Interview

Fünf Minuten mit ...

Herr Luzon, was bedeutet die libysche Revolution für Juden im Exil?
Wir hatten 42 Jahre lang keinen Ansprechpartner für unsere Bitten. Das wird sich jetzt ändern. Nach 1.600 Jahren jüdischen Lebens in Libyen sind wir 1967 vertrieben worden. Man hat uns unser Land und Vermögen weggenommen. Während der vielen Jahre, in denen ich für die libyschen Exil-Juden aktiv bin, konnte ich in dieser Richtung nichts erreichen. Diktator Muammar al-Gaddafi machte immer nur Versprechungen, doch getan hat sich nichts. Jeder Wechsel jetzt ist für uns ein Fortschritt.

Der Nationale Übergangsrat Libyens hat Sie eingeladen, sich am politischen Diskurs in Ihrem Geburtsland zu beteiligen. Was halten Sie von dem Angebot?
Das stimmt, mich haben kürzlich in meinem Haus in London zwei Vertreter der Libyschen Demokratischen Partei besucht. Das ist zurzeit die wichtigste Partei des Landes. Ihre Mitglieder wollen der Welt zeigen, dass sie wirklich demokratisch sind und eine freie Gesellschaft aufbauen möchten. Die beiden haben mich gebeten, für den siebenköpfigen Parteivorstand zu kandidieren. Er soll aus zwei Frauen, zwei Berbern, zwei Arabern und einem Juden bestehen.

Was haben Sie den Männern geantwortet?
Ich habe zugesagt – unter der Bedingung, dass sie tatsächlich ein freies und demokratisches Libyen aufbauen.

Das heißt, Sie kehren nach Libyen zurück?
Ja. Allerdings werde ich genau beobachten, ob tatsächlich freie Wahlen vorbereitet werden. Wenn nicht, ziehe ich mich zurück.

Wären Sie, wenn Ihre Partei die Parlamentswahlen gewinnt, bereit, ein Regierungsamt zu übernehmen?
Ja. Ich würde mich nicht dagegen sträuben.

Was stünde auf Ihrer Agenda ganz oben?
Ich will mich dafür einsetzen, dass meine völlig zerstörte Geburtsstadt Benghasi wiederaufgebaut wird und dass die Juden, die Libyen vor mehr als 40 Jahren verlassen mussten, ihre Häuser und Grundstücke zurückbekommen.

Könnte Libyen zu einem Nest für radikale Islamisten werden?
Nein. Der Islam in Libyen ist sehr gemäßigt. Die Menschen dort lieben das Leben. Außerdem kann ich mir nicht vorstellen, dass der Westen, der so viel Geld in die Freiheit der Libyer investiert hat, es zulassen würde, dass das Land nun extremistisch wird.

Was bedeutet die Revolution in Libyen für Israel?
Libyen hat so viel zu bieten: eine lange Geschichte, bedeutende archäologische Stätten und wunderschöne Strände. Das Land muss sich öffnen für Besucher aus aller Welt, auch für Israelis. Aber ich kann verstehen, dass sie nicht sofort kommen, sondern erst in zwei, drei Jahren oder noch später.

Glauben Sie, dass es in Libyen bald wieder eine jüdische Gemeinde geben wird?
Dafür will ich mich einsetzen, das ist eines meiner Ziele. Wenn wir bewiesen haben, dass wir eine Demokratie sind und sich jeder in Libyen sicher fühlen kann, dann werden auch Juden kommen. Vielleicht werden sie sich nicht für immer im Land niederlassen, aber zumindest für eine gewisse Zeit. Da bin ich mir ganz sicher.

Mit dem Europa-Direktor der World Organization of Jews of Libya sprach Tobias Kühn.

Frankreich

43 Jahre nach Anschlag auf jüdisches Lokal: Verdächtiger Palästinenser ausgeliefert

Der Anschlag auf das »Chez Jo Goldenberg« in der französischen Hauptstadt am 9. August 1982 erschütterte das Land und seine jüdische Gemeinschaft schwer

 17.04.2026

New York

Die Tiger der Tora

Einst feierten jüdische Fußballclubs in der Bronx das Leben, und sogar Marilyn Monroe kickte den Ball. Schwarz-weiße Erinnerungen zur Einstimmung auf die WM in den USA, Kanada und Mexiko

von Helmut Kuhn  16.04.2026

Ungarn

Wer ist Péter Magyar?

Viktor Orbán hat die Wahl verloren. Sein Nachfolger strebt weitreichende Veränderungen an. Doch bei vielen Themen setzt auch Magyar auf Kontinuität

von Michael Thaidigsmann  15.04.2026

Rom

Auch die »Trump-Flüsterin« Meloni fällt in Ungnade

Eigentlich gilt Italiens Ministerpräsidentin Meloni als Politikerin mit gutem Draht zu US-Präsident Trump. Nun attackiert er sie scharf. Der Schlagabtausch könnte für Meloni jedoch von Nutzen sein

von Robert Messer  15.04.2026

Statistik

Knapp 111.000 Holocaustüberlebende leben in Israel

Sie sind alt und sie werden weniger: Heute leben noch etwa 111.000 Holocaustüberlebende in Israel. Fast ein Drittel von ihnen ist über 90 Jahre alt, fast zwei Drittel von ihnen sind Frauen

 15.04.2026

München/Budapest

Europäische Rabbiner gratulieren Magyar zum Wahlsieg in Ungarn

»Das ungarische Volk hat eine klare Entscheidung für Demokratie, für Erneuerung und für ein zukunftsorientiertes Ungarn getroffen«, sagt Oberrabbiner Pinchas Goldschmidt

 15.04.2026

Polen

Rechtsradikaler Politiker schockiert mit israelischer Hakenkreuzfahne

Am Holocaustgedenktag warf Konrad Berkowicz Israel im Sejm vor, das neue Dritte Reich zu sein

 14.04.2026

Warschau

Absage an Antisemitismus: Polnische Bischöfe besuchen Synagogen

Vor 40 Jahren umarmte Papst Johannes Paul II. in Roms Hauptsynagoge den dortigen Oberrabbiner. In Polen erinnern nun Bischöfe an diesen Meilenstein in den katholisch-jüdischen Beziehungen. Es gibt aber auch Misstöne

von Oliver Hinz  14.04.2026

Nordmazedonien

Brandanschlag auf Synagoge in Skopje

Zwei bislang unbekannte Täter verschafften sich Zugang zum Eingangsbereich des Gotteshauses und versuchten, ihn in Brand zu setzen

von Nicole Dreyfus  14.04.2026 Aktualisiert