USA

»Chag sameach!«

Er ist wohl der einzige Weihnachtsmann, der Chanukka feiert und den Schabbat hält: Rick Rosenthal aus Atlanta. Der 66-Jährige ist Jude, zugleich bekennender Weihnachtsfan. Die Nachrichtenagentur JTA hatte kürzlich über ihn berichtet. Seitdem steht das Telefon kaum noch still, erzählt er. Aber auf jede noch so neugierige Nachfrage gibt er bereitwillig Antwort, geduldig, klug und sehr freundlich.

Als Jude habe er überhaupt kein Problem, in die Rolle der Symbolfigur des christlichen Festes zu schlüpfen. Erstens, so Rosenthal, sei Weihnachten doch das Fest der Liebe. Und zweitens sei der Weihnachtsmann auch eher eine spirituelle Figur. »Wenn Santa Claus katholisch, evangelisch oder presbyterianisch wäre, würde er zu einer bestimmten Kirche gehören. Aber das ist doch nicht der Fall.« Der Papst sei katholisch, ein Rabbiner jüdisch.

»Man muss nicht an ihn glauben. Aber man kann ihn doch akzeptieren«, sagt Rosenthal über den Weihnachtsmann.

»Doch Santa gehört keiner bestimmten Religion an. Ja, er glaubt an eine höhere Kraft. Aber er ist keine religiöse Figur.« Der Weihnachtsmann sei allseits akzeptiert, man traue ihm und liebe ihn. »Man muss nicht an ihn glauben. Aber man kann ihn doch akzeptieren«, meint Rosenthal.

»Wenn man ein bedürftiges Kind sieht, ist es doch ganz egal, ob man Jude, Christ, Muslim oder Buddhist ist. Man sollte einfach helfen, ohne nach der Religion zu fragen.« Und irgendwie, meint Rosenthal, seien wir doch alle Kinder. »Und ich sehe nun mal so aus wie Santa, das ganze Jahr lang«, fügt er hinzu. »Ich habe weiße Haare und einen weißen Bart.« Wildfremde Menschen jedes Alters kämen immer wieder auf ihn zu, wollten ihn umarmen. »Für sie bin ich Santa. Warum sollte ich ihnen dann zu Weihnachten keine Freude bereiten?«

Kostüm Und auch außerhalb der Feiertagszeit komme er aus der Rolle nicht mehr heraus. »Denn wenn du wie Santa aussiehst, musst du dich auch wie Santa verhalten.« So ist er nun als »Santa Rick« schon seit vielen Jahren nicht nur in der Weihnachtszeit im roten Kostüm unterwegs. Darin sieht er übrigens wirklich so aus, als sei er gerade einem Hollywood-Film oder der Coca-Cola-Werbung entsprungen. In Atlanta betreibt er die »Northern Lights Santa Academy« und bildet dort den Santa-Nachwuchs aus. Er selbst wird unter anderem für Familienfeiern, Partys, Paraden und andere Anlässe gebucht.

Und er lebt als bewusster Jude. Er wurde konservativ erzogen, ist aber schon seit Jahrzehnten orthodox. »Ich bin Jude, kein Christ«, betont er ausdrücklich. In seiner Wohnung habe er einen Chanukkaleuchter, doch niemals würde er dort einen Weihnachtsbaum aufstellen oder Weihnachtsschmuck in die Fenster hängen.

Die Kritik, nach der sich ein Jude deutlich von christlichen Bräuchen und Traditionen abzugrenzen hat, kann er nachvollziehen.

Auch die Kritik, nach der sich ein Jude deutlich von christlichen Bräuchen und Traditionen abzugrenzen habe, könne er nachvollziehen. Doch wendet er ein: »Es beschwert sich doch auch niemand über jüdische Ärzte, die am Weihnachtsabend in den Krankenhäusern arbeiten, damit die Kollegen ihren Feiertag begehen können. Nun bin ich kein Arzt. Aber ich möchte helfen, dass Nichtjuden ihr Fest feiern können, dafür bin ich da.«

Ausnahme Nur eine Ausnahme gibt es: wenn Weihnachten auf einen Schabbat fällt. So wie vor zwei Jahren, da war der 24. Dezember ein Samstag. »Ich bin Schomer Schabbat. Da muss man dann schon mal auf Santa Rick verzichten.«

Da mache er keine Kompromisse. Es sei schließlich wichtig, zu wissen, wer man ist. »Gott hat die Menschen in ihrer Unterschiedlichkeit geschaffen. Er wollte die Welt nicht gleichmachen. Aber er wollte, dass wir uns gegenseitig helfen und die Welt dadurch besser machen.« Und so verstehe er auch seine Rolle: »Denn es wäre doch absurd zu denken, dass ich, wenn ich die Welt etwas verbessern kann, es nicht tun sollte.« ddk

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