Australien

Faktencheck zum Terroranschlag in Sydney

Polizeiwagen in Bondi Beach Foto: picture alliance / Xinhua News Agency

Die Unwissenheit kurz nach Terroranschlägen sorgt immer wieder für die Verbreitung von Verschwörungserzählungen. Nach dem Angriff auf ein jüdisches Fest in Sydney mit bisher 16 Toten werden in sozialen Netzwerken Behauptungen geteilt, die sich unter anderem um den Namen eines Helden, ein angebliches Freudenfeuerwerk von Muslimen und eine vermeintliche Verwicklung des israelischen Auslandsgeheimdienstes Mossad drehen.

Ungewöhnlich sind solche Fakes für Experten nicht: »Es ist viel einfacher, falsche Informationen zu verbreiten, als darauf zu warten, dass zuverlässige Quellen darüber berichten«, sagt Nathan Ruser, Analyst am Australian Strategic Policy Institute, aktuell der australischen Zeitung »Financial Review«. Was wirklich stimmt, klärt dieser Faktencheck.

Behauptung: Held von Sydney hat keinen arabischen Namen

Das ist falsch. Während des Angriffs zeichnete sich der Passant Ahmed Al Ahmed durch außergewöhnliche Zivilcourage aus. In Videos in sozialen Medien - millionenfach geklickt - ist zu sehen, wie der Familienvater einen der beiden Täter überrascht, von hinten angreift und entwaffnet. Der 43-jährige Muslim ist Angaben von Verwandten zufolge ein Ladenbesitzer, dessen Familie ursprünglich aus Syrien stammt. Al Ahmed, der die australische Staatsbürgerschaft besitzt, erlitt Schusswunden an der Schulter.

In sozialen Netzwerken verbreitete sich jedoch die Meldung, der Held vom Bondi Beach heiße in Wirklichkeit Edward Crabtree, habe also keinen arabischen Namen. Diese Behauptung geht auf eine gezielt gestaltete Fake-Webseite zurück, die dem australischen Jugendnachrichtenportal »The Daily Aus« nachempfunden ist. Der KI-Chatbot Grok auf der Plattform X bezog sich offenbar zunächst auf diesen Fake und verbreitete fälschlicherweise, ein Mann namens Edward Crabtree habe den Täter entwaffnet. Später korrigierte sich der Chatbot.

Behauptung: Muslime zünden ein Freudenfeuerwerk 

Für die oft geteilte Behauptung, Muslime in Sydney hätten den verheerenden Anschlag mit einem großen abendlichen Feuerwerk gefeiert, finden sich keine Belege.

Es hat tatsächlich ein Feuerwerk am Abend des Anschlagtages gegeben - allerdings bei einem weihnachtlichen Nachbarschaftsfest des Rotary Club im Vorort Padstow rund 30 Minuten Autofahrt von Bondi Beach entfernt. Am dritten Advent hatte der Club in den dortigen Playford Park eingeladen.

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Die ersten Schüsse auf das jüdische Chanukka-Fest in Bondi Beach fielen gegen 19 Uhr australischer Zeit. Das Fest in Padstow hatte bereits gegen 18 Uhr begonnen. Ein Rotary Club ist weltweit ein Zusammenschluss von Berufstätigen, die sich ehrenamtlich für humanitäre Hilfe, Frieden und Völkerverständigung engagieren.

Behauptung: Israel selbst soll hinter der Tat stecken

Keine belastbaren Beweise gibt es auch für in sozialen Netzwerken verbreitete Verschwörungsmythen: In Beiträgen auf den Plattformen X und Reddit macht etwa die Runde, der Anschlag sei eine von Israel oder dem Geheimdienst Mossad inszenierte Operation unter falscher Flagge gewesen mit dem Ziel, internationale Sympathie für Israel zu erzeugen. Dabei seien israelische Soldaten angeblich als Täter und Schauspieler als Opfer eingesetzt worden.

Die Ermittlungsbehörden stuften die tödliche Attacke am Bondi Beach als antisemitischen Terroranschlag ein. Die kursierenden Behauptungen beruhen unter anderem auf unbelegten Spekulationen und der gezielten Verwendung bekannter antisemitischer Verschwörungsnarrative, die nach Gewalttaten gegen jüdische Einrichtungen regelmäßig auftreten. dpa

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