben Sie dem König einen besonderen Segensspruch für die Krönung übergeben. Was fühlten Sie in dem Moment?
Diese Audienz war ein großes Privileg. Der Board of Deputies ist einer der wenigen »privileged bodies«, was bedeutet, dass wir uns persönlich an den Souverän wenden dürfen. Der König reicht jüdischen und anderen Religionsgemeinschaften die Hand und hat uns in den Buckingham Palace eingeladen. Er hat zugesichert, dass er König für uns alle sein will.

Sind die Rechte von Juden im Vereinigten Königreich unter König Charles III. besonders gut gewährleistet?
Als Prinz hat Charles immer wieder von seinem Vorhaben gesprochen, König für alle Glaubensrichtungen zu sein. Er war ein Verfechter interreligiöser Beziehungen. Charles war sowohl Freund als auch Verbündeter der jüdischen Gemeinschaft. Ich habe keinen Zweifel daran, dass er ein wunderbarer König für die jüdische Gemeinschaft sein wird.

Worauf freuen Sie sich persönlich an diesem Krönungswochenende?
Ich freue mich darauf und fühle mich privilegiert, zur Krönung eingeladen zu sein als Vertreterin der jüdischen Gemeinschaft des Vereinigten Königreichs. Auch unser Oberrabbiner und die ehemalige Geschäftsführerin des Board of Deputies, Baronin Merron, werden Anteil an der Krönungszeremonie haben. Für mich selbst könnte es kein höheres Maß an Begeisterung geben.

Mit der Präsidentin des Board of Deputies of British Jews sprach Daniel Zylbersztajn-Lewandowski.

Spanien

Grabschändung in Barcelona - Bürgermeister verurteilt die Tat

Die Stadt und das israelische Außenministerium reagieren mit scharfer Kritik

 25.01.2026

Georgien

Zwischen Tel Aviv und Tiflis

In Israel geboren, kaukasische Wurzeln und in Mailand entdeckt: Tammy Aligo ist als Top-Model überall zu Hause

von Mikheil Khachidze  25.01.2026

Gespräch

»Israel ist stark und schützt uns«

Kommende Woche wird sie im Bundestag die Rede zum Holocaust-Gedenktag halten. Gemeinsam mit ihrem Enkel Aron Goodman spricht Tova Friedman im Interview über ihre Sicht auf Deutschland - und ihre Aktivitäten auf TikTok

von Michael Thaidigsmann  23.01.2026

Studien

Trauma, Resilienz und Lebenswille: Warum manche Schoa-Überlebende so alt werden

Die Forschung ist einem bemerkenswerten Phänomen auf der Spur: Viele Überlebende des Holocausts werden auffallend alt

 23.01.2026

Der diesjährige Lerntag "Jom Ijun" findet am 1. Februar im Gemeindezentrum der ICZ in Zürich statt.

Interview

»Wir sind in der kleinen jüdischen Welt einsam«

Der diesjährige Lerntag »Jom Ijun« beleuchtet das innerjüdische Spannungsfeld zwischen Gemeinschaft und Individualismus. Warum auch der jüdische Diskurs davon betroffen ist, erklären die Organisatoren Ron Caneel und Ehud Landau im Gespräch

von Nicole Dreyfus  22.01.2026

USA

Ein Stück Heimat

1943 gründeten Flüchtlinge aus Europa einen Stammtisch in New York. Mehr als acht Jahrzehnte war er eine Institution. Mit dem Tod einer der letzten Überlebenden aus dieser Zeit endet eine Ära

von Heidi Friedrich  22.01.2026

Bosnien

Unsichere Zukunft auf dem Balkan

Die kleine jüdische Gemeinde von Sarajevo erlebt gerade schwierige Zeiten. Ein Ortsbesuch

von Peter Bollag  22.01.2026

Ukraine

Die Kältefolter

Rund drei Stunden mit Licht und Wärme, gefolgt von etwa zehn Stunden ohne: So sieht heute der Alltag – oder vielmehr der Überlebenskampf – der meisten Kyiver aus

von Michael Gold  21.01.2026

Entscheidung

Noam Bettan startet beim ESC für Israel

Mehrere Länder boykottieren wegen Israels Teilnahme den Eurovision Song Contest 2026. Jetzt wurde entschieden, wer für das Land in diesem Jahr bei dem Musikwettbewerb an den Start geht

von Cindy Riechau  21.01.2026