Italien

Ende eines Mörders

Nach tagelangem Streit um die Beisetzung des NS-Kriegsverbrechers Erich Priebke wollte die erzkonservative Piusbruderschaft am Dienstag eine Trauerfeier ermöglichen. Der frühere SS-Hauptsturmführer war vergangene Woche in Rom im Alter von 100 Jahren gestorben. Am Stammsitz der Lefebvrianer in Albano Laziale südöstlich von Rom war eine »private Totenmesse« geplant. Als am Nachmittag der Leichenwagen vorfuhr, riefen Einwohner: »Wir wollen diesen Schlächter nicht in unserer Stadt«. Carabinieri versuchten, die aufgebrachte Menge fernzuhalten. Als schließlich Rechtsextremisten in die Kirche eindrangen, wurde die Trauerfeier abgebrochen.

Roms Bürgermeister Ignazio Marino und der Vatikan hatten sich gegen eine Beerdigung vor Ort ausgesprochen. Die Kommune verweigert dem Kriegsverbrecher eine Grablegung auf städtischem Boden, das Bistum Rom lehnt eine öffentliche Bestattung nach katholischem Ritus ab und erlaubte nur eine private Beerdigung. Tagelang suchte Priebkes Anwalt Paolo Giachini nach Möglichkeiten für ein Begräbnis. Dabei sprach man auch über eine Grabstelle außerhalb Roms, die der Anwalt eigentlich für sich selbst vorgesehen hatte. Bis Mittwochmorgen blieb unklar, wo Priebke letztendlich bestattet wird. Sein Leichnam wurde von Albano auf einen Militärflughafen in der Nähe von Rom gebracht. Italienische Medien berichten, es gebe informelle Kontakte mit der Regierung in Berlin über ein mögliches Begräbnis in Deutschland.

Geburtsort Die Juden in Rom hatten sich dagegen gewehrt, den NS-Kriegsverbrecher in Italien beizusetzen. »Er sollte in das Land zurückkehren, in dem er geboren wurde. Und das ist Deutschland. Er sollte in seinem Geburtsort beigesetzt werden«, schlug der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Rom, Riccardo Pacifici, vor.

»Ich persönlich kann verstehen, dass die jüdische Gemeinde in Rom die Beisetzung Priebkes in Deutschland fordert«, sagte der Präsident des Zentralrats der Juden, Dieter Graumann. »Die hiesigen Behörden sind dann freilich aufgefordert, alles dafür zu tun, dass sein Grab nicht zu einer Pilgerstätte für Neonazis wird.«

Geboren wurde Priebke 1913 in der Stadt Hennigsdorf nordwestlich von Berlin. Über eine mögliche Bestattung dort sagte eine Sprecherin der Stadt: »Wir haben kein Interesse, hier Kriegsverbrecher beizusetzen.«

Massaker Priebke war an einem der schwersten Nazi-Massaker während des Zweiten Weltkriegs in Italien beteiligt: Am 24. März 1944 ermordete die SS in den Adreatinischen Höhlen in der Nähe von Rom 335 Männer, darunter 75 Juden. Priebke wurde dafür 1998 zu lebenslanger Haft verurteilt. Wegen seines hohen Alters saß er sie in der Wohnung seines Anwalts als Hausarrest ab. Eine Entschuldigung oder Reue waren von Priebke nie zu hören. Er berief sich auf den Befehlsnotstand, verherrlichte den Nationalsozialismus und verharmloste die Schoa. In einer Erklärung, die sein Anwalt nach Priebkes Tod veröffentlichte, heißt es, Gaskammern seien nie in Konzentrationslagern gefunden worden.

Bis 1994 lebte Priebke unbehelligt in Argentinien. Dorthin war er 1948 aus der britischen Kriegsgefangenschaft geflüchtet. Wie sein Anwalt mitteilte, wollte Priebke gern in seinem langjährigen argentinischen Wohnort Bariloche neben seiner Frau beerdigt werden. Doch Argentiniens Regierung lehnt die Bestattung ab. Das Auswärtige Amt in Buenos Aires twitterte, Außenminister Hector Timerman habe »die Anweisung gegeben, nicht die geringsten Bestrebungen zur Rückführung der Leiche (...) in unser Land hinzunehmen«. Argentinien werde »diesen Affront gegen die Menschenwürde nicht akzeptieren«. Jüdische Organisationen im Land begrüßten die Entscheidung.

Neonazis »Die ganze Welt drückt ihren Abscheu gegen diesen uneinsichtigen Nazi-Kriegsverbrecher aus«, erklärte der Präsident des Jüdischen Weltkongresses, Ronald S. Lauder. »Wir loben die Regierung von Argentinien, den Bürgermeister von Rom und die Kirche dafür, dass sie sich weigern, Erich Priebke posthum zu rehabilitieren und ihm Glaubwürdigkeit zu geben.« Sein Leichnam sollte eingeäschert und die Asche an einem unbekannten Ort verstreut werden, so wie es mit Adolf Eichmann und Osama bin Laden getan wurde, damit sein Grab kein Wallfahrtsort für Neonazis und andere Antisemiten werde, sagte Lauder.

»Priebkes Tod erinnert daran, wie wichtig die Anstrengungen sind, Holocaust-Täter vor Gericht zu bringen – ungeachtet ihres Alters und der Zeit, die seit dem Verbrechen vergangen ist«, erklärte Efraim Zuroff, Direktor des Simon-Wiesenthal-Zentrums. Die Zeit verringere nicht die Schuld der Mörder. »Wir stehen den Nazi-Opfern gegenüber in der Pflicht, ernsthafte Anstrengungen zu unternehmen, um ihre Mörder zu finden und zur Rechenschaft zu ziehen.«

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