Bäckerei Schmutz

Die letzte Challe

Verkauft seit den 30er-Jahren Kuchen, Brot und Patisserie: Bäckerei Schmutz in der Austraße Foto: Peter Bollag

Wer die Bäckerei Schmutz in Basel in diesen Tagen zum ersten Mal besucht, der staunt: Neben den zu Chanukka so beliebten Sufganiot liegt Weihnachtsgebäck – beides versehen mit dem Koscher-Zertifikat der Basler Rabbinate.

Basels einzige Koscher-Bäckerei stellt seit den 30er-Jahren Backwaren, Kuchen und Patisserie her. Von koscher wusste man damals bei Schmutz noch nichts. Doch weil die Bäckerei bald darauf aus einem Vorort in die unmittelbare Nachbarschaft der Israelitischen Gemeinde Basel (IGB) zog, kam irgendwann die Anfrage, ob sie nicht Interesse hätte, jeweils am Freitag koschere Challot und vielleicht auch einen Kuchen zu backen.

Croissants Bäcker Schmutz hatte Interesse, und so wuchs nach und nach sein Angebot an koscheren Backwaren, das die Kundschaft inzwischen längst nicht mehr nur vor dem Schabbat oder vor jüdischen Feiertagen in den Laden führt. Zugleich versuchte Schmutz auch, der großen nichtjüdischen Kundschaft gerecht zu werden. Das führt dazu, dass im nicht allzu großen Laden gelegentlich koschere neben trejfenen (nicht koscheren) Croissants liegen, wenn auch fein säuberlich getrennt und nicht zu verwechseln. Das Basler Rabbinat (zu dem in diesem Falle auch das der ultraorthodoxen Israelitischen Religionsgesellschaft zählt – die Koscher-Aufsicht wird gemeinsam geführt), stellte dies vor eine schwierige, aber durchaus lösbare Aufgabe.

Und weil es auch die jüdische Kundschaft zu schätzen wusste, Weihnachtsgebäck oder die in Basel überaus beliebten Fasnachtsspezialitäten wie Zwiebelkuchen koscher zu bekommen, wuchs im Laufe der Jahre auch dieses Angebot. Seit einiger Zeit ist fast das ganze Sortiment koscher.

»Die jüdische Kundschaft blieb uns wohl auch deshalb über die Jahre treu«, betont Geschäftsinhaber Christoph Schmutz, der den Betrieb nach dem Tod seiner Mutter vor einigen Jahren übernommen hat.

Doch Ende Dezember wird er seinen Betrieb schließen und den Laden verkaufen. Dass er aufgibt, liege aber nicht an der aufwendigen Koscher-Produktion, betont Schmutz. Vielmehr seien es wirtschaftliche Gründe allgemeiner Art, die ihn zu diesem Schritt zwingen würden.

Familienbetrieb Bäckereien, zumal Familienbetriebe, haben es auch in der Schweiz immer schwerer, sich gegen die wenigen Großverteiler, die rund um die Uhr frisch backen, durchzusetzen. Hinzu kommt, dass immer weniger Schulabgänger überhaupt das Bäckerhandwerk lernen wollen – noch dazu in einem kleinen Betrieb.

Außerdem hätten Investitionen angestanden, denn Backstube und Backgeräte sind veraltet. Doch das wollte der 56-jährige Bäcker nicht mehr, auch wenn es darüber Gespräche mit den beiden Gemeinden gab. Denn die stehen nun auf einmal ohne koschere Backwaren da und müssen nach einer Alternative suchen.

Zwischenlösung Für die ersten Monate scheint sich eine Zwischenlösung anzubieten: Das koschere Restaurant Topas übernimmt vorläufig die Schmutz-Nachfolge und verpflichtet dafür auch den Patissier der Bäckerei. Details müssen allerdings noch ausgearbeitet werden. Auch wird das Angebot künftig vermutlich nicht mehr ganz so groß sein, denn das Kerngeschäft des Restaurants sind fleischige Mahlzeiten und nicht unbedingt ein reichhaltiges Kuchen- oder Patisserie-Angebot. Doch vielleicht wird eine neue Dauerlösung ja dann auch ganz anders aussehen.

Einen kleinen Trost gibt es für all jene, die sich an die Gesetze der Kaschrut halten: Vermutlich zum ersten Mal in der Geschichte Basels gibt es dieses Jahr einen Maroni-Stand, der über einen richtigen Hechscher (Koscherzertifikat) verfügt.

USA

Die berühmteste Nähmaschine der Welt

Vor 175 Jahren ließ Isaac M. Singer seine »Sewing Machine« patentieren – und löste damit in der Textilindustrie und in Privathaushalten eine Revolution aus

von Sarah Thalia Pines  17.08.2026

Bern

Verantwortung lässt sich nicht neutralisieren

Die Schweiz debattiert anlässlich einer Volksabstimmung über ihre Neutralität. Ein Kommentar von JA-Schweiz-Korrespondentin Nicole Dreyfus

von Nicole Dreyfus  16.08.2026

Los Angeles

Rekord-Deal in der NBA: Iger und Kushner kaufen die LA Lakers

Die beiden jüdischen Geschäftsmänner Bob Iger und Joshua Kushner übernehmen das Basketball-Team für 12,5 Milliarden US-Dollar

 16.08.2026

Österreich

Vermisste Israelinnen in Wien: Polizei stellt Suche ein

Europol hat die Ermittlungen im Fall der in Wien vermissten Israelinnen übernommen. Auch der Mossad soll vor Ort sein. Es wird davon ausgegangen, dass Mutter und Tochter nicht mehr in der Stadt sind

 14.08.2026

Antisemitismus

»Schade, dass Hitler den Job nicht vollendet hat«

Ein Mann aus Irland äußerte sich bei einer Begegnung mit jüdischen Touristen in einem französischen Supermarkt antisemitisch und drohte dem Paar gar mit Erschießung.

 14.08.2026

Wien

Vermisste Israelinnen: Gerüchte sorgen für Aktiensturz

Im Fall der vermissten Mutter und Tochter in Österreich haben Gerüchte in den sozialen Medien zu einem Kurssturz bei der israelischen Bank geführt, bei der eine der Frauen arbeitet

 13.08.2026

Italien

Ein Tempel für alle

Über der Biennale in Venedig schwebt eine Synagoge. Was sich die ukrainische Künstlerin Anna Kamyshan dabei dachte und wie sie es geschafft hat

von Sophie Albers Ben Chamo  13.08.2026

Judenhass

Tourist mit Kippa in Rom zweimal attackiert

Antisemitische Vorfälle in Italien nehmen seit Jahren zu. Nun wurde ein junger Tourist in der Hauptstadt gleich zweimal angegriffen. Er trug eine Kippa

von Severina Bartonitschek  12.08.2026

Österreich

Vermisste Israelinnen in Wien: Familie befürchtet das Schlimmste

Im Fall der vermissten Mutter und Tochter gibt es neue Details. Unter anderem über die Unterkunft in Wien. In Israel wurde eine Nachrichtensperre erlassen

 12.08.2026 Aktualisiert