Belgien

»Gaza gleich Auschwitz«-Karikatur gewinnt Wettbewerb

Löste Empörung aus: Gaza-Karikatur des Zeichners GAL Foto: Screenshot

Belgien

»Gaza gleich Auschwitz«-Karikatur gewinnt Wettbewerb

Der erste Preis des Press-Cartoon-Belgium-Wettbewerbs ging in diesem Jahr an eine Zeichnung einer Landkarte, in der die Umrisse des Eingangstores von Birkenau auf die des Gazastreifens gelegt sind

von Michael Thaidigsmann  07.07.2025 09:06 Uhr Aktualisiert

Bei einem Karikaturenwettbewerb in Belgien hat eine Zeichnung den ersten Preis gewonnen, mit der die Situation im Gazastreifen mit dem NS-Vernichtungslager Auschwitz gleichgesetzt wird.

Die Karikatur »Gazastrook« des 85-jährigen Gérard Alsteens, der den Künstlernamen »GAL« trägt und als Nestor der belgischen Zeitungskarikaturisten gilt, zeigt eine Landkarte von Israel, auf der die Umrisse des Eingangstores von Auschwitz-Birkenau über die palästinensische Küstenenklave gelegt sind. Der Cartoon gewann gemeinsam mit einer anderen Zeichnung den ersten Preis der diesjährigen Ausgabe des Wettbewerbs Press Cartoon Belgium.

Die Jury begründete ihre Entscheidung mit den Worten: »Die Zeichnung von GAL prangert die schreckliche Situation in Gaza an, wo jeden Tag Unschuldige von der israelischen Armee ermordet werden. Genauso wie es die Deutschen während des Zweiten Weltkriegs mit den Juden in ihren Konzentrationslagern getan haben. Auch wenn dieser Vergleich heftige Kontroversen auslösen kann und technisch nicht zu 100 Prozent korrekt ist, legt er doch den Finger in eine offene Wunde und gibt Anlass zum Nachdenken.«

Weiter hieß es zur Begründung: »Indem er einen Vergleich zieht zwischen dem, was die Deutschen den Juden angetan haben, und dem, was Israel heute den Palästinensern antut, unterstreicht GAL auch das kollektive Trauma, das von den Juden auf die Palästinenser übertragen wurde. Die grafische Umsetzung der Zeichnung ist komplex und naiv zugleich, wie eine Karte, die in einer Schule aufgehängt werden könnte, um zu zeigen, was dem palästinensischen Volk angetan wurde.« Die Karikatur wurde bereits im Januar 2024 im flämischen Magazin »Knack« veröffentlicht.

»Missbrauch des Andenkens an die Opfer des Holocaust«

Das in Brüssel ansässige Institut Jonathas zeigte sich empört und forderte die Verantwortlichen auf, den Preis an Alsteens zurückzuziehen und »sich bei allen Nachkommen der Opfer des Holocaust zu entschuldigen«.

Die Karikatur stelle »eine direkte und explizite Gleichsetzung zwischen dem nationalsozialistischen Regime der industriellen Vernichtung der europäischen Juden und dem aktuellen Krieg zwischen der Hamas und Israel her«, so die Einrichtung, die sich den Kampf gegen Antisemitismus auf die Fahnen geschrieben hat. Das Institut sprach von einer »unerträglichen Verharmlosung und Banalisierung des Holocaust«.

Lesen Sie auch

Dass eine solche Zeichnung zur »Karikatur des Jahres« gekürt werde, sage viel über die moralische Blindheit einer Teils der Medien aus. »Diese Geste hat nichts mit Meinungsfreiheit zu tun: Es handelt sich um einen Missbrauch, der das Andenken an die Opfer des Holocaust in offensichtlicher Missachtung der ihnen gebührenden Achtung instrumentalisiert, um den jüdischen Staat zu delegitimieren.«

Kommentar

Wie Holger Friedrich und seine »Berliner Zeitung« Juden instrumentalisieren

Ob in der Debatte über den Umgang mit KI oder Kreml-Diktator Wladimir Putin: Der Verleger interessiert sich nur dann für Juden, wenn es seinen Interessen dient

von Matthias Meisner  19.06.2026

St. Petersburg

Im Licht der Weißen Nächte

Die Mitternachtsdämmerung des Nordens weckt Erinnerungen an Märchen und führt unseren Autor zurück in seine Kindheit im damaligen Leningrad

von Vladimir Vertlib  18.06.2026

Schweiz

Jugendlicher plante Blutbad

Der Prozess gegen einen Schüler, der einen Juden in Zürich töten wollte, beginnt am 1. Juli. Die Anklageschrift zeichnet das Bild eines sich früh radikalisierenden Jugendlichen

von Nicole Dreyfus  18.06.2026

USA

Nach antisemitischer Bewerbung: Rechtsextreme feiern Cornell-Studenten

Der 19-jährige Austin Franco wird für ein Praktikum von einem Softwareunternehmen der Brüder Gabe und Aiden Einhorn angenommen. Doch dann schreibt er, er sei »nicht daran interessiert, für einen Juden zu arbeiten«

 18.06.2026

Belarus

Antisemitische Ausfälle aus Minsk

Ein Interview des belarussischen Machthabers Alexander Lukaschenko belastet das bilaterale Verhältnis mit Israel

von Alexander Friedman  17.06.2026

Bonn/Berlin

»Habt keine Angst«: Zeitzeuge Marian Turski vor 100 Jahren geboren

Er gehörte zu den bekanntesten Schoa-Überlebenden. Seine Worte ermutigen viele Menschen auch über seinen Tod im Jahr 2025 hinaus. Zum 100. Geburtstag blickt ein Freund Turskis auf die Zukunft des Erinnerns

 16.06.2026

Interview

»Mir wurde immer wieder vorgeworfen, ich sei zu proisraelisch«

Der Schweizer Politiker und Ständerat Daniel Jositsch über die wahren Gründe für seinen Austritt aus der SP, postkoloniale Irrwege und den Antisemitismus innerhalb der Linken

von Nicole Dreyfus  16.06.2026

Albanien

Flamingos gegen Kushner

In Tirana wächst der Widerstand gegen einen Inselverkauf. Präsident Edi Rama wirft den Demonstranten Antisemitismus vor. Zu Recht?

von Adelheid Wölfl  16.06.2026

Großbritannien

Einstufung von Palestine Action als Terrorgruppe ist rechtens

Ein Berufungsgericht in London hat der Regierung von Premier Keir Starmer Recht gegeben und das Verbot der militant antiisraelischen Gruppierung bestätigt

 15.06.2026