Washington

Ein »Mentsch« in Robe

Bei der Nominierung am Mittwoch: Merrick Brian Garland (l.) mit US-Präsident Barack Obama Foto: dpa

US-Präsident Barack Obama hat am Mittwoch den 63-jährigen Bundesberufungsrichter Merrick Brian Garland zum neuen Verfassungsrichter nominiert. Seit dem Tod des ultrakonservativen Antonin Scalia (78) Mitte Februar ist der Posten eines der acht beigeordneten Richter (Associate Justice) am Obersten Gerichtshof vakant.

Scalias möglicher Nachfolger gilt als moderat, genießt aber in fachlicher Hinsicht auch bei den Konservativen einen guten Ruf. Die in New York erscheinende jüdische Zeitung »Forward« beschreibt Garland als »warmherzig, mitfühlend« – und nennt ihn einen »Mentsch«.

Biografie Nach seinem Studium an der Harvard Law School machte Garland eine beeindruckende Karriere als Rechtsanwalt, Staatsanwalt und Richter. Wie die Jewish Telegraphic Agency berichtete, erwähnte Garland am Mittwoch bei dem gemeinsamen Auftritt mit Obama seine jüdische Herkunft und erzählte von der Verfolgung seiner Großeltern im Zarenreich. Neben Elena Kagan (55) und Ruth Bader Ginsburg (83) wäre Garland am Supreme Court der dritte Richter jüdischer Herkunft.

Ob er tatsächlich Scalias Nachfolger wird, entscheidet sich möglicherweise erst in einigen Monaten. Laut Verfassung hat Obama zwar die Pflicht, einen Nachfolger für den verstorbenen Scalia vorzuschlagen. Doch das letzte Wort liegt beim Senat – der von den Republikanern dominiert wird. Wie amerikanische Medien berichten, wollen etliche Abgeordnete eine Anhörung Garlands vor dem Senat so lange aufschieben, bis Amerika einen neuen Präsidenten hat. ja

Essay

Der Druck der Straße: Kann Frankreich seine Juden noch schützen?

Eine Republik, die ihre Rathäuser nicht schützen kann, wird auch ihre Juden nicht mehr lange beschützen können, meint unser Gastautor

von Rabbiner Pinchas Goldschmidt  23.10.2026

Rom

Papst vor AJC-Delegation: »Kirche duldet keinen Antisemitismus«  

Erstmals empfing Leo XIV. im Vatikan eine Delegation des American Jewish Committee - und betonte in seiner Ansprache, dass der interreligiöse Dialog zum Weltfrieden beitrage

 22.10.2026

New York

Magische Juden

Handleser, Geisterbeschwörer, Wahrsager und Wunderheiler: Eine neue Ausstellung beleuchtet die Lust am Okkulten

von Eva C. Schweitzer  21.10.2026

Interview

»Die Situation in Irland ist besonders dramatisch«

Daniel Botmann, der Geschäftsführer des Zentralrats der Juden in Deutschland, spricht über seine jüngsten Besuche in Irland und Großbritannien und die Zusammenarbeit innerhalb der J7-Gruppe der großen jüdischen Gemeinden weltweit

von Michael Thaidigsmann  21.10.2026

London

Jüdinnen auf offener Straße angegriffen

Die Opfer wurden im Stadtteil Clapton Common ins Gesicht geschlagen

 21.10.2026

Israel

»So wollte ich nicht sterben«

Der indische Kapitän des »Fly Dubai«-Fluges schildert erstmals ausführlich, was sich an Bord abspielte

 20.10.2026

Kommentar

Eine unheilvolle Allianz

Wenn wie in Frankreich die radikale Linke und Islamisten Juden für Israels Politik verantwortlich machen, ist eine Grenze überschritten

von Simone Rodan  20.10.2026

Frankreich

Anarchie und Antisemitismus

Was mit Schülerprotesten gegen schlechte Lernbedingungen begann, hat sich zu gewalttätigen politischen Unruhen ausgewachsen, befeuert von Judenhass

von Laura Sahin  19.10.2026

Dave Rich

»Jüdische Studierende schweigen oft«

Der Antisemitismus-Experte über zunehmenden Judenhass an Universitäten, mangelnde Sicherheit im Alltag und die extreme Rechte in Großbritannien

von Nicole Dreyfus  19.10.2026