Niederlande

Eifer, Fleisch und Politik

Seit Jahrtausenden üblich: Zum koscheren Schlachten gehört auch das Entfernen der Hüftsehne. Foto: Marianna Trembovler

In den Niederlanden wird das Schächten vorerst nicht verboten. Medienberichten zufolge fand die Verbotsinitiative der Tierschutzpartei am Dienstagabend in Den Haag keine Mehrheit im Senat, dem Oberhaus des Parlaments. Die Abgeordnetenkammer hatte Ende Juni mit 116 zu 30 Stimmen dafür gestimmt, das rituelle Schlachten ohne Betäubung zu verbieten.

Kompromiss Landwirtschaftsstaatssekretär Henk Bleker unterbreitete dem Senat einen Kompromissvorschlag. Demnach sollen mit Metzgereien sowie der jüdischen und der islamischen Gemeinschaft Kontingente ausgehandelt werden, wie viele Tiere pro Jahr geschächtet werden dürfen. Außerdem solle genau festgelegt werden, wie viel Zeit beim betäubungsfreien Schlachten zwischen dem Schnitt und dem Eintreten des Todes vergehen darf.

Jüdische und islamische Organisationen äußerten sich erleichtert über das Ergebnis. Der Präsident des Jüdischen Weltkongresses Ronald S. Lauder sagte in einer Erklärung: »Wir sind dankbar, dass das koschere Schlachten, das von Juden seit Jahrtausenden praktiziert wird, und das – im Gegensatz zu den Ansichten einiger Aktivisten – keine grausame Praktik ist, nun in den Niederlanden wahrscheinlich nicht verboten wird.« Vernunft und religiöse Freiheit hätten über politischen Eifer gesiegt, so Lauder. Am kommenden Dienstag wird der Senat abschließend über den Verbotsantrag beraten. ja

7. Oktober

London: Maskierte Aktivisten protestieren gegen jüdischen Dachverband

Antiisraelische Aktivisten haben den Jahrestag des 7. Oktober 2023 zum Anlass genommen, das Board of Deputies of British Jews verbal anzugreifen. Es gab mehrere Festnahmen

 07.10.2026

Top 50

Die einflussreichsten Juden

Wie in jedem Jahr hat die »Jerusalem Post« ihr Ranking veröffentlicht – mit mehr Frauen und Gruppenplätzen

von Michael Thaidigsmann  07.10.2026

Meinung

Seht her, Berlin und New York: Es geht auch anders

Gerade am 7. Oktober wäre von linker Seite mehr Feingefühl zu erwarten. Zürich zeigt es diesmal vor.

von Nicole Dreyfus  07.10.2026

Fußball

Boykott gegen Israel – schließt sich das Schweizer Frauennationalteam den irischen Männern an?

Der Schweizerische Fußballverband reagierte offen, betonte jedoch, dass der Sport im Zentrum stehen solle

von Nicole Dreyfus  07.10.2026

Schweiz

Leerstellen im Mengele-Dossier

Nicht nur geschwärzte Namen sorgen im Mengele-Dossier des Nachrichtendienstes für Fragen. Auch wichtige Unterlagen fehlen – und niemand kann heute mehr genau erklären, warum.

von Nicole Dreyfus  06.10.2026

Großbritannien

»Die Grünen sind jetzt eine extremistische Partei«

Ein Parteitagsbeschluss der englischen Grünen, in dem der Zionismus als eine Spielart des Rassismus bezeichnet und zur Befreiung Palästinas aufgerufen wird, ist nicht nur in Großbritannien auf heftige Kritik gestoßen

 05.10.2026

Nachruf

Weimer würdigt gestorbene Holocaust-Überlebende Irene Butter

Eine weitere jüdische Zeitzeugin des Holocaust ist tot. Irene Butter starb im Alter von 95 Jahren in den USA. Lange hatte sie nichts von ihren Erlebnissen im KZ erzählt. Dann berichtete sie jahrzehntelang Schülern von ihrem Leben

von Christoph Arens  05.10.2026

Schweiz

Ein Importverbot von koscherem Fleisch gefährdet jüdisches Leben

Ein Kommentar von Jonathan Kreutner, Generalsekretär des jüdischen Dachverbands SIG

von Jonathan Kreutner  02.10.2026

Madrid

Kritik an Zara wegen Halloween-Kostüm mit Ähnlichkeit zu KZ-Kleidung

Die Hintergründe

 02.10.2026