Niederlande

Eröffnung im Herbst 2022

Computersimulation des neuen Museums

Im Herbst 2022 soll das neue Nationaal Holocaust Museum in Amsterdam endlich seine Türen öffnen. Dass es nach mehr als dreijähriger Vorbereitung nun ernst wird, liegt nicht zuletzt an den vier Millionen Euro, mit denen die deutsche Regierung die Gedenkstätte unterstützen wird.

Die entsprechende Ankündigung von Bundes­außenminister Heiko Maas kam vor einigen Wochen durchaus überraschend: Emile Schrijver, Direktor des Amsterdamer Joods Cultureel Kwartier, sagte, man habe auf eine Million aus Berlin gehofft. 21 der benötigten 27 Millionen Euro sind damit gesichert, der Rest soll bis Mitte des Jahres folgen.

umbau Beim niederländischen Holocaust-Muse­um handelt es sich nicht um einen Neu-, sondern um einen Umbau zweier bestehender Gedenkstätten im ehemaligen jü­dischen Viertel der Stadt: das einstige Theater Hollandsche Schouwburg, unter deutscher Besetzung eine Sammelstelle für Juden vor ihrer Deportation in die Konzentrationslager, und die gegenüber gelegene frühere Pädagogik-Schule, die an einen jüdischen Kindergarten grenzte.

Wenn die Straßenbahn an der Haltestelle dazwischen stoppte, wurden rund 600 Kinder außer Sicht der Deutschen in die Schule und von dort in Verstecke gebracht. Elend und Hoffnung nur durch eine Straße getrennt – auf dieses räumliche Spannungsfeld baut das Konzept des Museums auf.

Während an dessen Details nun gefeilt wird, ist die optische Grundausrichtung bereits deutlich: Anders als die meisten Schoa-Museen, »die in Anthrazit-Grau oder Schwarz« gehalten sind, will man in Amsterdam »kein schwarzes Gebäude und auch kein schwarzes Interieur«, so Direktor Schrijver. »Die Judenverfolgung geschah am helllichten Tag.« Aus diesem Grund heißt es in einem Entwurf des Architekturbüros Office Winhov: »Die Farbe des Holocaust ist Weiß.«

Die feste Ausstellung des künftigen Museums thematisiert die Deportation der niederländischen Juden, von denen drei Viertel von den Nazis ermordet wurden – ein Anteil, der so groß ist wie in keinem anderen Land Westeuropas. Dass hier, wie Maas es ausdrückte, »die Vernichtungsmaschinerie der Nazis auf grässlichste Weise gewirkt« hat, dürfte seinen Widerhall in der Millionenspende gefunden haben, für die es in der niederländischen Öffentlichkeit viel Anerkennung gibt. »Wir sind natürlich froh über den hohen Betrag, aber die Symbolik dahinter ist noch wichtiger«, so Schrijver.

Finanzierung Weitere Geldgeber des Museums sind neben der Regierung in Den Haag etwa der Anne Frank Fonds, die Claims Conference oder die niederländische Eisenbahn, aber auch Privatpersonen wie die Schauspielerin Barbra Streisand, die 100.000 Euro spendete.

Mit einer Vielzahl unterschiedlicher Finanziers will man ein »möglichst nuanciertes Bild der Geschichte präsentieren«, so ein offizielles Statement. Dazu zählen »auch Partner, die im Zweiten Weltkrieg aufseiten der Täter standen«. In Deutschland habe sich der betreffende Diskurs zuletzt »enorm entwickelt, von einer Diskussion über Schuld und Verarbeitung zu einer Debatte über Freiheit, Rechtsstaat, Identität und den Wert einer offenen, inklusiven Gesellschaft«.

Interessant wird nun freilich, wie das Nationaal Holocaust Museum mit einer im Kontext solcher Gedenkstätten häufig auftauchenden Frage umgeht: Redet eine Einbettung der Schoa in einen allgemeinen Menschenrechtsdiskurs ihrer Relativierung das Wort?

spende Außenminister Maas ist hier immerhin deutlich und sieht die Spende auch als »Beitrag im Kampf gegen Antisemitismus«. Emile Schrijver betont, das Museum könne »einen wertvollen Beitrag zur Zukunft unserer Rechtstaaten und einem friedlichen Europa leisten«.

In dem seit 2016 provisorisch geöffneten Holocaust-Museum wurden noch bis Februar Ausstellungen gezeigt. Im Juni wird dann auch die Hollandsche Schouwburg gegenüber zwecks Umbau schließen. Zur Eröffnung des neuen Museums soll eine Brücke über die Straße beide Gebäude verbinden – ein Übergang zwischen Elend und Hoffnung.

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