Bosnien-Herzegowina

Ende einer Freundschaft

Anti-israelisches Banner an einer Brücke in Sarajevo (2014) Foto: Krsto Lazarevic

Ich habe es schon oft gesagt, in Bosnien und Herzegowina gibt es keinen Antisemitismus», betont Jakob Finci im Gespräch mit der Jüdischen Allgemeinen. Wenn man sich unter Fußballfans umsieht, beginnt man jedoch daran zu zweifeln, dass es im Land keinen Antisemitismus geben soll. Bei dem Fußballspiel Bosnien und Herzegowina gegen Irland Mitte November wurde eine Schweigeminute für die Opfer der Terroranschläge von Paris abgehalten. Einige der bosnischen Fans unterbrachen die Stille und schrien lauthals: «Palästina, Palästina!».

Fussball-fans Als ein halbes Jahr zuvor die israelische Mannschaft im bosnischen Zenica zu Gast war, trampelten die bosnischen Ultras der «Fanaticos» auf der Israelfahne herum und skandierten ebenfalls «Palästina, Palästina!». Ein Bild von diesem Treiben schaffte es bei Facebook auf mehr als 11.000 Likes. Kommentare wie «Hitler sollte zurückkommen und sich ihrer annehmen» oder «Die Juden sind eine dreckige Rasse» sammelten sich in bosnischer Sprache unter dem Foto. Bosnien-Fans pöbelten zudem vor dem Hotel, in dem die israelische Mannschaft untergebracht war, grölten antisemitische Parolen und warfen Rauchgranaten. Während des Spiels schrien Tausende: «Juden, auf Wiedersehen» – auf Deutsch.

Finci bleibt dennoch bei seiner Aussage: «Den Juden in Bosnien und Herzegowina tut niemand etwas. Das heißt allerdings nicht, dass es keinen Anti-Israelismus gibt. Es gibt Menschen mit sehr wirren Vorstellungen davon, wie man den Nahostkonflikt lösen soll. Das ist aber weit weg von uns und hat mit der Situation von Juden in Bosnien und Herzegowina nichts zu tun.»

Verschwörungstheorien Allerdings erfordert es keine lange Recherche im Internet, bis man auf bosnischen Seiten Verschwörungstheorien findet, in denen «den Juden» oder Israel eine große Macht in der Welt zugeschrieben wird. Es gibt klare personelle Überschneidungen zwischen jenen, die solche Dinge posten, und denen, die Solidarität mit Palästina einfordern. Während des Gaza-Kriegs im Sommer 2014 gab es in Bosnien und Herzegowina propalästinensische Demonstrationen. Auf einer Brücke im Zentrum Sarajevos hing lange Zeit ein Banner mit der Aufschrift: «Stop Genocide in Gaza».

Nach den sogenannten ethnischen Säuberungen während des Jugoslawienkriegs in den 90er-Jahren wurde die bosnische oft mit der jüdischen Geschichte verglichen. Sowohl bosnische Muslime als auch Juden hätten sehr gelitten und seien daher miteinander verbunden, hieß es. Der Grazer Politologe Dario Brentin beobachtet seit einigen Jahren, dass sich diese Sicht zunehmend verändert: «Man solidarisiert sich heute stärker mit der palästinensischen Seite und sieht die Israelis, beziehungsweise Juden, als Aggressor. Da verschwimmen Antisemitismus und Antizionismus. Alles wird miteinander vermischt und als Einheit wahrgenommen.»

Bosnien und Herzegowina ist ein multikultureller Staat, in dem fast alle Juden in konfessionell gemischten Ehen leben. Tätliche Übergriffe gegen die jüdische Bevölkerung sind eine Seltenheit. In manchem Jahr wird kein einziger antisemitischer Angriff registriert. Doch das Gedankengut, das sich gegen Juden richtet, verbreitet sich neuerdings immer stärker.

Portugal

Ende einer Rückkehr

Zehn Jahre lang konnten sefardische Juden, deren Vorfahren einst von der Iberischen Halbinsel vertrieben wurden, einen Pass beantragen. Nun soll Schluss sein

von Michael Ludwig  04.01.2026

Basel

Ein alt-neuer jüdischer Raum

Das wiedereröffnete Jüdische Museum Schweiz erstrahlt in frischem Glanz an einem anderen Ort

von Nicole Dreyfus  04.01.2026

Tschechien

Wiederentdeckung in Prag

Pavel Tigrid war Journalist und intellektueller Wortführer gegen das kommunistische Regime. Nun wurde er geehrt

von Kilian Kirchgeßner  04.01.2026

Jerusalem

Gedenkstätte Yad Vashem verweigerte Selenskyj Rede

Kurz nach Kriegsbeginn in der Ukraine wollte Selenskyj in Yad Vashem sprechen. Aber durfte nicht. Der Gedenkstätten-Vorsitzende nennt nun dafür klare Gründe

 03.01.2026

Schweiz

Opfer von Crans-Montana auch in Deutschland in Behandlung

Nach dem schweren Brand in einer Bar werden drei Verletzte in Stuttgart und Tübingen behandelt. Die Kliniken setzen auf spezialisierte Versorgung und halten sich mit Details zurück

 02.01.2026

Ehrung

Bundespräsident Steinmeier gratuliert Blumenthal zum 100. Geburtstag

Michael Blumenthal hatte eine steile Karriere in den USA hingelegt, unter anderem als Finanzminister, bevor er den Chefposten im Jüdischen Museum Berlin übernahm. Zum runden Geburtstag würdigt ihn der Bundespräsident.

 02.01.2026

Crans-Montana

Nach Brandkatastrophe: Jüdische Schwestern tot

Die bis gestern als vermisst geltenden Teenager sollen tot sein. Die israelische Freiwilligenorganisation ZAKA hilft nach der Brandkatastrophe im Skiort

 02.01.2026 Aktualisiert

Sydney

Das Mizwa-Haus am Bondi Beach

Chabad-Rabbiner laden am Bondi Beach Juden und Nichtjuden zum Beten, gemeinsamen Essen und Gedenken an die Opfer des Massakers vom 14. Dezember ein

 01.01.2026

Crans-Montana

Inferno bei Silvesterparty: Dutzende Tote in der Schweiz. Chabad-Betsaal von Großbrand nicht betroffen

Was bislang über die Explosion im Schweizer Nobel-Skiort bekannt ist

von Christiane Oelrich  01.01.2026 Aktualisiert