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Frag den »Bitcoin-Rabbi«

»Sind Bitcoins koscher?«: Rabbiner Caras Foto: Privat

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Frag den »Bitcoin-Rabbi«

Der Chabad-Rabbiner Michael Caras klärt Kinder und Erwachsene über die Kryptowährung auf

von Jérôme Lombard  10.08.2021 10:21 Uhr

Ist die Kryptowährung Bitcoin koscher? Wenn man im Internet auf diese Frage eine Antwort sucht, stößt man schnell auf diverse Beiträge, deren Autoren unterschiedliche Meinungen äußern. Michael Caras kennt die Debatte nur allzu gut. Der 31-Jährige hat für sich persönlich entschieden: Bitcoin und Judentum – das passt zusammen.

Der orthodoxe Rabbiner ist von der weltweit ältesten und größten Kryptowährung begeistert. Er sagt: »Als ich verstanden hatte, wie das Ganze funktioniert und warum es funktioniert, war ich sofort verliebt.« Die Faszination und das Wissen, das sich Caras über die Jahre hinweg zu den Themen Bitcoin, Blockchain und Kryptowährung angeeignet hat, gibt der selbst ernannte »Bitcoin Rabbi« gern weiter.

twitter Caras’ Twitter-Account, auf dem er über neue Entwicklungen zur Kryptowährung schreibt, folgen aktuell mehr als 18.000 User – darunter auch viele Interessierte aus der jüdischen Community. »Ich genieße es, mich mit meinen beiden Gemeinschaften über Twitter zu verbinden, sowohl mit jüdischem Twitter als auch mit Bitcoin-Twitter«, sagt Caras.

https://twitter.com/thebitcoinrabbi/status/1123645954379472897

Nicht selten würde er über seinen Krypto-Aktivismus Menschen erreichen, die jüdisch sind, aber mit Religion und Tradition nicht viel am Hut haben. »Da sie eine Art Verbindung mit mir durch Bitcoin-Twitter fühlen, ist es für sie auch in Ordnung, wenn ich ihnen Informationen gebe, ohne sie dabei zu belehren.«

Caras hat Jüdisches Recht und Ethik an der Yeshiva Ohr Tmimim in Kfar Chabad in Israel studiert. In Albany im Bundesstaat New York unterrichtet der Krypto-Fan Judentum und Technologie an der »Maimonides Hebrew Day School«. Menschen über Bitcoin und die Funktionsweisen der Digitalwährung ohne Scheine und Münzen aufzuklären, hat sich der umtriebige Rabbiner zu einer Lebensaufgabe gemacht.

vor- und nachteile 2019 erschien sein Buch A Tale of Bitville Discovering Good Money. In dem gänzlich säkular gehaltenen Band, der inzwischen auch in deutscher Übersetzung (Bitcoingeld: Eine Geschichte über die Entdeckung von gutem Geld in Bitdorf) und anderen Sprachen vorliegt, erkunden Kinder verschiedene Tauschmittel und ihre Vor- und Nachteile. Im Zentrum steht – wie sollte es auch anders sein – die Beantwortung der Frage: »Warum Bitcoin?«

Dass Kinder die Protagonisten sind, ist nicht verwunderlich: Das von Caras illus­trierte Buch richtet sich in erster Linie an junge Leser. Sie schon früh an das Thema Bitcoin heranzuführen, war für den Autor auch der Anlass zum Schreiben des Buches. Caras hat selbst fünf Kinder, denen er die Welt des virtuellen Geldes näherbringen möchte. Aber auch interessierten Erwachsenen bietet sein Buch spannende Einblicke in die Welt der Kryptowährungen. Denn die ist für den Laien wahrlich nicht leicht zu durchschauen.

Gestartet ist Bitcoin 2008/09 aus der Idee heraus, eine virtuelle Bezahlungsmöglichkeit unabhängig von der Kontrolle durch Banken oder Staaten zu schaffen. Daher auch der Name. »Bit« steht für eine digitale Speichereinheit, »Coin« ist der englische Begriff für Münze. Bei Bitcoin, wie bei allen anderen Kryptowährungen auch, geht es also in erster Linie darum, eine digitale Währung zu erschaffen, die strikt verschlüsselt, nicht zu manipulieren ist und von jedermann genutzt werden kann. Wem das kryptisch vorkommt, dem sei das Buch von Caras ans Herz gelegt.

jewish crypto chat Fragen wie »Kann ich meine jüdische Hochzeit mit Bitcoin bezahlen?« werden in dem Buch freilich nicht abgehandelt. Diese beantwortet der Rabbiner über Twitter oder die WhatsApp-Gruppe »Jewish Crypto Chat«, in der er aktiv mitschreibt.

»Das Judentum hat viele rechtliche Rahmenbedingungen für die Verwendung von Geld«, sagt Caras. Eine jüdische Hochzeit etwa sei eine Transaktion. »Der Bräutigam steckt seiner Braut einen Ring an den Finger, weil er ihr etwas Wertvolles unter der Chuppa geben muss.«

Womöglich werden in Zukunft statt der Eheringe ja Bitcoins miteinander getauscht. Der »Bitcoin Rabbi« hätte sicherlich nichts dagegen.

Bonn/Berlin

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