»Young Americans for Israel«

Die Aufklärer

Bekunden Unterstützung: Israel-Sympathisanten auf der New Yorker Fifth Avenue Foto: dpa

Auf den ersten Blick sieht es aus wie eine Party unter Freunden: Junge Menschen stehen in Grüppchen zusammen und unterhalten sich, auf papierüberzogenen Tapeziertischen stapeln sich Pizzakartons. Nur die ordentlich arrangierten Stuhlreihen und das mit der amerikanischen und der israelischen Flagge geschmückte Rednerpult verraten, dass hier gerade eine Vortragsveranstaltung der Gruppe »Young Americans for Israel« (YAFI) beginnt. Zevi Solomon und Roey Shoshan, die Köpfe dahinter, begrüßen jeden Neuankömmling persönlich und nehmen seine Kontaktdaten auf – »für ein Feedback nach der Veranstaltung«, erklärt Solomon.

idee Auf die Idee zur Gründung von YAFI kam Solomon im Sommer vergangenen Jahres. »Ich habe mit Schrecken festgestellt, wie wenig junge Leute über Israel Bescheid wissen und wissen wollen«, sagt der YAFI-Gründer. Die Veranstaltungen, die sie besuchten, und die Themen, die sie beschäftigten, seien vor allem auf das gesellschaftliche Leben oder auf ihre Karriere ausgerichtet. »Sie sorgen sich um die Rückzahlung ihrer Studienkredite, suchen einen guten Job und einen Ehepartner und wollen einfach Spaß haben.

Israel ist schlichtweg nicht auf ihrem Schirm«, sagt er. Diese Unkenntnis der Fakten und Zusammenhänge hält Solomon für gefährlich, weil sie zu Desinteresse oder schlimmer, Ablehnung führen können. Einer Umfrage des in den USA führenden Markt- und Meinungsforschungsinstituts Gallup vom 22. und 23. Juli 2014 zufolge – zwei Wochen nach der schweren Auseinandersetzung zwischen Israel und der Hamas in Gaza – hielten nur 25 Prozent der Befragten zwischen 18 und 29 Jahren Israels Vorgehen für gerechtfertigt. Eine andere Umfrage in den darauffolgenden Tagen ergab, dass 29 Prozent der genannten Altersgruppen Israel für den Konflikt verantwortlich machten. Auch der traditionell starke Rückhalt unter den Anhängern der Demokratischen Partei scheint in allen Generationen zu schwinden.

tragweite Schuld daran sei vor allem die einseitige Medienberichterstattung über Israel in den USA, meint der gebürtige Israeli Roey Shoshan, der vor vier Jahren von Israel nach Atlanta zog. »Ich war schockiert, wie sehr die amerikanischen Medien die Realität in Israel verzerren«, sagt Shoshan. Falschinformation gehe mit Gleichgültigkeit Hand in Hand. »Die Menschen hier sind sich der Tragweite der Situation, in der sich Israel befindet, nicht bewusst.

Sie halten den Kampf um Territorien und die Bewahrung der Demokratie für einen rein regionalen Konflikt – dabei waren allein von dem Raketenbeschuss im vergangenen Jahr zwei Millionen Menschen betroffen«, erklärt Shoshan. Nach der sogenannten Tunnelkrise im Jahr 2014 organisierte Roey mit ein paar Freunden einen privaten Informationsabend. Zevi Solomon war auch dabei. »Das war für mich ein Schlüsselerlebnis«, sagt Solomon. »Ich wollte daraus eine Tradition machen und mehr Leute erreichen.« Also setzten sich Shoshan und Solomon zusammen und schrieben einen »Mini-Businessplan«. Das war der Beginn von YAFI.

pizza »Unser Konzept ist aus drei Gründen einzigartig«, erklärt Solomon. Erstens: die Form. YAFI sei eine Gruppe, keine Organisation. Es gibt keine Mitgliedschaft, keine Verpflichtung, und alles ist umsonst, »auch die koschere Pizza«, sagt Solomon lachend. YAFI wirbt nicht um finanzielle Unterstützung und lehnt jede ideologische »Schirmherrschaft« ab. Zweitens: der Rahmen. Die Zusammenkunft »im Stil einer Bürgerversammlung«, wie Solomon es nennt, erlaubt die Interaktion aller Teilnehmer mit dem Sprecher und untereinander. »Jeder kann Fragen stellen oder Anregungen geben«, sagt Solomon. Und schließlich: die Öffnung des Besucherkreises. »Bei uns sind alle willkommen, die für Israel sind – egal, ob jüdisch oder nichtjüdisch«, sagt Shoshan.

YAFI ist unpolitisch, unabhängig und will nur eines: mit Aufklärung über Fakten dahingehend Sensibilität und Bewusstsein für Israel wecken, dass junge Leute zu Fürsprechern für Israel und seine Belange werden. »Jeder soll sich seine eigene Meinung bilden und die Motivation finden, sich für Israel einzusetzen«, beschreibt Solomon seine Mission. Zum Beispiel, aber nicht nur, durch einen späteren Beitritt zu einer Lobby-Organisation wie AIPAC (American Israel Public Affairs Committee) oder FDIF (Friends of the Israel Defense Forces). »YAFI ist aber kein Vorbereitungscamp«, betont Solomon.

Obwohl er selbst AIPAC nahesteht und FDIF-Mitglied ist, soll sich YAFI bewusst von den organisierten Lobbygruppen absetzen. Die Veranstaltungen dieser Organisationen seien extrem teuer, und die Mitgliedschaft koste um die 1500 Dollar. »Wer Ideen verkaufen will, schreckt junge Leute ab«, ist Solomon überzeugt. Es müsse vielmehr »cool« sein, Israel zu unterstützen.

Der Werbefachmann erklärt seine Theorie mit einem Konzept aus dem Marketing: »Zehn Prozent der weltweiten Bevölkerung werden als sogenannte Botschafter angesehen – von Marken, Produkten und Ideen«, meint er. Sie seien Visionäre und Trendsetter – neugierig, experimentierfreudig und bereit, Risiken einzugehen. »Jeder hat doch diesen einen Typen in seinem Bekanntenkreis, der immer das neueste Smartphone hat, die neueste Musik hört, die coolsten Läden kennt, und andere folgen ihm nach. Diese Leute suchen wir«, sagt Solomon.

pläne Redner gewinnt YAFI aus dem eigenen Netzwerk, jedenfalls vorerst. Ausgesucht werden sie passend zum jeweiligen Thema. Bislang hat die Gruppe Veranstaltungen zu den Themen »Wahlen in Israel«, »ISIS und Israel« und »Iran« organisiert. Die Jubiläumsveranstaltung am vergangenen Donnerstag widmete sich der amerikanischen Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr und möglichen Folgen für das amerikanisch-israelische Verhältnis.

Pläne für das kommende Jahr gibt es viele. So wollen Solomon und Shoshan in Zukunft etwa ihre Kooperation mit Israel und israelischen Organisationen vertiefen; bereits jetzt arbeiten sie eng mit dem israelischen Generalkonsulat in Atlanta zusammen. Eine andere Idee besteht darin, ein Mitglied des US-Senats als Redner einzuladen. »Die gegenwärtige Israelpolitik der amerikanischen Regierung macht mir Angst«, sagt Solomon. »Israel ist alles, was wir Juden haben.«

Dokumentation

»Mehr Mut zu unbequemen Wahrheiten!«

Die Jüdische Allgemeine ist mit dem Tacheles-Preis ausgezeichnet worden. Hier dokumentieren wir die Dankesrede von JA-Chefredakteur Philipp Peyman Engel

von Philipp Peyman Engel  21.05.2026

Nachruf

Barney Frank mit 86 Jahren gestorben

Als liberale Stimme im Washingtoner Kongress prägte der jüdische Abgeordnete der Demokraten sowohl die Debatten über Finanzmarktregulierung als auch über die Rechte von Homosexuellen

 20.05.2026

Spanien

Mordverdacht: Sohn von Mango-Gründer festgenommen

Die Polizei in Katalonien hat Medienberichten zufolge den Sohn des Mango-Gründers und Philanthropen Isaak Andic festgenommen. Jonathan Andic war als einziger dabei, als sein Vater im Dezember 2024 einen Abhang hinunterstürzte

 19.05.2026

Washington D.C.

Abgeordneter Jared Moskowitz erhält antisemitisch motivierte Morddrohungen

In Zuschriften wird der Demokrat unter anderem als »zionistisches, jüdisches verdammtes Schwein« (»zionist Jewish fucking pig«) beschimpft. Er ist nicht der einzige jüdische Politiker in den USA, der bedroht wird

 19.05.2026

London

Israeli in Golders Green zusammengeschlagen

Der 22-Jährige wurde über die Straße gezerrt und geschlagen, bis er beinahe das Bewusstsein verlor

 19.05.2026

Kanada

Kritik an Pro-Terror-Konferenz in Toronto

Die Veranstaltung soll die Massaker vom 7. Oktober 2023 würdigen und wird von verbotenen Organisationen getragen

 18.05.2026

Großbritannien

Ausstellung zu Hamas-Massaker wegen Sicherheitsbedenken ohne Hinweisschild

Die Polizei will den genauen Standort der Schau möglichst lange geheim halten. Anti-Terror-Einheiten sind in den Schutz der Präsentation über den Terror des 7. Oktobers eingebunden

 18.05.2026

Frankreich

Das Glück, wenn ich es will

Gérard Blitz und Gilbert Trigano gründeten einst den Club Méditerranée. Und eine Utopie der Gemeinsamkeit aus der Nachkriegszeit wurde zum Trend

von Mark Feldon  17.05.2026

Hollywood

Der unaufgeregte Glam der Zoë Kravitz

Die Tochter berühmter Eltern hat sich eine eigene Karriere aufgebaut – und ist stolz auf ihre afroamerikanischen und jüdischen Wurzeln

von Nicole Dreyfus  17.05.2026